Batterietechnik: Europa hat eine Chance gegen China

Litec Lithium-Ionen-Batterie

Der sächsische Entwickler von Lithium-Ionen-Batterien, die Daimler- und Evonik-Tochter Litec, sieht gute Chancen, dass die deutschen und europäischen Batterie-Hersteller den Vorsprung der asiatischen Konkurrenz aufholen.

Litec-Chef Andreas Gutsch sagte gegenüber auto motor und sport: "Die Leute rennen uns zur Zeit die Bude ein. Vor zwei Jahren sind wir noch belächelt worden." Gutsch weiter: "Das E-Rennen ist noch nicht gelaufen. Die Europäer haben noch sehr gute Chancen."

Vor allem das Problem der Wärmeentwicklung habe Litec besser im Griff als asiatische Konkurrenten. "Acht Jahre Forschung stecken in unserer Spezialität, dem keramischen Separator. Er ermöglicht mit seiner hohen Temperaturfestigkeit bis zu 4.000 volle Ladezyklen. Das ist derzeit Benchmark auf dem Weltmarkt." Zum Vergleich: Übliche Lithium-Ionen-Zellen in aktuellen Serien-E-Autos wie dem Tesla Roadster bieten nur rund 600 Ladezyklen. Der Separator verhindert als Trennmembran in einer Batterie den Kurzschluss zwischen Anode und Kathode, ist aber gleichzeitig durchlässig für den wichtigen Ionen-Transport. Ab 2012 wird Litec den neuen Serien-Smart mit der neuen Lithium-Ionen-Batterie ausrüsten. Bei hundertprozentiger Nutzung der Kapazität würde schon beim Elektro-Smart die Batterie nach Kilometern deutlich länger halten als das Auto selbst.

Noch fünf bis zehn Jahre Batterieknappheit

Gutsch rechnet damit, dass das knappe Angebot an Lithium-Ionen-Batterien für den Automobilsektor in den nächsten fünf bis zehn Jahren anhalten wird und die Preise langsamer sinken als erwartet. Derzeit liegen die Kosten pro Kilowattstunde bei rund 1.000 Euro. Damit kostet die Batterie eines Stadt-E-Autos rund 16.000 Euro. "Bei über einer Million produzierter Zellen können wir durch Skaleneffekte den Preis vielleicht halbieren. Aber die manchmal genannten 300 Dollar pro Kilowattstunde sind ein Wunschtraum", relativiert Gutsch. Hoch sei der Aufwand kurzfristig neue Produktionskapazitäten aufzubauen. "Es mangelt nicht an Rohstoffen, sondern an Firmen, die entsprechende hochreine High-Performance-Werkstoffe herstellen und verarbeiten können. Der Eisengehalt in unseren Zellen ist zum Beispiel zehn Mal geringer als in einem Handy-Akku." Als Vorlaufzeit für den Aufbau einer neuen Zellfabrik nennt Gutsch mindestens zwei Jahre. "Da kann man sich ausrechnen, wie knapp es wird, wenn alle E-Auto-Prototypen, die auf der IAA zu sehen waren, wirklich in Serie gehen."

Deutsche Zellen mit Qualitätsvorsprung

Eine Chance für deutsche Zellen auf dem Weltmarkt sieht Gutsch aufgrund der höheren Qualität. "Unsere Zelle ist durch den hohen Aufwand, den wir treiben, zwar teurer, aber sie benötigt auch weniger Kühlaufwand und kann daher dicht gepackt werden. Dadurch sinken die Gesamtsystemkosten deutlich." Litec selbst sieht Gutsch vor dem entscheidenden Wachstum. "Um den Faktor 30 werden wir in den kommenden zwei Jahren unsere Produktion, gemessen an der Zellenkapazität, steigern."

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