Rußpartikelfilter-Nachrüstung: Die Förderung kommt nicht allen zu Gute

Eigentlich müssten sich Tausende Autofahrer freuen: Anders als geplant wird es auch in diesem Jahr eine staatliche Förderung für den Einbau von Rußpartikelfiltern geben. Somit können jene profitieren, die bisher wegen Lieferengpässen nicht zum Zuge kamen.

Und sogar der Kreis der Berechtigten wird um die Besitzer von leichten Nutzfahrzeugen erweitert, die mit 330 Euro für den Einbau eines Rußpartikelfilters belohnt werden. Als weiteres Bonbon winkt die grüne Umweltplakette und somit die Berechtigung, Städte zu befahren, die selbst Autos mit gelben Klebern aussperren.

Viele Autohersteller haben kein Interesse seltene Fahrzeuge mit Rußpartikelfiltern auszustatten

Details werden derzeit im Bundesumweltministerium ausgetüftelt. Grundsätzlich sollte sich der Stuttgarter Maler- und Stuckateurmeister Peter Ewe über diese Entwicklung freuen. Schließlich prangt an der Windschutzscheibe seines Mitsubishi L400 nur die gelbe Plakette. Die garantiert in der Schwabenmetropole aber nur noch bis Ende 2011 freie Fahrt, in Berlin wäre er sogar schon jetzt vom Fahrverbot betroffen. Doch Ewe wird wohl leer ausgehen, denn der Dienstwagen des kleinen Handwerksbetriebs ist auf deutschen Straßen zu selten. Somit lohnt sich die Entwicklung eines speziellen Filters für diesen Typ nicht. Mit diesem Problem steht der Stuttgarter nicht allein da. Viele Autohersteller und Zulieferer haben offenbar kein allzu großes Interesse daran, Filter für seltene Bestandsfahrzeuge anzubieten.

Rußpartikelfilter: Kosten summieren sich leicht

Denn die Entwicklung der Rußpartikelfilter-Systeme ist teuer und lohnt nur bei einer hohen Nachfrage. So gehen etwa Besitzer eines sparsamen Audi A2 leer aus. Ein Teufelskreis: Während die Nachrüstung von VW Golf und Co selten mehr als 1.000 Euro kostet und oftmals durch Aktionen der Hersteller zusätzlich subventioniert wird, sehen sich Besitzer von Nischenmodellen mit Preisen von mehr als 1.500 Euro konfrontiert. Bei Nutzfahrzeugen wie dem Mercedes Sprinter können es schon mal mehr als 2.000 Euro sein. Da sind 330 Euro Zuschuss nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Schließlich summieren sich die Kosten bei vielen Modelle leicht auf weit über zehn Prozent des Restwertes.

Ohne Rußpartikelfilter besteht die Chance auf eine Ausnahmegenehmigung

Immerhin: Ist kein Filter verfügbar, besteht die Chance, durch eine Ausnahmegenehmigung trotzdem in die Umweltzonen einfahren zu dürfen. Gibt es einen Rußpartikelfilter, hat man keine Wahl: Ohne Nachrüstung fällt der Restwert des Autos ins Bodenlose, wenn sich überhaupt noch ein Abnehmer findet, und Fahrverbote sind sicher. Genau das macht Ewe wütend, zumal er in der Vergangenheit versucht hat, seinen L400 in Sachen Abgastechnik auf dem Stand der Technik zu halten: "Vor drei Jahren habe ich für rund 800 Euro einen Katalysator einbauen lassen, das hätte ich beim Rußfilter auch gemacht, wenn es einen gäbe."

Städtische Fahrzeuge sind von der Plakettenverordnung befreit

Das Problem für viele Handwerker: Meist werden die Kleintransporter so lange wie möglich genutzt, weil sich die teuren Spezialeinbauten für Werkzeug und Transport nur so rentieren. Ewe wollte den Mitsubishi ursprünglich zwölf Jahre fahren, doch die Verschärfung der Umweltzonen macht das nun schwierig. "Das treibt kleine Betriebe in die Existenznot", berichtet Ewe. Dass städtische Fahrzeuge von der Plakettenverordnung befreit sind, hebt nicht gerade die Laune der Selbstständigen. Eine Lösung dieses Dilemmas wäre eine Anhebung der Förderung. Das würde den Anreiz zur Umrüstung steigern und so die Anbieter motivieren, das Angebot auszuweiten, verlautet aus ihren Kreisen. Doch angesichts klammer Kassen dürfte das wohl eher unwahrscheinlich sein.

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René Olma

Autor:

auto motor und sport, Heft 04 / 2010

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