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Mercedes F-Cell World Drive
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05/11 Mercedes F-Cell World Drive, B-Klasse, Brennstoffzelle, 52. Tag 24 Bilder Video Zoom

Mercedes F-Cell World Drive Tag 52: Wasserstoffknappheit und Polizeieskorte

Nach zwei Wochen hat der Tross des F-Cell World Drive China durchquert und reist am 52. Tag der Reise nach langwierigem Grenzübertritt in Kasachstan ein. Doch damit geht das heutige Abenteuer erst los.

Die Gefühle sind gemischt wie das Wetter. Über Yinning hängen graue Wolken, im Süden strahlen die Schneespitzen des Tian Shan in der Morgensonne. Heute verlässt die Brennstoffzellen-Expedition China. Schon am Vortag haben sich die chinesischen Mitarbeiter von Linde mit der Tank- und Technikmannschaft von Mercedes zu diversen Erinnerungsfotos aufgestellt. Selbst unser ständiger Bewacher von der Straßenverkehrsbehörde hat seine Schultern und seine Gesichtsmuskeln im Laufe der vielen Tage merklich gelockert und zückt die Mini-Kamera. Heute morgen bauen sich unsere zwölf chinesischen Begleiter auf einem stinkenden Hinterhof zum Gruppenfoto auf.

Wo sind die Schutzengel und das Gute-Laune-Mobil?

Zwei Wochen lang haben sie alles für uns organisiert, sich um jeden gekümmert, alle organisatorischen Schwierigkeiten gelöst und jegliche Sprachbarriere aus dem Weg geräumt. Nur noch drei von ihnen werden uns bis zur Grenze folgen, bis die Formalitäten erledigt sind. Schon vor der Abfahrt um halb Neun ist es ein komisches Gefühl zu wissen, dass der silbergraue GLK mit Felix und Iris nun nicht mehr als Schutzengel und Gute-Laune-Mobil hinter unserer B-Klasse herfährt.
 
Eigentlich heißt Felix Fong Lei. In China wurden viele Schulkinder genötigt, einen europäischen Namen auszuwählen, weil der für deren Ohren leichter zu erkennen und auszusprechen ist. Fong Lei ist ein aufgeweckter Typ, von Hause aus Fotograf, und so verstand er unsere Nöte, an gute Bilder zu kommen äußerst schnell. Iris heißt eigentich Ya Ling, sie ist Fong Leis Assistentin und hat uns mit ihrem Strahlelächeln viele Tore geöffnet, die Unbefugten sonst verschlossen bleiben. Ab sofort müssen wir ohne den Spaßvogel und den Sonnenschein auskommen.

Souvenirs, Souvenirs

Die Fahrt zur Grenze nach Kasachstan dauert nur eine gute Stunde. Der Grenzübertritt kann manchmal Tage dauern. Erst heißt es, man werde uns eigens eine komplette Abfertigungshalle öffnen, um die ganze Truppe en bloq abzufertigen. Am Ende stehen alle Autos auf dem Parkplatz vor einem Andenkenkaufhaus. Sofort schwärmt ein großer Trupp aus, um sein chinesisches Restgeld loszuwerden und den Daheimgebliebenen für einen Appel und ein Ei ein Souvenir zu besorgen.
 
Das wiederum lässt die Geldwechsler ausschwärmen. Bevor die Langnasen alle Scheine verprassen, wollen sie lieber gegen kasachische Tenge tauschen. Sie wedeln mit Scheinen, umzingeln potenzielle Kunden. Der Doc lässt sich die Geldscheine zeigen und hält sie prüfend gegen den Himmel, als könne man so ihre Echtheit erkennen.

Verschwörungstheorie beim Grenzübertritt

Für eine Weile ist das Treiben ganz lustig, aber nach einer Stunde wird es ein bisschen zäh. Kein Zöllner hat sich bisher blicken lassen. Bei Ankunft hieß es aus dem Büro, es dauere eine halbe Stunde, das hören wir auch noch nach vier halben Stunden. Es ist Samstagmorgen, und bald kommt die Verschwörungstheorie auf, dass der Zollchef der Schwager unseres Hotels in Yinning ist, und man in der Familie übereinkam, dass eine Übernachtung für rund 50 Leute keine ausreichende Auslastung bedeutet. Es ist durchaus nicht unüblich, dass plötzlich ein Beamter verkündet, nun sei Wochenende, und alle könnten am Montag wiederkommen.
 
Nach fast drei Stunden aber öffnet sich plötzlich das erste Tor. Soldaten stehen zackig in der Gegend, Chefscout Marc dirigiert mit chinesischen Helfern den Konvoi. Wir haben der Grenzbehörde Unrecht getan. Sie hat in der Zeit den kompletten Papierkram für unsere knapp 20 Autos erledigt.

Nörgelnde Fahrer, grinsende Passagiere

Als die gesamte Mannschaft die Schalterhalle entert, weiten sich die Mandelaugen einer reiferen Dame im Leopardenmantel zu Christbaumkugeln. Panisch rafft sie ihre drei mit kiloweise Folie umwickelten Pappkartons samt Handtasche auf einen Handkarren, damit sie nicht plötzlich hinter der Riesenhorde abgefertigt wird. Es nutzt nichts. Eine Beamtin blafft sie an, sich hinten anzustellen.
 
