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Alfa Romeo 156 Sportwagon im Test

Guter Kombi mit V6-Motor

Alfa Romeo 156 2.5 V6 24V Sportwagon

Der Alfa Romeo 156 Sportwagon ist kein Kombinierer im herkömmlichen Sinn. Er will Coupé-Eleganz mit kleinem, aber feinem Praktikabilitätsplus verbinden.

01.08.2000

Der gute alte Kombinations-Kraftwagen ist längst nicht mehr das, was er einmal war. Aus dem Lastesel für alle Fälle, dem Familientransporter und Handwerker-Beglücker wurde ein Trend-Automobil. Wer jung und erfolgreich ist, fährt Kombi. Und was zählt, ist Adrenalin. Deshalb muss vorn der brave Vierzylinder einem kraftvoll anschiebenden V6 weichen, hinten ersetzen Mountain-Bikes oder Snowboards die Farbeimer, Elektroinstallationsgerätschaften und quengelnde Kleinkinder. Nicht dass dies ein bedauerlicher Zustand wäre, beileibe nicht. Den jungen Dynamikern verdankt die moderne Autowelt solch erquickliche Neuerscheinungen wie den Alfa Romeo 156 Sportwagon. In seiner Topversion wird das edle Stück von einem 2,5 Liter großen Sechszylinder angetrieben, dessen 190 PS den Kombi aus dem Stillstand in 8,4 Sekunden über die 100 km/h-Marke befördern und eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h ermöglichen.

Mit einem Einstiegspreis von 26.800 EUR ist der Alfa 156 2.5 V6 Sportwagon vor allem gegenüber seinen deutschen Konkurrenten ein echtes Schnäppchen: Schon ein Audi A4 Avant kostet mit vergleichbarer Motorisierung über 30.000 EUR, ganz zu schweigen vom BMW 3er Touring oder dem T-Modell der Mercedes C-Klasse. Und der Alfa trumpft trotz des niedrigen Basispreises mit nützlichen Details wie Airbags und Seitenairbags vorn, Klimaanlage und Zentralverriegelung per Funkfernbedienung auf, die er alle ohne Mehrpreis offeriert. Wichtigstes Verkaufsargument und genauso serienmäßig ist jedoch seine Schönheit. Der Sportwagon bewahrt die aufregenden Linien und Details seiner Limousinenbasis: die markante Nase mit dem traditionellen Alfa-Kühlergrill, die coupéhafte Linienführung des grazilen Dachs, die feminin eingezogenen Flanken, die nostalgischen Bügeltürgriffe vorn und die hinteren, in den Dachholmen versenkten Türgriffe: Sie lassen optisch einen Zweitürer entstehen.

Jedoch nicht nur die formalen Eigenheiten der 156 Limousine führt der Kombi weiter, sondern auch die funktionalen: die komfortablen, guten Seitenhalt bietenden Sportsitze, die in tiefen Röhren im Cockpit liegenden Instrumente – und die wenigen, zu klein geratenen Ablagen. Aber der Sportwagon dehnt die 156-Palette optisch und funktional um ein stromlinienförmiges, exakt geschnittenes Heck. Keine üppige Transportblase, sondern ein zierliches Kombi-Hinterteil mit elegant nach unten gezogenem Schwung und kräftiger Abrisskante. Wer hier alte Handwerkertugenden sucht, Transportkapazität oder berauschende Zuladung, der sucht vergebens. Mit seiner maximal erlaubten Zuladung von gerade mal 406 Kilogramm und dem kümmerlichen Kofferraumvolumen von 360 Litern (1.180 Liter mit umgeklappter Rückbank) liegt der Sportwagon noch deutlich unter seiner direkten Konkurrenz. Immerhin wird einem die Nutzung des Laderaums leicht gemacht: Die Heckklappe öffnet so weit, dass auch große Leute unter der Klappe schwitzend Wasserkisten ein- und ausladen können, ohne sich den Kopf zu malträtieren. Verzurrösen, Gepäck- und Rückhaltenetze halten das Ladegut dann sicher am Fleck. Für ernsthafte Transportvorhaben kann die Rücksitzbank in zwei Hälften nach vorn geklappt werden. Zusätzliche Freizeit-Funktionalität bringen die Durchladeöffnung für Ski oder andere längere Gegenstände und die seitlich angeordnete Zwölf-Volt-Bordsteckdose.

Den größten Freizeitwert bietet der Sportwagon jedoch selbst. Mit überaus agilem Handling fegt er geradezu über die kurvigsten Sträßchen. Die Lenkung arbeitet direkt und zielgenau, sie ist nahezu frei von Antriebseinflüssen – für einen so leistungsstarken Fronttriebler eine reife Leistung. Nicht einmal in Sachen Traktion hadert der Alfa mit seinem Frontantrieb, auch auf nasser Fahrbahn müssen durchdrehende Räder regelrecht provoziert werden. Der Alfa 156 Sportwagon bleibt in Kurven sehr lange neutral und beginnt erst im hoch angesiedelten Grenzbereich über die Vorderräder zu schieben. Kaum Neigung zu Lastwechseln und der stabile Geradeauslauf machen den Alfa zu einem fahraktiven und gleichzeitig fahrsicheren Auto.

