"Im letzten Quartal dieses Jahres werden wir die Fertigung in Sindelfingen hochfahren. Insgesamt werden wir zunächst rund 200 Brennstoffzellen-Fahrzeuge bauen", kündigte Daimler-Forschungschef Herbert Kohler gegenüber auto motor und sport an.
Fahrzeuge werden zunächst nur verleast
Die Kosten, die ursprünglich bei einer Millionen Euro pro Fahrzeug liegen sollten, konnte Daimler offenbar stark reduzieren. "Die Kosten sind natürlich noch viel zu hoch, sie liegen aber deutlich unter der genannten Zahl. Um bei den Kosten in vernünftige Größenordnungen zu kommen, setzen wir auf Synergie- sowie Skaleneffekte durch unseren Modulbaukasten für Elektro- und Hybridfahrzeuge." Regulär müsste das Fahrzeug nach Informationen von auto motor und sport mehr als 100.000 Euro kosten. Deshalb werden die ersten 200 Fahrzeuge nur im Leasing-Verfahren angeboten.
Etwa die Hälfte der 200 Brennstoffzellenmodelle werden laut Kohler in die USA exportiert, in Deutschland werden die ersten Fahrzeuge in Berlin und Hamburg fahren. "Zwischen diesen beiden großen Ballungsräumen sollte dann eine Tankstelle als verbindendes Element entstehen."
Die Großserienfertigung soll im Jahr 2015 beginnen, wenn ein ausreichendes Tankstellennetz zur Verfügung steht. Dazu hält Linde-Entwicklungschef Andreas Opfermann rund 1.000 Tankstellen für notwendig. "Um von einer ersten flächendeckenden Versorgung sprechen zu können, gehen wir heute von einer Anzahl von ungefähr 1.000 Tankstellen aus. Dies wäre ausreichend, um das Henne-Ei-Problem zwischen dem notwendigen Infrastrukturaufbau auf der einen Seite und einer Serienproduktion von wasserstoffbetriebenen Autos auf der anderen Seite zu lösen", sagte Opfermann.
Wasserstofftankstelle kostet über eine Millionen Euro
Finanziert werden könnte der Aufbau der Infrastruktur aus der Joint Technology Initiative der EU, dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie des Bundes, aus dem Konjunkturpaket II und dem CEP-Programm der Industrie. Die Modellprojekte und Praxistests mit den 30 bereits betriebenen Wasserstofftankstellen zeigen, dass das Tankverfahren praxistauglich ist. "Grundsätzlich geht es darum, dem Autofahrer den Komfort zu bieten, den er von den konventionellen Tankstellen gewohnt ist. Mit dem neuen Betankungsstandard, der so genannten 700-bar-Technologie, und mit den neuen Brennstoffzellen-Fahrzeugen gelingt dies bereits sehr gut: Die Wasserstoff-Betankung dauert nur noch rund drei Minuten, und die Reichweite der Fahrzeuge liegt heute bereits bei mehr als 400 Kilometern." Die Investitionskosten für eine Wasserstofftankstelle beziffert Opfermann derzeit auf 1,0 bis 1,5 Millionen Euro.
Die kompletten Interviews mit Herbert Kohler und Andeas Opfermann lesen Sie in auto motor und sport, Heft 20/2009, ab dem 10.9. im Handel.