Nun stehen wir an zwei Schaltern Schlange, eine für die offizielle als Fahrer Eingetragenen, eine zweite für die als Passagiere Deklarierten. Es gibt eine hochoffizielle Liste, in der die Personen ganz eindeutig klassifiziert und einem Auto zugeordnet sind. Nach 20 Minuten Anstehen heißt es auf einmal: Alle Fahrer müssen die chinesischen Nummernschilder vorzeigen. Nörgelnd hechtet die rechte Schlange geschlossen zurück zu den Wagen, während die Passagier links fröhlich grinsend vorankommen und ihre Ausreisestempel erhalten.

Ist das ein "O"?

Es geht zäh voran, aber es geht. Als einer der letzten steht auch der auto-motor-und-sport-Abgesandte einem milde lächelnden Beamten gegenüber. Dessen Züge wandeln sich beim Betrachten des Passes aber bald zu Ratlosigkeit und tendenziell zu Verdunklung. Scrollt er gerade auf dem Monitor eine lange Liste mit Verkehrsübertretungen herunter, die angesichts von deren Häufung nicht mehr milde mit Geldstrafen oder Bewährung geahndet werden können? Hat die Staatssicherheit einen Vermerk geschickt, dass der Betreffende wegen regimekritischer Äußerungen kein Freund Chinas ist, und dementsprechend abzuführen sei?
 
Am Ende hält er den Pass hoch, zeigt auf das letzte Zeichen der Passnummer und fragt auf Englisch: "Ist das ein O?" Ich würde sagen, es sieht ganz so aus. "Sind Sie sicher?" Ich denke ja. "Könnte es nicht eine Null sein?" Doch, ja, könnte es. "Also ist es nun eine Null?" Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. Eine unserer chinesischen Assistentinnen kann zwar ebenfalls keinen Unterschied in der Typographie erkennen, sagt aber mit Bestimmtheit, es sei eindeutig eine Null. Der Grenzer fragt: "Was meinen Sie?" Doch ja, jetzt sehe ich es auch. Es muss eine Null sein. Damit gibt er sich zufrieden und hämmert den Stempel in den Pass.

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Kasachstan - Mützen in Übergröße

Die Ausreise ist nur der halbe Spaß, nun fahren wir geschlossen durch zwei weitere Tore und stehen auf kasachischem Gelände. Hier kümmern sich russische Helfer um den reibungslosen Ablauf. Kasachstan war bis zum Zerfall der Sowjetunion eine von deren Republiken. Die Nachwirkungen sind nicht nur in der Sprache spürbar, sondern auch mit der Liebe für schneidige Uniformen mit Mützen, die so übergroß sind, dass sie von einem Karikaturisten entworfen sein müssen.
 
Hier und da fehlt noch ein Stempelchen in dreifacher Ausfertigung, also wieder Schlange stehen. Die Beamten sind freundlich, einer bemerkt stolz, dass er Stuttgart kennt und in der Schule ein bisschen Deutsch gelernt hat. "Deutschland schön", sagt er. "Kasachstan bestimmt auch", kriegt er zurück. Nach viereinhalb Stunden passieren wir eine weitere Schranke, ein weiteres Tor, einen Streifen Niemandsland mit bedrohlichen Zäunen, einen weiteren Schlagbaum, und schon rollen wir unter dem Schild "Willkommen in Kasachstan" durch.

Harte Strafen für Tempoverstöße - auch für solche, die nicht begangen wurden

Die Landschaft ist hügelig mit hübschen Bergen im Hintergrund. Mancher findet, es sei grüner und schöner als in China. Definitiv übler sind die Asphaltstraßen, die eine milliardenfache Sammlung von Buckeln, Senken und Teerflicken mit eingestreuten Löchern sind. Das Gerüttel und Geschüttel macht die Wirbelsäule porös und hindert an schnellem Fortkommen. Dabei sind es bis zum Tanken noch 160 Kilometer. Oft zuckeln wir mit 50 bis 70 dahin. Es gibt Gerüchte über rigide Geldstrafen, selbst für Geschwindigkeitsübertretungen, die gar nicht begangen wurden.
 
Die Fahrt mit Betrachten der Gegend und ausgedehntem Plausch über das Reisen im Allgemeinen und Speziellen ist durchaus kurzweilig, bis ein kurzer Blick auf den Bordcomputer die innere Alarmglocke schrillen lässt. Ohne es zu merken, hat die üble Straße den Verbrauch erhöht, erschwerend kommt hinzu, dass es die ganze Zeit leicht aber stetig bergauf geht und - wie könnte es anders sein - ein frischer Gegenwind weht. Es sind noch 30 Kilometer bis zum Tankplatz und wir sind mit zehn im Rückstand. Tempodrosseln hilft nur bedingt, es geht weiter bergauf. Auf den letzten zehn Kilometern reisen wir nicht mehr schneller als mit 40 km/h, den Zeiger der Leistungsanzeige immer möglichst dicht an der Nulllinie haltend. Zehn Kilometer vor dem Ziel fehlen uns noch immer drei zur Tankstelle. Endlich geht es leicht bergab. Sofort wird der Leerlauf reingeknallt. Ein geübter Radamateur würde uns als rollendes Hindernis betrachten.

