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Scheiders Titelfahrt

Ein emotionales Highlight

 Timo Scheider, DTM, Audi, Hockenheim, Sieger, Podium Foto: DTM 39 Bilder

Im Überschwang der Gefühle verlor Timo Scheider beinahe ein wenig die Orientierung. "Ich weiß gar nicht wo mir der Kopf steht", sagte der 30-Jährige, kurz nachdem er das Projekt Titelverteidigung bravourös abgeschlossen hatte und als Zweiter hinter Gary Paffett abgewinkt worden war.

25.10.2009

"Letzte Woche bin ich zum ersten Mal in meinen Leben mit einem Fallschirm abgesprungen. Da wusste ich auch nicht so richtig was los ist. So ähnlich geht es mir jetzt auch."


Dann widmete sich Scheider der Analyse des Finalrennens - und neigte dabei zum Tiefstapeln: "Nach den ersten Runden habe ich probiert mitzurollen. Das ist mir ganz gut gelungen." Scheider schaffte es kühlen Kopf zu bewahren. Er wusste: Platz fünf reicht zum Titel, auch wenn Konkurrent Gary Paffett gewinnt. Scheider startete gut - keine Selbstverständlichkeit in der DTM. Er schaffte es, seinen dritten Platz in der Startaufstellung zu verteidigen. Von hinten drohte keine ernsthafte Gefahr: Paul di Resta schaffte es nie, wirklich in Schlagdistanz zu kommen. Scheiders größte Sorge galt der Technik: "Ab Runde zehn habe ich ins das Auto hinein gehört", sagte er. "Da hört man schon mal etwas, was es gar nicht gibt."

Auch die Boxenstopps beim schwarzen A4 verliefen absolut planmäßig. Dementsprechend dankbar war Scheider seiner Crew. "Die Jungs sind cool geblieben und haben einen super Job gemacht." Danach war das Rennen aus Scheiders Sicht "relativ anspruchslos". Bis zur Safety-Car-Phase nach dem Unfall von Susie Stoddart kurz vor dem Ende des Rennens: "Der Restart war alles andere als einfach", rekapitulierte Scheider. "Aber auch das habe ich Gott sei Dank gut überstanden."

Der Rest war Freude pur: "Es gab ja eine Menge Druck und viel Erwartungen", sagte der sichtlich bewegte Scheider. "Jeder  hat erwartet, dass der Titelverteidiger immer wieder seine Leistung bringt. Der Titel ist eine ganz tolle Bestätigung. Ich freue mich auf viele weitere Jahre in der DTM."

Wo verlor Paffett die entscheidenden Punkte?

Der zweite große Sieger des Tages hieß Gary Paffett. In Hockenheim holte der Brite mit seinem Mercedes den vierten Saisonsieg. Und mit fünf Punkten Rückstand auf Scheider auch Platz zwei ind er Meisterschaft. "Das zeigt, dass wir ein tolles Jahr hatten. Und hier in Hockenheim mit zehn Kilo Mehrgewicht gegenüber den Audi zu siegen, das zeigt, dass wir einen guten Job gemacht haben."

Ein bisschen trauerte Paffett der entgangenen Meisterschaftschance nach. "In dieser Hinsicht bin ich schon ein bisschen enttäuscht. In Barcelona und am Nürburgring waren wir etwas zu langsam. In Spanien hatte ich ein Problem im Qualifying mit Fehlzündungen und dann im Rennen bin ich von Katherine Legge umgedreht worden."

Harte Gangart in den ersten Runden - am Rande der Legalität?

Das Duell der ersten beiden Runden zwischen Gary Paffett und Polesitter Mattias Ekström im Audi gehört zum Besten, was die DTM  in diesem Jahr zu bieten hatte. Die beiden überholten sich zweimal, und tauschten dabei Farbproben der Lackierung aus.

In der dritten Runde verschätzte sich Ekström ein bisschen beim Anbremsen der Spitzkehre. Der Audi touchierte leicht das Heck des Paffett-Mercedes. Der Schwede presste sich am Briten vorbei. Doch seine Freude darüber war nur von kurzer Dauer. Denn der Kühler des A4 hatte Schaden genommen. Ekström musste an der Box aufgeben: "Es war zu gefährlich."

Weder die Kampfhähne Paffett und Ekström noch die Augenzeugen Scheider und di Resta  beklagten sich im Übrigen über eine überharte Gangart.  "Hart aber fair", war der Tenor der Diskussionen. "Gary und Mattias sind immer wieder aneinander gerasselt", berichtete der hinter den Kampfhähnen fahrende Paul di Resta. Nicht ganz uneigennützig fügte der Schotte, der am Ende Dritter wurde, hinzu: "Ich habe schon gehofft, dass ich davon mehr profitieren würde."

Tom Kristensen hat beim DTM-Abschied kein Glück

Nach sechs Jahren in der DTM hätte der achtmalige Le Mans-Sieger einen schöneren Abschied verdient gehabt. Bei seinem 60. und letzten DTM-Rennen kam Tom Kristensen, mit 42 Jahren der Senior im Feld, nur auf Platz 15. Dabei hatte es nach dem Training mit Startplatz fünf noch recht viel versprechend ausgesehen für den Dänen.

Doch nach einem eher mäßigen Start war Kristensen mitten drin im Pulverdampf des Mittelfelds: In der Spitzkehre rasselte er mit Teamkollege Martin Tomczyk zusammen. Beide Audi drehten sich. Anders als der Deutsche konnte der Däne zwar weiterfahren. Doch die Zielflagge sah Kristensen nicht: In der vorletzten Runde wurde er von Mathias Lauda unsanft umgedreht. Dies bedeutete das Aus mit defekter Hinterradaufhängung.

Doch Kristensen verzagte nicht: "An einem Tag wie heute muss man an die schönen Momente denken", meinte er milde. "Es war eine hervorragende Zeit in der DTM."

Schrecksekunde kurz vor Schluss

In der 32. von 39 Runden gab es noch eine arge Schrecksekunde: In der extrem schnellen Startkurve verlor Susie Stoddart ohne Fremdverschulden die Kontrolle über ihren Mercedes. Das Auto drehte sich und krachte mit dem Heck voran vehement in die Reifenstapel. Erst nach bangen Sekunden befreite die Engländerin aus dem Wrack – aus eigener Kraft. Stoddart massierte sich das schmerzende Genick. ARD-Kommentator Philipp Sohmer beobachtete ganz richtig: "Der Nacken ist die Achillesferse des Fahrers."

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