BMW 120 d: BMW 120 d: Eins A

Je mehr PS, desto vorteilhafter eine Trennung von Lenk- und Antriebsaufgaben. Beibt die Frage, ob dies auch dem relativ PS-armen Einser nützt. Immerhin: Die Sache fängt gut an, denn schon im Stand kommt man sich als Fahrer sportlich vor. Sitze, Pedale, Schalthebel, alles schulbuchmäßig angeordnet – das Auto passt wie ein figurbetonter, aber nicht zu eng geschnittener Anzug. Erfreulich ist auch die Aussicht.

Vorn fällt der Blick auf ein Stück Haube, was in dieser Klasse Seltenheitswert hat. Das Cockpit ist von angenehmer Schlichtheit, die Mittelkonsole neigt sich BMW-mäßig zum Fahrer hin, und im Gegensatz zum X3 finden sich auch keine Kunststoffteile mit der Haptik eingeschmolzener Barbie-Puppen – von den Hebeln für die Sitzverstellung mal abgesehen. Trotzdem: Der Qualitätseindruck enttäuscht nicht. Selbst die Bedienung geht beim Einser in Ordnung. Jedenfalls besteht kein Anlass zur Panik, auch wenn normale Lenkradhebel ohne die Tippkontakte besser wären. Als Gag (mittlerweile ziemlich abgedroschen) muss die Maschine per Knopfdruck gestartet werden. Obacht: Wer das Navigationsgerät mit aufklappbarem Bildschirm bestellt, bekommt automatisch den i-Drive-Knopf mit vier Menüebenen und sämtlichen Vor- und Nachteilen dazu. Um zum Kern des Einser zu kommen, bedarf es natürlich der Fahrerprobung. Doch genügen bereits wenige Straßenbiegungen, um herauszufinden, dass die Sache mit dem Heckantrieb mehr darstellt als vordergründiges Marketing-Gepränge. Das Auto wechselt die Richtung wie ein Wiesel, taucht lustvoll in die Kurven, krallt sich beim Einlenken sofort fest und zieht dank guter Traktion kraftvoll heraus. 48,5 Prozent des Gesamtgewichts (beachtliche 1444 Kilogramm) lasten auf der Hinterachse – dynamisch auch mehr.

Wo Fronttriebler normalerweise bereits ASR und ESP bemühen, bleibt der Einser von Elektronikeingriffen noch unbehelligt, und das mangels Antriebseinflüssen in der Lenkung bei unverminderter Zielgenauigkeit. Sieht sich ESP (bei BMW: DSC) veranlasst einzuschreiten, dann nicht nur spät, sondern obendrein betont sanft – ein Zeugnis für die Qualität dieses Fahrwerks. Speziell bei rutschiger Fahrbahn ist die angeborene Tendenz, auf herzhaftes Gasgeben mit dem Heck zu reagieren, freilich Fluch und Segen zugleich. Was sportliche Fahrer schätzen, kann Frontantrieb-geschulten Benutzern auch schon mal den Schreck in die Glieder fahren lassen, selbst wenn DSC weitere Ausbruchversuche zuverlässig verhindert. Der sportliche Eindruck verflüchtigt sich auch bei den Fahrdynamikversuchen (Elchtest, Wedeln, Slalom) nicht. Der Einser erledigt diese Pflichtaufgaben nicht nur souverän und sicher, sondern zugleich ausgesprochen zügig.

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Wolfgang König

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