Artega GT im Test: Neuer deutscher Sportwagen

Artega GT

Der Artega GT bereichert kunstvoll gestaltet und mit lautstarkem V6-Motor die Sportwagenszene. Nach Anlaufschwierigkeiten befindet sich der in Handarbeit gefertigte Zweisitzer nun auf einem vielversprechenden Weg.

Das Verdichtungsverhältnis spricht Bände. Nein, nicht nur die 11,4:1 des trompetenden 3,6-Liter-Sechszylinders im Heck. Es ist die Kompression des Ganzen, die den Artega GT zunächst so lustvoll gestaltet.

Zusammengestaucht auf nur vier Meter Länge, ausgeweitet auf eine Breite von fast 1,90 Meter und gedrückt auf eine lichte Höhe von nicht einmal 1,20 Meter - reduzierter als der Artega GT fällt kein Sportwagen dieser Leistungsklasse aus.

Der im westfälischen Delbrück in Handarbeit konfektionierte Artega GT (zum Artega GT-Fahrbericht) beschränkt sich auf das Wesentliche. Und genau das gestaltet die Fahrt mit ihm als Ritt auf der Sympathiewelle. Ohne übermäßigen Protz und ausladenden Prunk erntet die Mittelmotor-Flunder Zuspruch an allen Orten. Der Artega GT punktet dank kompakten Ausmaßen, verschafft sich mittels durchtrainierter, sehniger Figur Respekt. Ein neudeutscher Sportler, wie er im Buche steht. Mit stimmigen Rundungen am rechten Fleck und einem verhältnismäßig langen Radstand, eingebettet zwischen rudimentären Überhängen.

Artega GT mit hohem Reifegrad mit einer Prise Großserie

Trotz der vermeintlichen Enge des überbauten Raumes führt der Artega GT vieles ins Feld, was im Großserien-Automobilbau Standard ist: zwei Frontairbags, Sidebags in den bestens konturierten Sitzen, ABS und ESP. Letzteres soll in Kürze über diverse Schärfegrade wie beispielsweise Race und Sport verfügen. Momentan gilt jedenfalls noch An oder Aus. Es gilt aber auch, dass die inneren Werte des Kleinserienprojekts nun einen hohen Reifegrad erreicht haben. Wer sich in die tiefe Sitzposition hinabbegibt, den empfängt ein gelungenes Arrangement aus wenig Kunststoff und viel fein verlegtem Leder. Hinzu kommt eine kleine Prise aus der Großserie, beispielsweise bei den Lenkstockhebeln. Das Gros des Cockpits setzt sich jedoch aus Eigenkreationen zusammen. Klar gestaltet und blicksicher positioniert, teilen sich klassische sowie digitale Instrumente die informativen Aufgaben. Das Multidisplay mit den kleinen Sensortasten in der Mittelkonsole steht nach praktischen Gesichtspunkten hingegen etwas im Abseits.

Artega GT passt wie ein Turnschuh

Ergonomisch passt der Artega GT wie ein gut geschnürter Turnschuh. Hinter den Sitzen ist noch Platz für leichtes Marschgepäck. Bei einer Körpergröße von 1,85 Meter spannt sich der belederte Dachhimmel noch mit knappem Abstand übers Haupthaar der Insassen. Lediglich der beengte Fußraum zwingt letztlich in eine leichte Froschhaltung.

VW-V6 des Artega GT lebt vom Drehmomentberg

Genug Theorie. Zündung. Im Heck des Artega GT schreit der von VW stammende Sechszylinder in einer nicht wiederzuerkennenden Vehemenz auf. Mit Geduld rastet der Wählhebel dann doch in Stufe D ein. Das DSG von VW schaltet nahezu unmerklich und fix in Sechs. Den Rest erledigt der massige Drehmomentberg, der sich von 2.000/min bis jenseits der 5.000/min erstreckt. Darüber hinaus stumpft der Biss des quer eingebauten Sechszylinders ab.

Trotzdem sind die längsdynamischen Leistungen des Artega GT famos. Der fulminante Sturm nach vorn gelingt ebenso überzeugend wie die grandiose und standfeste Verzögerung. Diesbezüglich spielt die Komposition aus Aluminium-Rahmen und Kunststoff-Karosserie locker mit im Konzert der Namhaften und Großen. Auch Alltägliches gelingt problemlos. Im Stadtdschungel lässt es sich dank der sehr leichtgängigen Lenkung locker rangieren – wenngleich der Wendekreis Kleinlaster-Niveau erreicht.

Artega GT sprüht vor Agilität

Mit zunehmender Geschwindigkeit legt die sensibel ansprechende Lenkung des Artega GT ihre Leichtgängigkeit ab. Jetzt lässt sich der Drang des Artega GT zur hohen Agilität exakt und freudvoll ausleben. Dabei ist der leichtfüßige Auftritt keinesfalls nur das Resultat des geringen Gewichts – zumal der hecklastig austarierte Artega GT immerhin fast 200 Kilogramm mehr auf die Waage bringt als ursprünglich prognostiziert.

Die schwungvolle Dynamik ist vielmehr ein Ergebnis aus aufwendiger Fahrwerkskonstruktion und straffer Feder-Dämpfer-Abstimmung. Das führt letztlich dazu, dass der Abrollkomfort rustikal ausfällt. Kurze Querfugen rumpeln ziemlich im Gebälk. Obwohl die Struktur des Ganzen einen stabilen und hochwertigen Eindruck hinterlässt - vom einen oder anderen verrutschten Spaltmaß einmal abgesehen.

Auf der Rennstrecke spielt der Artega GT vorne mit

Den prägendsten Eindruck jedoch hinterlässt der Artega GT auf der Rennstrecke. Ohne ESP reagiert das Heck zwar latent auf Lastwechsel und ist nur mühevoll wieder auf Kurs zu bringen. Gefühlvoll unter Last gehalten, erfreuen dann aber die tadellose Traktion und ausgeprägte Neutralität. Auf das Wesentliche eines Sportwagens verdichtet – auf die Rundenzeit –, kann der Artega GT jedenfalls ganz oben mitsprechen.

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Kommentare
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Jochen Übler

Autor:

auto motor und sport, Heft 24 / 2009

Hat der Artega GT das Zeug die Sportwagenelite aufzumischen?
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