Elektroauto Citysax: Zwei Sachsen bauen sich ihr eigenes E-Auto

Citysax Elektroauto, Chevrolet Matiz, E-Auto, Ladekabel

Der Citysax-Prototyp ist ein Elektroauto, mit dem sich zwei Sachsen ihren Wunsch erfüllt haben - den Traum vom eigenen Elektroauto. Als der postgelber Chevrolet Matiz unter Strom gestellt wurde, waren wir vor Ort. Die Erfolgsgeschichte des sächsischen E-Auto-Spezialisten.

Wenn sich Träume erfüllen, machen Gesichtsmuskeln Überstunden. So wie bei Matthias Bähr und Dirk Hunecke, die aus dem Grinsen nicht mehr rauskommen. Noch vor gut einem Jahr sah das anders aus: Denkerfalten, Schweißperlen, Neonlicht - in einer kleinen Garage tüftelten sie an ihrem ersten Elektroauto - dem Citysax. Beide fahren voll auf den elektrischen Vortrieb ab: Kraftvoll, sauber und leise ist er, aber hierzulande immer noch seltener zu bekommen als beständiges Sommerwetter.

Elektroauto Citysax basiert auf dem Chevrolet Matiz

Die Citysax-Macher Bähr und Hunecke erkannten die Marktlücke. Als der Prototyp - ein postgelber Chevrolet Matiz - unter Strom gestellt wurde, waren wir vor Ort. Kurz danach rollte der Viertürer unter dem Namen Citysax ins Rampenlicht. Sein Messeauftritt in Leipzig saß und kurz darauf der erste Käufer am Tisch - am Gartentisch von Matthias Bähr. Heute empfängt der Dresdner seine Kunden im aufgeräumten Büro.

Schwarze Ledersessel, dunkelbraune Schreibtische, Mineralwasser - während Bähr von bereits sieben ausgelieferten Autos erzählt, hüpfen seine Augenbrauen. Er ist zufrieden. Auch weil weitere E-Autos bestellt sind. Keine 50 Meter entfernt setzen zwei Mitarbeiter einen Citysax zusammen. Nun in der eigenen Werkstatt. Wie einst beim Prototyp dient immer noch der kurze Chevrolet Matiz als Basis. Auspuff und Benzinmotor fliegen zuerst raus, "ab Getriebe übernehmen wir", erklärt der zweite Chef Dirk Hunecke. Somit umgehen die Erfinder teure Neuabnahmen und Prüfungen. "Wir verändern weder die Bremsen noch das Achsgewicht", so Hunecke.

Lithium-Eisenphosphat-Akkus des Citysax sind Importware aus China

Dann beugt er sich wieder über seine Laptops, lässt das Testprogramm für den Citysax anlaufen. Gerade werden die 18 Batterien unter dem Kofferraumboden überprüft. Lassen sich alle einwandfrei laden, sind die acht unter der vorderen Stoßstange dran. Die 26 Lithium-Eisenphosphat-Akkus sind "problemlose Importware aus China", so Hunecke.

Der gelernte Systemtechniker huscht ohne Hektik um das Auto, prüft hier, schaut da. Als der Beifahrersitz nach hinten rutscht, kommt das Gehirn des kleinen Citysax-Viertürers zum Vorschein. Versteckt in einer handlichen Box arbeitet die Steuerelektronik. Vom Ladezustand der Akkus bis zur kleinsten Fehlermeldung - hier läuft alles zusammen. Etwas weiter vorn wartet ein 43 Kilogramm schwerer Elektromotor auf seinen Einsatz.

Ab der ersten Sekunde zieht er mit 16 Kilowatt, kurzzeitig sind 26 Kilowatt möglich. Einen Drehmomentverlauf mit Höhen und Tiefen - wie bei Verbrennungsmotoren - gibt es nicht. Außerdem reicht Luft zum Kühlen. Im Prototyp war der Block noch ein wenig pummelig verpackt. Bähr und Hunecke bestellten den ersten Motor in Italien, nicht ahnend, dass der Hersteller in Bayern sitzt und das auto motor und sport liest. Nach der ersten Reportage über den Citysax meldete er sich erfreut beim Entwicklerduo. Seitdem liefert er speziell angefertigte Elektromotoren direkt nach Dresden. Und die passen nicht nur optisch.

Citysax schafft bis zu 130 km/h

Der Motor des Citysax zieht derart stark, dass der erste Gang des Seriengetriebes für ganz steile Auffahrten reserviert ist. Beim Stop-and-go in der Feierabendwelle passen am besten zweiter und dritter Gang. Der Viersitzer schafft bis zu 130 km/h. Die Kupplung braucht man im Übrigen nur zum Gangwechsel. Beim Anfahren und Halten reicht das Spiel mit Brems- und Gaspedal - ganz so wie mit Automatikgetrieben.

Typisch Elektroauto: Wer den Citysax beschleunigt, traut den eigenen Ohren nicht. Der Wagen zieht brav nach vorne - ohne großen Lärm zu machen. Zurück auf dem Hof der Firma, muss der Citysax an die Steckdose, Strom tanken zum Vorführen. Dazu wird auf Höhe des linken Nebelscheinwerfers das mitgelieferte Kabel angesteckt, fertig. Erschöpfte Batterien sind an einer einfachen Steckdose (Netzstrom) nach rund acht Stunden wieder voll. Wer Kraftstrom nutzen kann, braucht nur die Hälfte der Zeit.

Reichweite liegt bei etwa 130 Kilometern

Beim Thema Reichweite des Citysax übertreffen sich Hunecke und Bähr mit Schmunzeln: "Nach 80 Kilometern wird per Elektronik die Reservelampe aktiviert. Eine Voreinstellung. Doch einige Kunden kommen dann immer noch 50 Kilometer weit." Vielversprechend hören sich die kommenden Pläne der beiden Sachsen an: Da in naher Zukunft offenbar kein Autohersteller eine bezahlbare Konkurrenz darstellt, soll der Citysax bald einen großen Bruder bekommen.

"Ein Van wäre doch praktisch", zwinkert Matthias Bähr. "Solche Autos könnten wir sofort verkaufen." Fünf Citysax pro Monat - so lautet der Plan. Aktuell liegt die kleine Firma bei drei Fahrzeugen pro Monat. Der Dresdner hält das Modell eines flachen Zweisitzers in den Händen - "den Flitzer wollen wir auf der nächsten Messe zeigen". Ein weiterer Traum? "Einer von vielen."

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Dani Heyne

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