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Rennanalyse DTM Zandvoort

Audi-Stallregie nur schwer nachweisbar

DTM Zandvoort 2009 Foto: Wolfgang Wilhelm 35 Bilder

Das DTM-Rennen in Zandvoort sorgte auch lange nach der Zieldurchfahrt noch für Diskussionen. Wie kam Mattias Ekström so schnell nach vorne? Warum konnte nur Gary Paffett mit den Audi mithalten? Die Antworten gibt es in unserer Rennanalyse.

20.07.2009 Tobias Grüner

Kam Mattias Ekström durch Stallregie vor auf Rang zwei?

Kurz vor dem Ende des Rennens kamen Erinnerungen an das Rennen von 2007 auf. Damals hatte Audi auf der Zielgeraden die Plätze der ersten vier Piloten nach Belieben verändert, um für die Meisterschaft das bestmögliche Ergebnis herauszuholen. Die 75.000 Zuschauer in Zandvoort quittierten den absichtlichen Platztausch damals mit einem Pfeifkonzert, die Regelhüter reagierten am Ende der Saison mit einem Verbot der Teamorder.

In diesem Jahr kamen nur noch 38.000 Zuschauer an die Strecke im holländischen Ferienparadies. Und wieder roch es am Ende nach Stallregie: Mattias Ekström fuhr innerhalb weniger Runden an seine Markenkollegen Alexandre Premat und Oliver Jarvis heran und überholte sie dann auch relativ einfach, um sich acht Meisterschaftspunkte für den zweiten Platz hinter Gary Paffett zu sichern. Eigentlich gestaltet sich das Überholen auf dem kurvigen Dünenkurs recht schwierig. Im ersten Renndrittel konnte sich Jarvis noch mit seinem deutlich langsameren Audi auf der Strecke breitmachen und ließ Mercedes-Konkurrent Paffet damit keine Chance.
 
Ekström hatte dagegen gar keine Probleme, an seinem Markenkollegen vorbeizufahren. "Unsere Fahrer wissen, dass sie teamintern kein Risiko eingehen dürfen", erklärte Motorsport-Chef Wolfgang Ullrich anschließend. "Es wäre ja schlimm, wenn beide in einem Zweikampf ausfallen würden." Aber warum konnte Ekström so schnell an die teaminterne Konkurrenz heranfahren. "Mattias hatte am Ende einfach die besseren Reifen. Er kam viel später zum letzten Stopp und konnte den Vorteil ausspielen", begründete Ullrich den Zeitunterschied.
 
Diese Argumentation hat allerdings gleich zwei Haken: Premat fuhr kurz vor dem Ende bis zu drei Sekunden langsamer als in seiner schnellsten Runde. Zum Vergleich: Jarvis verlor selbst in der Runde mit seinem Ausritt in die Wiese nur zweieinhalb Sekunden. Premat blieb dagegen ohne technische Probleme auf der Strecke. Das zweite Indiz für eine Stallregie sind die Rundenzeiten nach dem Überholmanöver durch Ekström. Plötzlich schien sich der Reifen nämlich wieder zu erholen. Die Zeiten wurden wieder besser. "Das war eindeutig Teamorder", legte sich DTM-Experte Manuel Reuter noch während des Rennens fest.
 
Ob die Kommissare den Audi-Piloten eine Stallregie nachweisen können ist allerdings fraglich, selbst wenn die Analyse der Telemetrie zeigt, dass die Audi-Mannen früher vom Gas gegangen sind. Langsam zu fahren ist generell nicht verboten. Nur auf Befehl des Kommandostands langsam zu fahren ist nicht erlaubt. Ob man das über den Boxenfunk beweisen kann ist ungewiss. Mit Codewörtern und unkonkreten Formulierungen lässt sich die verbotene Taktik leicht verschleiern.

Hätte Jarvis gewinnen können?

Trotz des ersten Podiumsplatzes der Saison war Oliver Jarvis nach dem Rennen enttäuscht. "Ich hätte gewinnen können", klagte der Brite. Ein Fehler in Runde 14 führte allerdings zum entscheidenden Überholmanöver durch Gary Paffett. Der Mercedes-Mann ließ sich den Sieg anschließend nicht mehr nehmen. Hätte er mit dem deutlich schnelleren Auto nicht sowieso gewonnen? "Auf der Strecke bin ich nicht vorbeigekommen. Hier in Zandvoort hast Du einfach keine Chance", erklärte Paffett.

Auch nach den ersten Boxenstopps konnte Jarvis seine Führung behaupten, da er gleichzeitig mit Paffett zum Service kam. Hätte Audi das auch beim zweiten Stopp so gut hinbekommen und keine taktischen Fehler gemacht, wäre der erste Sieg für Jarvis also sehr wahrscheinlich gewesen. "Ich wäre kein Risiko eingegangen und hätte mich mit Blick auf die Meisterschaft auch mit Rang zwei zufrieden gegeben", gab auch Paffett anschließend zu.

Warum war außer Paffett keiner der Mercedes konkurrenzfähig?

Bevor die Rennleitung die Disqualifikationen aussprach, dominierte Audi das Bild in den Punkterängen. Nur Sieger Paffett und Bruno Spengler auf Rang sechs konnten sich mit einer C-Klasse unter die ersten acht schieben. Erst nachdem vier Audi aus der Wertung ausgeschlossen wurden, staubten auch Paul di Resta und Maro Engel noch ein paar Zähler ab.

Für den Vizechampion lief das Rennen von Beginn an verkorkst. Schon am Start wurde di Resta  von Mike Rockenfeller getroffen und verbog sich dabei die Spur. So konnte sich später auch Ekström am Schotten vorbeiboxen. Teamkollege Spengler verlor ebenfalls am Start Plätze und büßte durch eine unglückliche Strategie später weiter Boden ein. Obwohl der Kanadier immer langsamer wurde, rief ihn das Team erst in der 17 Runde zum Reifenwechsel. Ralf Schumacher spielte nach seinem Strategiefehler im Qualifying keine Rolle im Kampf um die Punkte.

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