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Bernd Schneider

"Habe noch viel Spaß am Rennfahren"

Foto: Wolfgang Wilhelm 52 Bilder

Der fünfmalige DTM-Champion Bernd Schneider spricht im Interview mit auto motor und sport über sein Karriere-Ende in der DTM, über schlimme Unfälle und über gierige Teamchefs.

26.10.2008 Claus Mühlberger

Beim Saison-Finale in Hockenheim fahren Sie Ihr letztes DTM-Rennen. Wie sieht Ihre Gefühlswelt jetzt aus?
Schneider: Ich habe lange überlegt, wie man das ausdrückt. Mika Häkkinen hörte ja im letzten Jahr mit den Worten auf: "Ich mach' mal eine Pause." Ich finde, das ist sehr gut gesagt. Ich habe einiges für die Zukunft aufgebaut, zum Beispiel bin ich AMG-Mercedes-Markenbotschafter. Andererseits habe ich noch viel Spaß am Rennfahren.

Ja warum hören Sie dann auf?
Schneider: Die heutige DTM ist für die jüngere Generation und nicht unbedingt für Leute in meinem Alter. Mein Anspruch ist es zu gewinnen. Ich bin zwar immer noch konkurrenzfähig, aber nicht mehr so dominant, wie ich das in der Vergangenheit ab und zu war. Die Leistungsdichte der Fahrer in der DTM ist so hoch, dass es richtige Dominanz nicht mehr gibt. Wenn man dann noch merkt, dass man sich nicht mehr absolut wohlfühlt, ist es an der Zeit, etwas anderes zu machen. Ich hatte das Glück, in meinem Leben das zu machen, was mir am meisten Spaß machte und was ich am besten konnte: das Rennfahren.

2008 waren Sie immer dann ganz weit vorne, wenn die Bedingungen besonders schwierig waren. Am Nürburgring haben Sie slickbereift im Regen gewonnen.
Schneider: Das war schon immer so: Immer dann, wenn es extrem schwierig wurde, war ich ganz vorne dabei. Der Sieg war unglaublich schön. Ich gewann ja nicht zufällig, sondern weil ich zu jedem Zeitpunkt des Rennens schnell war - im Trockenen, im Feuchten und im Nassen. Es gab aber auch Rennen, wo ich mich fragte: Schneider, was hast du falsch gemacht?

Haben Sie es da zu sehr mit der Brechstange versucht?
Schneider: Wer es in der DTM im Qualifying nicht hinbekommt, ist beim Rennen der Loser. Mit den neuen Dunlop-Einheitsreifen, die es seit 2007 gibt, hatte ich im Qualifying so meine Probleme. Ich habe am liebsten einen Reifen, der für eine Runde endlos Grip hat, mit dem man pushen kann. Das geht jetzt nicht. Sobald man auch nur ein bisschen ins Rutschen kommt, ist man zu langsam. Man braucht im Qualifying sehr viel Selbstdisziplin. Früher konnte man einen kleinen Fehler noch ausbügeln. Das ist jetzt nicht mehr möglich.

War der Unfall von Spa im Jahr 2005 eine Art Weckruf für Sie?
Schneider: Nein. Die DTM-Autos sind unheimlich sicher. Ich hatte nie Angst. Höchstens davor, im Kiesbett zu landen und dann von den Jungs an der Box geschimpft zu werden. Der Weg zur Rennstrecke ist gefährlicher als das Rennen selbst. Man darf dabei aber nicht leichtsinnig werden. Der Unfall von Tom Kristensen Anfang 2007 hätte auch ins Auge gehen können.

Als Kind wollten Sie Arzt werden?
Schneider: Das hätte mich sehr interessiert. Als Kind lag ich nämlich oft im Krankenhaus. Einmal habe ich mir den Arm gebrochen. Da musste ich vier Mal operiert werden. Da hat man dann festgestellt, dass ich von Geburt an nur eine funktionsfähige Niere habe. Die andere wurde bei der Geburt gequetscht und musste entfernt werden.

