Studie "Elektromobilität 2025": E-Auto auch in zehn Jahren in der Verlustzone

Eine aktuelle Studie der Managementberatung Oliver Wyman fordert, den Hype um Elektrofahrzeuge zu beenden. Stattdessen sei ein Umdenken bei Autoherstellern und Staat nötig, um das E-Auto der Zukunft günstiger und für Kunden rentabler zu machen.

Für die Studie "Elektromobilität 2025" befragte die Managementberatungs-Firma Oliver Wyman zwischen Februar und Juni 2009 Autohersteller, Zulieferer, Energieversorger, Ministerien und Forschungsinstitute zur Zukunft des Elektroantriebs. Darüber hinaus wurden Endkunden befragt, die Aufschluss über die Anforderungen der Autofahrer an das Elektroauto der Zukunft geben sollten.

Marktanteil von Elektroautos wird weiterhin gering bleiben

Eines der Ergebnisse der Studie: Der Marktanteil der Elektrofahrzeuge wird sich in den kommenden 15 Jahren weltweit auf lediglich drei Prozent belaufen. Hauptgrund hierfür sind demnach die immensen Mehrkosten für ein Auto mit Elektroantrieb. Diese belaufen sich nach Angaben von Oliver Wyman für ein Fahrzeug der Golf-Klasse derzeit auf bis zu 20.000 Euro. Darüber hinaus sorgt die eingeschränkte Reichweite für geringes Kundeninteresse.

Die Studie "Elektromobilität 2025" kommt daher zu den Schluss, dass der kurzfristige Hype um Elektroautos beendet werden und stattdessen der Fokus auf die langfristig ausgerichtete Forschung und Vermarktung elektrisch betriebener Fahrzeuge gelegt werden müsse. Hierbei komme insbesondere dem Staat eine wichtige Rolle zu. Andernfalls drohten Nationen wie China die deutsche Automobilindustrie schnell zu überholen. Er müsse etwa mit finanzieller Unterstützung beim Kauf eines E-Autos sowie mit Sanktionierung des Verbrennungsantriebs elektrisch betriebene Fahrzeuge für die Kunden interessanter gemacht werden. So plant Großbritannien, den Kauf eines Elektroautos ab 2011 mit 2.500 bis 6.000 Euro zu fördern, China steuert 6.500 Euro bei und Japan sogar bis zu 11.000 Euro. Christian Kleinhans, Partner und Automobilexperte bei Oliver Wyman empfiehlt: "Pro Kauf eines Elektrofahrzeugs sollte eine E-Fahrzeug-Prämie von bis zu 10.000 Euro gewährt werden." Zufahrtsbeschränkungen für CO2 -emittierende Fahrzeuge sowie Mautgebühren könnten ihr Übriges tun. Kleinhans fordert gar den "Deutschlandpakt für Elektromobilität 2025". Innerhalb der nächsten zehn Jahre solle der Staat 15 Milliarden Euro als Fördersumme gewähren, um in Deutschland die Weichen für die Elektro-Zukunft zu stellen.

Laut der aktuellen Erhebung werden Elektro- und Hybridfahrzeuge auch auf längere Sicht eine Randerscheinung bleiben (Marktanteil der rein elektrischen oder elektrisch unterstützten Fahrzeuge 2010: zwei Prozent; bis 2025: 16 Prozent). Stattdessen wird nach Einschätzung von Oliver Wyman der CO2-Reduktion die größte Bedeutung zukommen (hier geht es zum CO2-Rechner). Aktuell fließt ein Drittel (25 Milliarden Euro) der weltweiten Forschungsgelder der Autoindustrie in die Reduzierung der CO2-Emissionen. Dieser Anteil wird sich in den kommenden zehn Jahren auf 300 Milliarden Euro erhöhen.

Ziel: Rentable Elektroautos mit großer Reichweite

Die Herausfoderung für die Autohersteller besteht insbesondere darin, den Kunden Elektro-Fahrzeuge anzubieten, die keiner Abstriche bei Reichweite und Kosten verlangen. Nach der Kundenbefragung von Oliver Wyman und puls Marktforschung sind nur 14 Prozent der Autokäufer dazu bereit, für ein Elektroauto mehr zu bezahlen (durchschnittlich 2.200 Euro).

Ein E-Auto wird sich für den Endkunden daher nur dann lohnen, wenn es im Unterhalt deutlich günstiger ist als ein Modell mit Verbrennungsmotor. Nach Berechnungen von Oliver Wyman wird ein Elektrofahrzeug der unteren Mittelklasse im Jahr 2025 trotz höherer Anschaffungspreise über einen Zeitraum von vier Jahren um rund 3.500 Euro günstiger sein als ein Verbrennermodell.  Aktuell liegen die Mehrkosten innerhalb von vier Jahren für ein E-Auto allerdings noch bei mehr als 12.000 Euro.

Aktuell sind Elektroautos für Autohersteller nicht profitabel

Auch für die Automobilhersteller muss sich nach Einschätzung der Studie das Geschäft mit den Elektrofahrzeugen lohnen. Die Profitabilität ist aktuell aufgrund geringer Stückzahlen und hoher Kosten nicht gegeben. Eine Chance sieht Oliver Wyman allerdings in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfung (Markt für Lithium-Ionen-Batterien bzw. für spezielle Autostrompakete, Leasingangebote etc.). Zudem liegt nach Einschätzung der Studie "Elektromobilität 2025" in Kooperationen mit anderen Unternehmen eine große Chance. "Vertikale Partnerschaften eines Automobilherstellers mit strategischen Schlüsselzulieferern und Forschungsinstituten sind durch horizontale Kooperationen zwischen Herstellern oder zwischen Zulieferern zu ergänzen, um ein dichtes Netzwerk für Elektromobilität zu knüpfen."

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Manuel Dohr

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