E-Mobilität: In Österreich sind die Stromer los

E-Mobilität

Die tun was: Das österreichische Bundesland Vorarlberg ist Schrittmacher in Sachen Elektromobilität. In nur einem Jahr hat sich die Region für einen der größten Flottenversuche in Europa fit gemacht. Und es geht zügig voran.

Was haben der Pfarrer von Frastanz, die Bregenzer Polizei, Mitarbeiter von Unternehmen, der Landesverwaltung und des Energieversorgers Illwerke in Vorarlberg gemeinsam? Ganz einfach: Sie düsen mit Elektroautos durchs Ländle, wie die Einheimischen das zweitkleinste, aber am zweitstärksten industrialisierte Bundesland Österreichs nennen.

4,7 Millionen Euro Fördermittel zum Projektstart

Unter dem Rubrum Vlotte - ein Kunstwort aus Vorarlberg und Flotte - haben sich acht Partner daran gemacht, das Land unter Strom zu setzen. Mit von der Partie sind unter anderen die Illwerke vkw, das Land, der regionale Verkehrsverbund und die Landesversicherung sowie Raiffeisen Leasing und die Technische Universität Wien. Mit freundlicher Unterstützung des österreichischen Klima- und Energiefonds: Dieser suchte per Ausschreibung nach dem besten "Mobilitäts- und Energiebereitstellungskonzept zur Einführung von Elektrofahrzeugen". Die Vorarlberger machten das Rennen vor den Regionen Salzburg, Linz und Graz. Der Fonds belohnte es mit 4,7 Millionen Euro Fördermitteln zum Projektstart im Dezember 2008.

In der Region stromern schon jetzt 70 Autos

Inzwischen stromern 70 E-Mobile durch die Region - die meisten davon sind Think City aus Norwegen. Darunter mischen sich aber auch zunehmend Fiat 500, die in Eigeninitiative der Vlotte-Macher vom Verbrennungs- auf Elektromotor umgerüstet werden. Rund 30 Bestellungen für den Fiat 500 in E-Version liegen bereits vor. Die Techniker benötigen für den Umbau zweier Fahrzeuge etwa eine Woche. Die so genannten Zebrabatterien auf Natrium-Nickelchlorid-Basis liefert die Tessiner Firma MES-DEA. Sie vertreibt auch elektrifizierte Versionen von Renault Twingo und Fiat Panda, die ebenfalls in der Vorarlberger E-Flotte mitrollen. "Die Modellpalette soll im Lauf des Jahres mit dem Citroën C1 ergänzt werden", sagt Illwerke-Vorstandsdirektor Christof Germann. Zudem sei angedacht, den Kleintransporter Fiat Fiorino in den Feldversuch zu schicken.

E-Auto-Leasing zu guten Konditionen

"Ende 2010 sollen in Vorarlberg insgesamt 200 Elektroautos unterwegs sein", so Germann. Etwa ein Drittel davon dürften seiner Einschätzung nach Umrüst-Versionen sein. Wie schnell das Ziel erreicht werde, hänge jedoch von der Lieferfähigkeit der Industrie ab. Nachfrage bestehe allemal. "Die bisherigen Erfahrungen zeigen eindeutig, dass Elektromobilität funktioniert", sagt der Illwerke-Vorstand. 2009 hat das Unternehmen 1,2 Millionen Euro darin investiert, für das Folgejahr ist der gleiche Betrag vorgesehen. "Die Resonanz der Vlotte-Kunden ist absolut positiv", so Germann.

Die Gründe dafür sind wohl auch das schnell wachsende öffentliche Stromversorgungsnetz und das attraktive Leasing- Angebot für die Elektro-Flitzer. Die Kunden bezahlen 550 Euro Mobilitätsrate pro Monat - einschließlich erweiterter Garantie für die Batterie, Wartung, Inspektionen, Versicherung, ÖPNV-Netzkarte und Gratis-Tanken an den Stromzapfsäulen. Davon gibt es inzwischen 20 Stück - eine Handvoll auch in der benachbarten Schweiz -, im Lauf des Jahres 2010 soll die Zahl auf 100 anwachsen.

Der Strom für die Elektroautos stammt aus erneuerbaren Energiequellen

Bevorzugte Standorte sind Bahnhöfe mit Park-and-Ride-Flächen sowie Mitarbeiter-Parkplätze der Unternehmen im dichtbesiedelten Rheintal, wo zwei Drittel der Vorarlberger Betriebe zu Hause sind. Dort kommt der Strom ebenfalls aus der Steckdose, doch er stammt samt und sonders aus zusätzlichen erneuerbaren Energiequellen und nicht aus der bestehenden Kraftwerks-Kapazität. "Dazu haben wir uns verpflichtet", sagt Christof Germann. Die Illwerke setzen dabei vorrangig auf Fotovoltaik, sprich Solarstrom, und Kleinwasserkraftwerke.