Fast auf dem Trockenden: "No risk, no fun!"

Sechs Kilometer vor der Zapfsäule sind wir immer noch mit anderthalb im Rückstand. Was wir nicht wissen: Die anderen Autos litten unter gleichen Sorgen. Kollege Janosch Ersing schlich schon besorgt daher, als ihn fröhlich-zügig Konvoichef Bernd Löper überholte, der über Funk mitteilte, seine Augen seien zu schlecht, um die kleinen Ziffern zu lesen, und außerdem hieße doch die Parole: "No risk, no fun!"

"Stier ist Held des Tages"

Der Spaß hat aber ganz schnell ein Loch, wenn ausgerechnet der Stier liegen bleiben würde. "Du bist doch sozusagen der große, alte Mann des World Drive", sagte Beifahrer und Mercedes-Mitarbeiter Christoph noch am Morgen. Tatsächlich sieht der Dauermitreisende der Weltreise ganz alt aus, wenn er am Ende zum Handy greifen und um Zugmaschine und Abschleppseil bitten muss. Schon 200 Meter vor dem letzten Abzweig zeigt die Anzeige 0,00 Kilogramm Wasserstoff, die anderen sind mit 0,03 und 0,05 an der Tankstelle eingelaufen. Es hat so gerade gereicht. "Du bist der Held es Tages", sagt einer. Das ist nett gemeint, aber ein Wasserstofffürzchen später wäre es "Depp des Monats" gewesen.

Es ist schon spät, obwohl wir an der Grenze zwei Stunden gewonnen haben. Das riesige China leistet sich nur eine einzige Zeitzone. Jeden Morgen auf der Fahrt nach Westen ging die Sonne später auf und abends später unter. In Kasachstan korrigiert, war es nach dem Grenzübertritt plötzlich Viertel vor Eins, statt Viertel vor Drei. Aber jetzt ist es auch in Kasachstan schon sechs. Die Sonne geht langsam unter, es sind noch 200 Kilometer bis Almaty, die wir über eine holprige Landstraße hinter uns bringen, die offiziell als "Speedway" deklariert ist.

Tripy will nicht so, wie wir wollen

Als wir die Außenbezirke der Stadt erreichen, ist es schon halb Zehn. Getankt wird heute nicht mehr, also Routenänderung zum Hotel. Die ist aber im elektronischen Roadbook Tripy nicht vorgesehen. Drei Kilometer lang will es uns zurück auf die Ursprungsroute führen. Das telefonische Erfragen des richtigen Weges scheitert an einer schlechten Verbindung.

Falsch in die Einbahnstraße: "Hast Du Euro?"

Wir halten kurz nach einem T-Abzweig am Straßenrand. Noch bevor annähernd Klarheit herrscht, steht ein Polizeiauto vor uns. In gebrochenem Englisch erklärt der Beamte, dass wir falsch in eine Einbahnstraße gefahren seien. Das taten vor uns auch andere, denen wir einfach folgten. Christoph muss mit seinen Papieren in den Mitsubishi Lancer der Staatsgewalt einsteigen. Er zweite Beamte ist freundlich, schüttelt ihm gar zunächst die Hand, verkündet dann aber, für das Delikt seien 42.000 Tenge fällig. Den Wechselkurs kennen wir nicht, wir haben auch kein kasachisches Geld. "Hast du Euro?" fragt Christoph. "Nein", lüge ich. Wollen wir doch mal sehen, was die Polizei jetzt macht. Ein Anruf bei den Mercedes-Kollegen hellt die Finanzfrage auf: Es geht um etwa 210 Euro Strafe. Shuttle-Fahrer Tomek hat die rettende Idee: "Lasst euch doch von der Polizei zum Hotel lotsen. Wir haben ja hier Geld."

Stier schlottert und parliert

So rollen wir also die letzten sechs Kilometer in Almaty mit eigener Eskorte ein. Beim Hotel kommt ein von der Reiseleitung angeheuerter, gut gelaunter und eloquenter Russe zum Einsatz, der dem Polizisten im Auto sinngemäß die enorme Bedeutung des World Drives, die unfassbare Naivität und Unbedarftheit der Fremden und das für Zentral-Europäer unfassbar komplizierte Straßenverkehrswesen Kasachstans unterbreitet, während Stier im T-Shirt bei zehn Grad neben dem Wagen schlotternd den zweiten Beamten in eine Plauderei über die Schönheiten des Landes und die wichtigsten Attraktionen Almatys verstrickt. Am Ende lassen uns die Polizisten laufen. Hundemüde erklimmen wir mit schweren Schritten die Hoteleinfahrt und laufen dem breit grinsenden Tomek in die Arme. "Na", sagt er. "Da hast du doch wieder was zum Schreiben."

Autor

Foto

Markus Stier

Datum

8. Mai 2011
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