Den Rest erledigt der V8- Motor, bei dessen Schubkraft die Wahl der Übersetzung selten von maßgeblicher Bedeutung ist. Das stets dick aufgetragene Drehmoment sorgt für Dampf in allen Drehzahlbereichen, wobei es sich die Automatik leisten kann, spätestens bei 5800/min den nächsten Gang zu schalten. Das genügt, um die immerhin 1,7 Tonnen schwere Fünfer- Limousine in Reviere zu befördern, die ansonsten für schlanke Hochleistungssportler reserviert sind. Ein B10 V8 kann aus dem Stand in 5,7 Sekunden 100 km/h erreichen und in 13 Sekunden Tempo 160, Beschleunigungswerte auf Porsche Carrera-Niveau. Allein die bescheidene Traktion der Antriebsräder – ein Sperrdifferential ist auch gegen Aufpreis nicht erhältlich – verhindert, daß es noch ein paar Zehntelsekunden fixer geht.
Aber auch in der Höchstgeschwindigkeit wird der Alpina-Fahrer gut bedient: Ohne übermäßig großen Anlauf sind 274 km/h im Bereich des Möglichen. Erfreulicherweise erschöpft sich das Faszinationspotential des Achtzylinders keineswegs in der Erzeugung von Überschußleistung. Nicht minder verführerisch sind die gehobelten Manieren. Der Alpina-Motor ist der perfekte Salonlöwe – immer gelassen, immer geschmeidig und stets mit jenem Timbre im Ton, das Liebhaber potenter V8-Triebwerke keinesfalls missen möchten. Auch der Durst zeugt von vornehmer Zurückhaltung. Im Test konsumierte der B10 13,8 Liter pro 100 Kilometer, was gemessen an den Gepflogenheiten in dieser Klasse bescheiden ist. Zum gepflegten Auftritt passen die fahrdynamischen Qualitäten. Wer den harten Donnerbolzen erwartet, ist bei Alpina ohnehin meist an der falschen Adresse, auch wenn ausladende Spoiler und aufdringliche Streifen manchmal das Gegenteil suggerieren. Um so besser, daß der neue, weitgehend streifenfreie B10 auch optisch seinem Charakter gerecht wird. Auf den Heckflügel sollte man aus Stabilitätsgründen zwar nicht verzichten, aber zumindest die Alpina- Bugschürze fällt nicht weiter auf, und gegen die klassischen Alpina-Räder, hier im 18 Zoll- Format, war ohnehin nie etwas einzuwenden.
Was die anderen Fahrwerksmodifikationen betrifft, so kommt Alpina natürlich entgegen, daß schon die Ausgangsbasis nicht von schlechten Eltern ist. Andere Federn und Dämpfer sowie die üppige Bereifung (Michelin MXX3, vorn 235/40 ZR 18, hinten 265/35 ZR 18) tun ein übriges, wobei sich die wahre Kunst wie immer in der Abstimmung zeigt. Beim B10 gelang dies offenbar mit goldener Hand. Finesse zeigt sich vor allem im Federungskomfort. Straßenunebenheiten gängiger Beschaffenheit werden vom straff gedämpften Alpina- Fahrwerk schon bei mäßigem Tempo in einer Art und Weise entschärft, die an Komfortlimousinen gemahnt. Nur die leichten Katapulteffekte der Hinterachse auf langen Bodenwellen fallen etwas aus dem Rahmen.


