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Rennanalyse DTM Nürburgring

Spazierfahrt für Audi-Quartett

Nürburgring 2009 Foto: Wolfgang Wilhelm 35 Bilder

Am Nürburgring fügte Audi der Mercedes-Konkurrenz mit eine herbe Niederlage zu. Entscheidend für den Vierfach-Erfolg der Ingolstädter war die hitzige Startphase. In unserer Analyse blicken wir noch einmal zurück auf die kompromisslosen Gefechte in den ersten Kurven.

17.08.2009

Verbrachten die vier Audi-Fahrer an der Spitze einen gemütlichen Nachmittag?

Mit einem erleichterten Lächeln erzählte Sieger Martin Tomczyk, wie sein Arbeitstag am Nürburgring begann: "Wenn man in der ersten Runde in den Spiegel schaut und man sieht zwei Audi hinter sich, dann ist es sicherlich leichter, als wenn man zwei Mercedes hinter sich hat." Und weil er weder von Stallregie noch durch freche Gegner bedrängt wurde, fuhr Tomczyk zu einem überlegenen Sieg vor Timo Scheider, Mattias Ekström und Markus Winkelhock (Rosberg-Audi), dem besten Fahrer eines Vorjahresautos.

Was für viele Zuschauer auf dem brütend heißen Nürburgring so aussah wie ein Einzelzeitfahren über 48 Runden, wirkte aus der Cockpitperspektive deutlich spektakulärer. Speziell das, was sich auf den ersten zwei Kilometern abspielte. In der ersten Runde flogen die Fetzen: "Da gab es jede Menge Kollisionen. Ich sah eine ganze Menge Carbonteile herumsausen", staunte Mercedes-Fahrer Jamie Green, der als Elfter ins Rennen gegangen war.

6. Lauf zur DTM auf dem Nürburgring 4:02 Min.

Martin Tomczyk bot am ganzen Wochenende eine herausragende Leistung. "Mit einer Ausnahme war ich ja auch in allen Trainingssitzungen der Schnellste", meinte er. "Die Abstimmungsarbeit im Freien Training war diesmal sehr schnell erledigt. Das Auto war einfach phantastisch."

Timo Scheider, der Zweitplatzierte, profitierte davon. "Martin hat auch im Warmup ein unglaubliches Tempo vorgelegt", berichtete der neue Tabellenführer. "Ich hatte dagegen am Sonntagmorgen Probleme mit meinem Auto." In seiner Not übernahm Scheider Tomczyks Setup. "Danke an Martin und an seinen Ingenieur", meinte Scheider nach dem Rennen. "Das war ein bisschen richtungweisend."

Wurde Mercedes unter Wert geschlagen?

Vier Audi vorn, Gebrauchtwagen-Fahrer Jamie Green als bester Mercedes auf Platz fünf, vor Bruno Spengler, Ralf Schumacher und Gary Paffett. Und zudem die Führung in der Meisterschaft verloren. Da kam Mercedes-Sportchef Norbert Haug zu dem Befund: "Es hat mir nicht gefallen, dass wir im Rennen nicht besser mitmischen konnten. Heute haben wir underperformt."

Unter Wert geschlagen - das kann vorkommen im Rennsport. Dabei begann das Wochenende in der Eifel gar nicht so schlecht für Mercedes. Bruno Spengler schaffte Startplatz zwei, trotz zehn Kilo Mehrgewicht gegenüber den Audi. Doch der Kanadier war einer der großen Verlierer des Startgetümmels. "In Kurve drei habe ich hinten einen starken Schlag gespürt", berichtete Spengler. "In Rechtskurven hatte ich danach starkes Übersteuern. Schade, von Mattias habe ich so etwas nicht erwartet." Der Beschuldigte sah dies naturgemäß anders: "Bruno machte zuvor einen Fehler in Turn 2. Da stand er quer und kam langsamer heraus als ich erwartet habe."

Paul di Resta war ebenfalls in allerlei Scharmützel verstrickt. Mit einem Auto, das bereits einige Kohlefaserteile eingebüßt hatte, hielt er sich auf Platz sechs, fuhr aber rund eineinhalb Sekunden pro Runde langsamer als die Audi an der Spitze. In Runde 16 war Schluss für den Schotten, als der Heckflügel plötzlich abbrach.

Haug erregte sich aber über die Ungeschicklichkeit der Audi-Amazone Katherine Legge, die in der Startkurve Tabellenführer Gary Paffett rammte. "Unnötig und vermeidbar war dies", bellte der Schwabe. Paffett hatte seine Siegchancen aber schon in der Qualifikation eingebüßt, weil sein Motor wegen Fehlzündungen nur noch sprotzelnd lief. Platz acht ist unter diesem Umständen in Ordnung.

Ralf Schumacher holte Rang sieben und damit sein zweitbestes Resultat des Jahres. Sein Chef Haug gab ihm trotzdem keine allzu gute Benotung: "Ralf hatte ein weitgehend intaktes Autos. Aber der Abstand zu Spitze ist zu groß. Er hat sich wacker geschlagen, aber es gibt keinen Grund, jetzt in Jubel auszubrechen. Ralf war auf dem Performance-Level seiner Kollegen. Aber die hatten ja wie gesagt beschädigte Autos."

Haben die Kommissare mit zweierlei Maß gemessen?

Zunächst sah es aus wie eine schier unglaubliche Duplizität der Ereignisse: Als Martin Tomczyk mit seinem Audi A4 nach der Einführungsrunde in der Startbox einparkte, ragte die Schnauze seines blausilbernen Rennautos aus dem aufgepinselten Karree heraus. "Viel zu weit", meinten einige. Auf den ersten Blick wirkte es so, als wäre dem Rosenheimer der gleiche fatale Fehler passiert wie zwei Wochen zuvor seinem Teamkollegen Tom Kristensen.

In Oschersleben war der Däne, Schnellster des Trainings, um ein paar Millimeter zu weit vorne gestanden. Die Kommissare kannten kein Pardon. "Durchfahrtsstrafe!" So lautete ihr Urteil. "Eine viel zu harte Strafe", empörte sich Kristensen.

Tomczyk hingegen hatte Glück: In seinem Fall konnten die Kommissare keinen Regelverstoß erkennen. "Mit der Radnabe darf man ja genau über dem Strich stehen", erläuterte der 27-Jährige. Eine Chance, das vom Cockpit aus zu sehen, haben die DTM-Fahrer natürlich nicht. "Du sitzt so weit hinten und so tief im Auto", erklärt Kristensen. "Da musst du darauf vertrauen, dass dich dein Renningenieur korrekt einweist." Was Dave Benbow, Tomczyks Ingenieur offensichtlich tat.

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