Cadillac STS 4.6 V8: Cadillac STS 4.6 V8: Caddy Cool

Einen ebenfalls wichtigen Beitrag zum Langstreckenkomfort leisten die großzügig geschnittenen Vordersitze. Serienmäßig lederbezogen und elektrisch verstellbar, schmeicheln die Fauteuils dem Körper wie liebgewonnene Clubsessel, bringen sogar noch Heizung und Belüftung mit.

Viele Bedienfunktionen besitzen zudem eigene Tasten, was das Studium verästelter Menüstrukturen überflüssig macht. Außer bei der Infotainment-Bedienung mittels Berührungsbildschirm: Sie erfordert besondere Konzentration. Große Fürsorge beweisen die Cadillac-Ingenieure mit einer kompletten Airbag-Ausstattung und Details wie der herausnehmbaren Einlage der vorderen Cupholder und den großen Schminkspiegeln für Fahrer und Beifahrer mit getrennt dimmbarer Beleuchtung.

Wer nun den Blick über die warm schimmernden Eukalyptusholz-Flächen des Armaturenbretts schweifen lässt, könnte meinen, Amerika, du hast es besser – wenn da nicht der mäßige Federungskomfort wäre. Auf kurze Unebenheiten wie etwa Querfugen spricht das Fahrwerk des STS selbst in weicher „Touring“-Stellung kaum an, ungehobelt stolpert er mit seinen 18- Zöllern über den Asphalt.

Beim kräftigen Beschleunigen auf welligem Untergrund beginnt bisweilen sogar das Heck zu trampeln, als ob statt Mehrlenkern eine Starrachse montiert wäre. Stöße und Poltergeräusche dringen kaum gefiltert zu den Passagieren, die überdies von ständigen, zarten Wankbewegungen behelligt werden. Und das, obwohl sich die Stoßdämpfer kontinuierlich den Gegebenheiten anpassen. Das funktioniert mittels kleiner magnetischer Partikel in der Dämpferflüssigkeit.

Spürbar ist dieser Effekt bei schneller Kurvenfahrt: Hier und auf groben Asphaltverwerfungen halten sich die Karosseriebewegungen in tolerablen Grenzen. So auch im Fahrdynamik-Parcours, wo der Cadillac trotz seiner indifferenten, spitz und mit wenig Rückmeldung arbeitenden Lenkung akzeptable Werte erzielt, dabei aber nach einer kundigen Hand und ständigen Korrekturen verlangt.

Ein Umstand, der auch im richtigen Leben – etwa in schnell angegangenen Kreisverkehren – zu Tage tritt. Hier benötigt der STS konzentrierte Manöver am Volant, dessen Lederbezug aus der Retorte statt von einem grasfressenden Vierbeiner zu stammen scheint. Klar, eine fast fünf Meter lange Limousine lädt nicht zum Hetzen ein, dennoch zeigt die europäische Konkurrenz, wie man Komfort und Präzision besser unter einen Hut bringt.

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Jörn Thomas

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