45 Elektroautos werden von 270 Solarzellen ein Jahr lang mit Energie versorgt

Seit September ist das Dach eines Parkhauses auf dem Gelände des Energieversorgers in Bregenz zum Stromlieferanten umgewandelt: 270 Solarzellen erzeugen die benötigte Energie für den Jahresverbrauch von 45 Elektroautos. Zwei weitere Anlagen sind geplant, eine davon in der Nähe von Dornbirn, der größten Stadt des Bundeslandes. "Selbst wenn in den nächsten Jahren die Zahl der zugelassenen Elektroautos stark steigt, können wir den zusätzlichen Strombedarf aus erneuerbaren Energien abdecken", versichert Germann.

Wasserkraft-Werke sollen ausgebaut werden

Die Rechnung ist einfach gemacht: Zehn Prozent E-Mobil-Anteil bedeuten rund drei Prozent mehr Stromverbrauch und somit einen Zusatzbedarf von rund 60 Millionen Kilowattstunden (kWh). Enormes Ausbaupotenzial sieht Germann zudem für Wasserkraft. Sie könnte dem Bundesland bis zum Jahr 2050 mit zur Energie-Autonomie verhelfen, wie vom Landtag in Bregenz 2009 beschlossen. In Österreich werden damit bereits 60 Prozent, in Vorarlberg sogar 75 Prozent des Stroms erzeugt - tu felix Austria.

Kommentare
Bild vergrößern
Brigitte Haschek

Autor:

Würden Sie auch gerne mal ein Elektroauto probefahren?
Anzeige
Thema
Elektroauto: Weitere Artikel zu diesem Thema
Irmscher 7 Selectra und Tesla: Elektrosportwagen im Selbstversuch

Faszinieren Elektro-Sportwagen genauso wie konventionelle? Der Fahrbericht mit dem Irmscher 7 Selectra wird es zeigen.

Irmscher 7 Selectra, Tesla Roadster Sport
Klimabilanz von Elektoautos: Wirbel um Studie zur Klimafreundlichkeit

Das Öko-Institut kommt in einer Studie zu dem Schluss, E-Autos sind nicht so klimaschützend wie bisher behauptet.


Top Artikel
E-Auto, Hybrid und Co.: Das ist der Ökoauto-Kalender bis 2018

Jeder will der Erste sein - zumindest, wenn es um die Ankündigung neuer Umweltautos geht. Doch wer plant wirklich was? Ein Überblick über die Umweltfahrpläne der Hersteller.

Volvo V70 Plug-In-Hybrid, elektroauto
Alternative Antriebe: Welcher Antrieb löst den Ottomotor ab?

Der vertraute Anblick unter den Motorhauben unserer Autos wird sich wandeln. Doch die Wege zu einer umweltschonenden Antriebs-Technologie sind vielfältig.

Antriebsalternativen
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Reifen suchen

Hier finden Sie Sommer- und Winterreifen

Nicht gleich durchdrehen - die passenden Reifen aller Hersteller finden Sie hier.

So erkennen Sie Ihren Reifen
WGV Beitragsrechner Kfz-Versicherung
ANZEIGE

Überzeugend gut, gnadenlos günstig!

Jetzt Auto bei der wgv versichern und mehrere hundert Euro im Jahr sparen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 5/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 05/2012
Sportauto
Tuner 0-300-0 km/h 2011: Tuning-Elite beim High-Speed-Test

Acht getunte Sportmodelle mit 5.481 PS nahmen beim Beschleunigungs- und Bremsentest 0-300-0 km/h teil.

Tuning-Elite beim High-Speed-Test
Motor Klassik
Opel Diplomat B V8: Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz

Ein schleudernder Mercedes verwandelt Steffen Exners Opel Diplomat in einen Totalschaden. Doch Exner baut ihn wieder auf.

Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz
4WheelFun
Kälte-Chaos für Dieselfahrer: Was tun, wenn der Diesel streikt?

Eiseskälte in Deutschland, und immer mehr Diesel-Fahrzeuge bleiben liegen. Woher kommt das und was lässt sich dagegen tun?

Was tun, wenn der Diesel streikt?
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...