Lohner-Porsche auf dem Genfer Autosalon: Erstes Hybridauto von 1900

Lohner Porsche von 1901

Ein Nachbau des Lohner-Porsche Semper Vivus, des ersten Hybridautos der Welt wird auf dem Genfer Autosalon präsentiert. Den Lohner-Porsche, das erste Elektroauto mit Radnabenmotoren, entwickelte Ferdinand Porsche schon 1899 und gab ihm den Namen Semper Vivus -  lateinisch für "der immer Lebendige".

Vor 111 Jahren wurde es in Paris vorgestellt und als wegweisendes Konzept gefeiert. Schnell folgte das erste Hybridfahrzeug, das auch einen Allradantrieb an Bord hatte. Ein Rückblick auf den Lohner-Porsche lohnt. Derzeit entdeckt die Automobilbranche ihr Umweltbewusstsein und präsentiert alternative Antriebskonzepte wie Hybridautos oder Wagen mit Elektroantrieb am laufenden Band. Dass diese Konzepte keineswegs neue Entwicklungen sind, sondern von Ferdinand Porsche schon vor mehr als 110 Jahren technisch realisiert wurden, verrät ein Blick auf den Lohner-Porsche von 1900.

Auch nach einem Jahrhundert noch revolutionär

Der Lohner-Porsche ist das erste Zero-Emission-Fahrzeug der Welt, wie es neudeutsch heißt. Er wird von Radnaben-Motoren angetrieben und wurde vom jungen Ingenieur Ferdinand Porsche für den Wiener Kutschwagenfabrikanten Ludwig Lohner entwickelt und gebaut.  Das elektrische Voiturette System Lohner-Porsche, unter diesem Namen wurde es 1900 präsentiert, besitzt ein Chassis sowie eine Karosserie aus Holz. Je ein Innenpol-Elektromotor in den Radnaben der Vorderräder liefert eine Leistung von jeweils rund 3 PS und kurzzeitig 7 PS. Der 44-zellige Bleiakkumulator mit 80 Volt Spannung erlaubte eine Betriebsdauer von etwa drei Stunden. Als Höchstgeschwindigkeit wurden 45 bis 58 km/h für den 980 Kilogramm schweren Wagen  angegeben. Später wird diese Konstruktion als Irrweg interpretiert, da sich der Verbrennungsmotor schnell durchsetzt.

Erstes Automobil mit Allradantrieb, erstes Hybridauto

Heute jedoch zeigt sich durch aktuelle Überlegungen die Wiederbelebung dieser Konstruktion. Radnaben-Motoren werden als mögliche Zukunftslösung erprobt, jeder große Hersteller treibt die Hybridentwicklung voran und der Elektromotor bekommt immer mehr Aufgaben in Fahrzeugen. Das Patent auf den Radnabenmotor meldet Ferdinand Porsche übrigens schon 1896 an - vor 114 Jahren. Mit seinem Auftrag wollte Ludwig Lohner zeigen, dass Elektromotoren auch auf der Straße erfolgreich eingesetzt werden können. Nachdem in der Industrie die Gasmotoren und Dampfmaschinen durch die Elektromotoren weitgehend abgelöst worden waren und diese sich auch schnell auf der Schiene durchsetzten, sollte sich der Erfolg nun auch auf der Straße einstellen.

Ferdinand Porsche entwickelte sein Elektroauto weiter, so gab es bald einen Lohner-Porsche-Rennwagen mit vier Radnabenmotoren und damit das erste Automobil mit Allradantrieb. Der Konstrukteur Porsche ließ sich übrigens nicht den Spaß nehmen, seine Konstruktionen bei Rennen auch selbst zu testen. So gewann er mit dem Lohner-Porsche Rennwagen im Jahr 1900 das Semmering-Rennen.

Ferdinand Porsche - Autoingenieur des Jahrhunderts

Schnell zeigte sich, dass das hohe Gewicht von Motoren und Akkumulatoren einen schnellen Erfolg verhinderte. 1.800 Kilogramm wogen die Bleibatterien im ersten Lohner-Porsche. Nachdem er in den Batterien den Schwachpunkt seiner Konstruktion ausgemacht hatte, entwickelte Ferdinand Porsche kurzerhand das erste Hybridauto, den "Mixte"-Wagen. Während seine erste Konstruktion nur die Elektromotoren an Bord hatte, ließ Porsche in seinem "Semper vivus" (lateinisch: stets lebendig) genannten Wagen zwei Daimler-Verbrennungsmotoren als Generatoren arbeiten und die Batterien während der Fahrt mit Strom versorgen - der erste Range-Extender.

Es sollte noch fast ein Jahrhundert dauern, bis die technische Entwicklung kleine leistungsfähige Motoren und leichte Batterien mit hoher Kapazität ermöglichte, die neben den üblichen Einsatzzwecken im Fahrzeug, wie Fensterheber, Klappdachantriebe oder elektrische Sitzverstellung nun auch als Antriebsquelle eingesetzt werden können. Durch den Lohner-Porsche beweist der "Autoingenieur des Jahrhunderts", zu dem Ferdinand Porsche 1999 von einer internationalen Jury gewählt wurde, auch noch nach 114 Jahren seine Visionskraft.

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kkl

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