Verbrauchstreiber: Was den Verbrauch in die Höhe treibt

Mercedes GLK 250 CDI 4matic

Ein sparsames Fahrzeug allein reicht nicht: Welche Faktoren den Kraftstoffverbrauch wie stark beeinflussen, hat auto motor und sport in einer eigens konzipierten, aufwendigen Versuchsreihe herausgefahren.

Kraftstoffeinspritzung mit bis zu 2.000 bar Druck, fünf Mal pro Verbrennungstakt, hochkomplexe Steuerung von bis zu achtstufigen Automatikgetrieben, aerodynamischer Feinschliff, Fliehkraftpendel - bei den unzähligen Anstrengungen der Autohersteller zur Verbrauchsreduzierung geraten selbst geübte Rhetoriker ins Stottern. Einfach nur geräumig, groß oder geländegängig reicht nicht mehr.Selbst Supersportwagen müssen zwar pfeilschnell sein - aber erst, wenn sie eine ordentliche Effizienzsteigerung gegenüber dem Vorgänger nachweisen können. Tatsächlich zeigen sich beachtliche Erfolge in allen Segmenten, wie unter anderem der BMW 320d Efficient Dynamics Edition oder der Audi A8 4.2 FSI beweisen.

Auf Prüfständen ermittelte Normverbrauchswerte bleiben beim Test außen vor

Angesichts der bauartbedingten Voraussetzungen - 2,55 m² große Stirnfläche und ein Gewicht von rund 1,9 Tonnen - zeigt auch der 204 PS starke Mercedes GLK 250 CDI 4matic mit einem Durchschnittsverbrauch von 9,7 L/100 km durchaus Spartalent, wenngleich er sich nicht unbedingt als Knauser-König profiliert. Dieses Ergebnis spiegelt den normalen Alltagsgebrauch wider, bei dem einige elektrische Verbraucher wie Klimaanlage und Radio eingeschaltet bleiben - Komfort, auf den kaum ein Autofahrer verzichten möchte. Beschönigende, auf Prüfständen unter klinischen Bedingungen ermittelte Normwerte bleiben beim Test außen vor. Vielmehr soll herausgefunden werden, wie negativ sich etwa hohe Beladung und Gepäckträger, aber auch falscher Reifendruck auf den Verbrauch auswirken.

Für eine größtmögliche Genauigkeit der Angaben wurde eigens ein Fahrzyklus entwickelt, der an einem Tag auf identischer Strecke gefahren wurde. Darüber hinaus kam ein Messgerät zum Einsatz, das direkt mit dem Daten-Bus des Testfahrzeugs verbunden war und somit noch exaktere Werte als die inzwischen sehr genauen Bordcomputer liefert - und etwaige Ungenauigkeiten beim Tanken eliminiert, da die Einspritzmenge abgebildet wird. Das Resultat: Verbrauchsdifferenzen, bei denen der Fahrzeugtyp eine untergeordnete Rolle spielt und die somit in anderen Klassen übertragbar sind.

Oberhalb von 80 km/h stellt der Winddruck den größten beeinträchtigenden Faktor dar

Erneut zeigt sich dabei, dass das Gesamtgewicht vergleichsweise wenig Einfluss auf den Verbrauch nimmt. Zwei Personen plus 300 Kilogramm Ballast forderten gerade einmal rund einen halben Liter mehr im Durchschnitt. Warum? Oberhalb von 80 km/h stellt der Winddruck den größten beeinträchtigenden Faktor dar, nur darunter machen sich die durch das Gewicht hervorgerufenen Fahrwiderstände stark bemerkbar. Die Kraft des Windes wächst dagegen exponentiell, weshalb ein Fahrzeug zwei Drittel seiner Energie darauf verwenden muss, sie zu überwinden - bei nur 120 km/h. Daher verwundert es kaum, dass ein zusätzlich montierter Dachträger mit Fahrrad und Gepäckbox die Bilanz regelrecht verhagelt: plus 18,2 Prozent gegenüber dem beladenen Auto mit eingeschalteten Verbrauchern. Im Vergleich zum leeren Fahrzeug ohne laufende Klimaanlage beträgt die Differenz 37,2 Prozent - oder 2,7 L/100 km.

Ebenfalls wichtig zur Verbrauchsreduzierung: Spätestens vor der nächsten Urlaubsfahrt den Luftdruck kontrollieren und ihn der Beladung anpassen. 0,7 bar weniger Luft in den Reifen treibt den Verbrauch um weitere 6,6 Prozent in die Höhe, was im Falle des GLK 0,8 L/100 km bedeutet. Ein Tipp für passionierte Radler: Ein Heckträger spart Sprit - immerhin zwölf Prozent gegenüber der Dach-Lösung. Nachteil: Das Gepäck lässt sich nur noch mittels einiger akrobatischer Verrenkungen durch den Innenraum erreichen.

Das Ausschalten der Klimaanlage spart allein 3,2 Prozent

Weit weniger aufwendig fallen jedoch die Anstrengungen aus, um den Verbrauch des eigenen Fahrzeugs zu optimieren. Dazu zählt natürlich, Anbauten zu demontieren, wenn sie nicht benötigt werden - ein bisschen fummelig vielleicht, spart jedoch bares Geld. Als tückisch erweisen sich oft elektrisch betriebene Komfortextras. Angesichts der derzeitigen Temperaturen muss beispielsweise die Klimaanlage nicht immer mitlaufen. Allein das spart 3,2 Prozent. Andererseits bleibt die Sitzheizung gerne mal eingeschaltet, obwohl sie nicht benötigt wird - auf dem leeren Beifahrersitz zum Beispiel. Und selbst wenn weniger Gewicht nicht zwangsläufig zu neuen Sparrekorden führt, so trägt speziell im Stadverkehr jedes Gramm weniger zu einem niedrigeren Verbrauch bei. Also: Auto entrümpeln. Erst dann kann das High-Tech-Spar-Ensemble moderner Fahrzeuge sein gesamtes Potenzial ausschöpfen.

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Jens Dralle

Autor:

auto motor und sport, Heft 12 / 2010

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