Sie sind von wirklich üblen Unfällen verschont geblieben?
Schneider: Der Unfall beim DTM Rennen in Spa 2005 in Eau Rouge war heftig. Aber was die wenigsten wissen: Ich hatte 1990 in Jerez einen echt schweren Crash im Formel 1-Arrows, als ich für Alex Caffi eingesprungen bin. Ich bin mit 180 Sachen frontal in die Leitplanken gefahren, weil ich blöde auf die Randsteine geriet. Die Räder hatten keinen Bodenkontakt mehr, und dann ging’s dahin. Mit dem Helm bin ich so hart gegen den Cockpitrand geschlagen, dass er kaputtging. Trotzdem fuhr ich am nächsten Tag das Qualifying, konnte mich aber auch nicht für das Rennen qualifizieren.

Wie zuvor so oft 1988 und 1989, als Sie im Zakspeed-Formel 1 nur acht Mal die Vorqualifikation überstanden.
Schneider: Die Formel 1-Zeit war ein trauriges Kapitel, das mich sehr gewurmt hat. 1990 stand ich schon mit Mercedes-Rennleiter Norbert Haug in Kontakt, der mich für die DTM verpflichten wollte. Ich habe aber immer noch ein bisschen von der Formel 1 geträumt und bin lieber Sportwagen-Rennen mit Porsche 962 gefahren. Beinahe hätte ich ein Formel 1-Comeback geschafft. Als 1991 der Jordan-Fahrer Bertrand Gachot ins Gefängnis musste, rief mich Teamchef Eddie Jordan an.

Aber dann saß Michael Schumacher in Spa im Jordan. Was lief schief?
Schneider: Ich hatte niemanden, der für mich bürgte. Jordan wollte 350.000 Mark, ich hatte nur 150.000 Mark. Ich weiß nicht mehr, wie viele Hosen ich an den Knien durchgewetzt habe beim Betteln um einen Formel 1-Platz. Mancher Teamchef hätte damals wohl auch einen Affen verpflichtet, wenn er nur genug Geld gehabt hätte.

Ihre Karriere hat sich nochmals mit Michael Schumacher gekreuzt.
Schneider: Weil Michael Formel 1 fuhr, wurde im Mercedes-DTM-Team plötzlich ein Platz frei. Ich war Schumachers Ersatzmann.

Anfang der neunziger Jahre war die Konkurrenzsituation innerhalb von Mercedes anders: Es gab drei miteinander konkurrierende Teams. Wäre dies nicht ein Weg, auch die jetzige DTM, in der die Werksfahrer doch eher zentralistisch gelenkt werden, spannender zu machen?
Schneider: Unter den Teams gab es harten Konkurrenzkampf, aber auch gewisse Absprachen. So war es klar, dass ich 1991 Tabellenführer Klaus Ludwig helfen musste. Man muss verstehen, dass ein Hersteller, der viel investiert, auch die Kontrolle haben will.

Wenn das Produkt dann aber nicht so gut ist, wie es sein könnte, ist auch niemandem gedient. In der ersten Jahreshälfte 2008 gab es eintönige Rennen.
Schneider: Die Leistungsdichte in der DTM war noch nie so hoch wie heute. Daher gibt es weniger Überholmanöver. Früher starteten 35 Autos und zwischen dem Ersten und dem Letzten lagen acht Sekunden. Es gab aber nur vier oder fünf siegfähige Autos. Wenn von denen mal einer hinten stand, rauschte er innerhalb von ein paar Runden durchs Feld. Das Publikum war begeistert. Heute gibt es 15 siegfähige Fahrer. Da ist so etwas nicht mehr möglich.

Was war die schlimmste Fehleinschätzung in Ihrer Karriere?
Schneider: Le Mans 1999, als die Mercedes-Sportwagen CLR abhoben. Ich habe für Weiterfahren plädiert, aber unterschätzt, dass sich die Fahrerkollegen nicht an die Spielregeln hielten, die hießen: nicht über die Curbs fahren, nicht zu nah auffahren.

Was wünschen Sie sich als Abschiedsgeschenk? Etwa einen Formel 1-Test?
Schneider: Nein. 1995 fuhr ich ja schon mal den McLaren-Mercedes und war dabei nur drei oder vier Zehntel langsamer als David Coulthard. Das sollen jetzt mal die Jungen machen, Paul di Resta, Jamie Green oder Bruno Spengler. Mein Wunschtraum wäre es eher, ein Auto zu besitzen, mit dem ich gefahren bin.

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