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DTM Ungarn 2016

Audi gewinnt, BMW protestiert

Edoardo Mortara - Audi - DTM - Ungarn 2016 - 1. Rennen Foto: xpb 13 Bilder

Das vorletzte DTM-Wochenende der Saison brachte zwei Sieger und zwei Verlierer hervor. Vor dem Showdown am 15./16. Oktober in Hockenheim gibt es mehr Fragen als Antworten. Denn: Das Ergebnis aus Ungarn steht unter Vorbehalt.

26.09.2016 Arno Wester 4 Kommentare

Die beiden Sieger kommen aus dem Audi-Lager und heißen Edoardo Mortara und Mattias Ekström. Sie und ihre sechs Markenkollegen sorgten auf dem Hungaroring dafür, dass Audi in der Marken- und Teamwertung wieder die Tabellenführung übernommen hat.

Green hetzt Mortara im Audi-Duell

Trotz des Sechsfach-Triumphs der Ingolstädter im ersten Rennen waren nicht alle Beteiligten im Audi-Lager glücklich. Der Druck, der von Jamie Green auf seinen führenden Markenkollegen Edoardo Mortara „unnötigerweise“ (O-Ton eines Audi-Verantwortlichen) ausgeübt wurde, zeigt, wie sehr der bisherige Saisonverlauf an den Nerven gezehrt hat.

Green hat in dieser Saison mehrfach von einer Teamorder profitiert – als Dankeschön hetzte der Brite ausgerechnet jenen Mortara vor sich her, der ihm in Moskau und auf dem Nürburgring schon zwei Mal kampflos den Vortritt gelassen hat. Zuvor hatte bereits Spitzenreiter Marco Wittmann für Aufsehen gesorgt, als Teammitglieder seiner BMW-RMG-Mannschaft bei einem obligatorischen Wiegevorgang während des Qualifyings verbotenerweise in den Wiegebereich eindrangen, um mit einem Lüfter die Bremsen zu kühlen.

Wittmann zu milde bestraft?

Die Sportkommissare des DMSB verhängten wegen dieses Vergehens die fünfthöchste Strafe (10.000 Euro) in der DTM-Historie. Experten sind der Meinung, für solch ein Vergehen hätte es nur eine Entscheidung geben dürfen: Wertungsausschluss und damit ein Startplatz am Ende des Feldes. Im Artikel 26.22 des Sportlichen Reglements ist festgehalten, dass nur die zuständigen Sportwarte und deren Helfer Zutritt zum Wiegebereich haben. Wörtlich heißt es: Darüber hinaus unterliegen der Weg zum Wiegebereich und der Wiegebereich selbst den Parc fermé-Bestimmungen. In diesem Zusammenhang erinnern wir uns an die „Wasser-Affäre“ am Norisring 2013, als Mattias Ekström im Parc fermé Wasser in seinen Rennanzug gekippt bekam, er damit gegen die Regeln verstoßen hatte und eine Disqualifikation in Kauf nehmen musste.

Die Frage, die sich in Budapest nicht nur Insider stellten: Welcher der Regelverstöße ist eher mit einem Wertungsausschluss zu ahnden? Wirbel gab es auch diesmal um Ekström, dem nachgesagt wurde, er hätte dem hinter ihm gestarteten Wittmann vor der ersten Kurve nicht genügend Gegenwehr geleistet und am rechten Fahrbahnrand eine große Lücke gelassen, in die Wittmann bequem und problemlos stechen konnte.

Pikant wird die Angelegenheit durch einen Hinweis aus dem Audi- Lager, dass der Schwede viel früher gebremst hat, als nötig gewesen wäre. Ekström wies diese und weitere Spekulationen (Wittmann hat in Red Bull den gleichen Sponsor) in den Fabelbereich. Sein Motto „Go hard or go home“ auf und neben der Rennstrecke ist aber für einmal in Vergessenheit geraten!

Kommen wir zu den Verlierern: Die nach einem schlechten Start von Mortara selbst verschuldete Kollision mit Wittmann, in die auch noch der völlig unbeteiligte Green verwickelt war, wiegte ebenso schwer wie der vierte Saisonsieg von Mortara tags zuvor. Als der Italo-Schweizer am Sonntagabend aus dem Flieger stieg, wird er sich an den Kopf gefasst haben, als er vom Pech seines Rivalen Wittmann gelesen hat.

Chaotisches DTM-Wochenende in Ungarn

Denn den Schlusspunkt unter ein chaotisches DTM-Wochenende hatten die Sportkommissare gesetzt, als sie zu später Stunde am Sonntagabend Mercedes-Fahrer Daniel Juncadella (P3) und BMW-Speerspitze Marco Wittmann (P4) von der Wertung des zweiten Laufs ausschlossen. Die Stewards waren nach einem Bericht des Technischen Delegierten zu dem Schluss gelangt, dass sowohl der Mercedes- AMG C 63 von Juncadella als auch der BMW M4 von Wittmann nicht dem technischen Reglement entsprach.

Die Höhe der Skidpads (Unterboden-Holzplatte) der beiden Fahrzeuge war geringer als die erlaubten sechs Millimeter (Artikel 3.22.4 des Technischen Reglements der DTM). Das Einheitsbauteil wird übrigens mit einer Dicke von acht Millimetern ausgeliefert. Sowohl das Mercedes-AMG-Team HWA als auch das BMW-Team RMG haben Berufung gegen das Urteil der Sportkommissare angekündigt. Bis zu einer endgültigen Entscheidung des DMSB-Berufungsgerichts gelten Juncadella und Wittmann als ausgeschlossen. Das Ergebnis des 16. DTM-Rennens sowie die Fahrer-, Hersteller und Team-Wertungen sind damit vorläufig. Damit könnte völlig unerwartet aus dem Titel-Duell ein Dreikampf werden. Denn Wittmann wurden die zwölf Punkte für den vierten Platz am Sonntag aberkannt, womit er nur noch 14 Punkte Vorsprung auf Mortara hat. Auch Green kann sich bei 39 Zählern Rückstand (50 werden noch vergeben) weiter Hoffnungen machen.

Neuester Kommentar

Wenn man die Prognosen über die Punktevergabe beim Saisonfinale in Hockenheim liest, könnte man den Eindruck gewinnen, dass in Hockenheim nur noch zwei Hersteller am Start sind, nämlich AUDI und BMW.
Ich bin mir ziemlich sicher das Mercedes in Hockenheim die meisten Punkte mitnimmt, denn die müssen zumindest am Saisonende endlich mal eine gute Leistung zeigen, denn an Titeln gibst für die in dieser Saison eh nichts mehr zu gewinnen. Auch wenn die Sportkommissare des DMSB keine glückliche Hand bewiesen und Wittmann nachträglich disqualifizierten, um scheinbar weiterhin die Spannung in die Meisterschaft zu bringen, wird diese Meisterschaft einen faden Beigeschmack haben, egal zu welchen Gunsten diese entschieden wird.
Wittmann war nach dem Crash schon das ganze Rennen über mit einem angeschlagenem Auto unterwegs, da muss man eine FÜNF auch mal gerade sein lassen. Eventuell entstand dieser nicht regelkonforme Unterboden auch erst durch diesen Unfall.

Steilstrecke 26. September 2016, 20:35 Uhr
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