Trotzdem ist es nicht zu akzeptieren, dass es eine elektronische Antriebsschlupfregelung und ESP, in dieser Preisklasse bei der Konkurrenz längst selbstverständlich, noch nicht einmal gegen Aufpreis gibt. Unverständlich erst recht, dass Alfa ASR oder ESP nicht als Option anbietet. Ein Manko des Alfa-Fahrwerks ist die unkomfortable Federabstimmung: Auf guter Wegstrecke rollt der 156 noch beschwerdefrei ab und hinterlässt einen guten Komforteindruck. Sobald die Fahrbahn aber mit Schlägen, Unebenheiten und Löchern aufwartet, beginnt die Vorderachse zu stuckern und zu trippeln. Die Hinterachse wird mit kurzen Schlägen noch besser fertig, aber auf langen Wellen ist auch sie überfordert.

Mit ausgereizter Zuladung schwingt sich der Sportwagon so stark auf, dass die Auspuffanlage in Extremfällen sogar auf dem Asphalt aufsetzt. Dies kann auch die ansonsten unauffällig, aber gut funktionierende Niveauregulierung (siehe Technik erklärt) nicht ausgleichen. Auch der Eindruck, den der 2,5-Liter-V6 hinterlässt, ist zwiespältig. Zu seinen Minuspunkten zählen der hohe Verbrauch (im Schnitt 12,7 Liter Super) und die weiche Motoraufhängung, die im Stop-and-go-Verkehr ruppige Schwingungen des Antriebs zulässt. Zudem wirkt der V6 beim Dahinbummeln deutlich dreh-momentschwächer, als er es nominell ist. Seine Stärke liegt nicht im kräftigen Durchzug aus dem Drehzahlkeller, sondern in der mit steigender Drehzahl immer forscher werdenden Leistungsabgabe. Mit hemmungsloser Drehfreude stürmt der Sechszylinder dem roten Drehzahlbereich entgegen, röhrt und faucht dabei begeisternd. Die Leistung die sich so hitzig, ja rotglühend abrufen lässt, entschädigt reichlich für die mangelnde anfängliche Durchzugskraft. Zumal über das gut gestufte, kurz übersetzte und fein zu schaltende Sechsganggetriebe der passende Gang nicht weit entfernt ist. Dem Schalthebel fehlt übrigens nur noch ein Knauf, der nicht ausschaut, als sei er vom Hund zerkaut worden. Dann wäre die Schönheit perfekt. Und die Schönheit des Alfa Romeo 156 Sportwagon ist es, die ihm über manche Mängel hilft.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • befriedigendes Raumangebot
  • guter Qualitätseindruck
  • reichhaltige Serienausstattung
  • variabler Gepäckraum
  • in Normalstellung kleiner Kofferraum
  • eingeschränkte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • funktionaler Innenraum
  • unbefriedigende Federung auf kurzen Unebenheiten
  • Stuckerneigung der Vorderachse
  • unbefriedigende Kühlleistung der Klimaanlage
Antrieb
  • gute Fahrleistungen
  • hohes Drehvermögen des Motors
  • befriedigende Laufkultur
  • exakte Schaltung
  • harmonische Getriebeabstufung
  • Ruckelneigung im unteren Drehzahlbereich
Fahreigenschaften
  • sehr sicheres Kurvenverhalten
  • sehr gute Handlichkeit
  • gute Traktion
  • keine Antriebseinflüsse
  • geringes Rückstellverhalten der Lenkung
Sicherheit
  • Sicherheit
  • wirksame, gut dosierbare und standfeste Bremsen
  • Airbag für Fahrer und Beifahrer
  • serienmäßige Seitenairbags
  • optionale Kopfairbags
  • keine Antriebsschlupfregelung
  • kein ESP
Umwelt
  • hoher Verbrauch
  • bis September schadstoffarm nach Euro 2
Kosten
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • lange Wartungsintervalle
  • acht Jahre Garantie gegen Durchrostung
  • nur ein Jahr Basisgarantie

Fazit

Der Alfa Sportwagon 2.5 V6 lebt durch sein außergewöhnliches Design. Aber auch der mehr als faire Preis, das agile Fahrwerk und der drehfreudige Motor können gefallen. Minuspunkte sind der kleine Kofferraum, sein schlechter Komfort und der hohe Verbrauch.

Technische Daten
Alfa Romeo 156 2.5 V6 24V Sportwagon
Grundpreis27.456 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4430 x 1745 x 1420 mm
KofferraumvolumenVDA360 bis 1180 L
Hubraum / Motor2492 cm³ / 6-Zylinder
Leistung140 kW / 190 PS (222 Nm)
Höchstgeschwindigkeit230 km/h
Verbrauch11,8 L/100 km
Testverbrauch12,7 L/100 km
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