Wasserstoff-Infrastruktur: Kraftstoff der Zukunft

2015 kommt das Wasserstoffauto

Mit Ökostrom lässt sich Wasserstoff für die Brennstoffzellen-Autos herstellen, interessant ist auch die Umwandlung in Gas.

Nach Jahren voller Versprechungen zu Markteinführungs-Szenarien, nach immensen technischen Anstrengungen und großen Investitionen im Milliardenbereich zeigen Honda und Mercedes nun seit Monaten mit Kleinserien-Brennstoffzellen-Autos, wie gut die Technik funktioniert. Dies freilich zu Kosten, die noch weit über denen herkömmlicher Autos liegen. Aber dafür soll es Lösungen geben, glaubt Mercedes-Chef Dieter Zetsche, der Brennstoffzellen-Autos ab 2015 zu Preisen anbieten will, die mit denen von Diesel-Modellen (Euro 6-Einstufung und SCR-Katalysator) konkurrieren können.

Um die Leistungsfähigkeit der Brennstoffzelle international zu beweisen, fahren derzeit drei Mercedes F-Cell-Modelle um die Welt. Probleme? Fehlanzeige, die Technik macht keine nennenswerten Zicken. Sorgenfalten auf der Teilnehmer-Stirn gibt es nur aus anderen Gründen. Denn Tankstellen abseits der geplanten Route existieren nicht, und nach rund 300 Kilometern sind die 700-bar-Gastanks an Bord leer – Hydrogen-Reservekanister sind noch nicht erfunden.
Nachgezapft wird auf der Weltfahrt meist aus Tanklastwagen, denn in vielen Ländern, durch die die Welttour führt, existieren keine öffentlichen Wasserstoff-Tankstellen, selbst in Deutschland besteht die Infrastruktur gerade mal aus rund 20 Stationen.

Wasserstoff als idealer Energieträger

Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie (NOW GmbH), sieht allerdings einen Silberstreif am Horizont, denn in den nächsten zwei Jahren werden nach seinen Aussagen 20 neue Tankstellen dazukommen. Allerdings sieht auch er eine vernünftige Flächenabdeckung für Deutschland erst ab 1.000 Tankstellen gegeben. Die zu erreichen wird nicht eben günstig, denn eine H2-Station kostet etwa 700.000 Euro.

Dennoch erscheint Wasserstoff als einer der idealen Energieträger der Zukunft. Vor allem dann, wenn man ihn mit regenerativem Strom – beispielsweise aus Windkraft und Sonnen-Energie – herstellt. Denn anders als Strom lässt sich H2 vergleichsweise einfach speichern. Das Gas könnte in leergepumpten Erdgas-Feldern zwischengelagert werden und bei Flaute oder bedecktem Himmel via Brennstoffzelle zurück in Strom verwandelt werden. Mit der mehrfachen Umwandlung sind zwar große Verluste verbunden, doch da die Primärenergie nichts kostet, scheinen sie verschmerzbar. Noch fehlt es allerdings auch hier an einer entsprechenden
Brennstoffzellen-Kraftwerksindustrie.

Gas aus Wasserstoff

Dafür gibt es eine denkbare weitere Alternative, und die könnte sogar auf ein bestehendes Versorgungsnetz zurückgreifen. Denn aus Wasserstoff kann Gas produziert werden. Dazu lässt man ihn mit Kohlendioxid reagieren, wobei Methan entsteht. Das wiederum kann man wie Erdgas speichern, weiterverarbeiten und transportieren. Gleichwohl sind die Verluste auch bei dieser Prozesskette nach Aussage des Fraunhofer-Instituts für Windenergie in Kassel hoch. Es bleibt lediglich ein Wirkungsgrad von 35 bis 40 Prozent übrig.

Trotzdem erscheint dieser Weg einigen in der Auto-Industrie sinnvoll, denn Gastankstellen gibt es bereits flächendeckend. Außerdem haben viele Hersteller Modelle im Programm, die mit diesem weitgehend CO2-neutralen Kraftstoff fahren könnten. Im Rahmen des auto motor und sport-Kongresses bekannten sich Audi-Vorstand Michael Dick und Magna-Vorstand Burkhard Göschel zum Erdgas als Antrieb mit viel Potenzial für die Zukunft.

Ob die Kunden das auch so sehen, bleibt abzuwarten. Denn Gasautos sind bislang keine Verkaufsschlager, obwohl ihr Kraftstoff billiger ist als Benzin oder Diesel.

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Christian Bangemann

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