Dann legt man mit dem Plus-Paddel des sequenziellen F1- Schaltgetriebes (6800 Euro) den ersten Gang ein, drückt den Launch Control- Knopf und hält die Minus-Schaltwippe einige Sekunden gezogen. Ein Piepston startet den Countdown. Er endet, wenn der Bremsfuß lupft und der Gasfuß niederfällt. Ansatzlos startet der 599 durch, mit optimaler Drehzahl, ohne das verharrende Moment durchdrehender Räder.
Eine unsichtbare Vorspannung entlädt sich, inszeniert jedes der 608 Nm. Schlagartig. Wirkungsvoll. Null auf 100 km/h in 3,7 Sekunden. Die Gratwanderung zwischen Motorleistung und Schlupf zeigt leider mechanisch Wirkung: Nach mehreren Launch Control-Starts ist die Kupplung verschlissen – so wie im Rennsport. Pilot und Passagier dagegen können vom Beschleunigungsdruck gar nicht genug kriegen: Er pulsiert ihnen durch den Magen, kribbelt den Rücken hinauf, züngelt ins zentrale Nervensystem, schwemmt Glückshormone aus.
Ähnlich wie der Sound. Der Schalldämpfer wird zum Megaphon, wenn bei 3500/min die Auspuffklappen öffnen. Aus dem tiefen Gurren wird ein orchestrales Inferno; ihre Inspiration müssen sich Ferraris Komponisten an der unweit liegenden Rennstrecke geholt haben. Die V12-Euphonie lässt selbst nüchterne Menschen nach blumigen Beschreibungen ringen. Je nach Drehzahl wird vom bassigen Brodeln fabuliert, vom gierigen Gurgeln oder kapriziösen Kreischen. Das Stück Fiorano im 599 ist der Enzo-Motor (siehe Spotlight) – ein Rennmotor ohne Leerlauf-Sägen oder Vollgas-Ruckeln bei niedrigen Drehzahlen. Ein einziges Druck-Maximum, verteilt über achteinhalbtausend explosive Umdrehungen.
Fossilen Brennstoff verballert der Kurzhuber in seinen zwölf brennenden Räumen so lustvoll, dass dem Fahrer zwei Mal der Kopf schwirrt: einmal beim Gasgeben, das zweite Mal beim Errechnen des Durchschnittsverbrauchs – lodernde Fortbewegung kulminiert in 22,4 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer. 15 Liter sind möglich, aber nur von einem Masochisten am Steuer zu erzielen. So wird der exorbitante Kraftstoff- Konsum zur einzigen Einschränkung der Alltagstauglichkeit. Der Fiorano vereint, was früher als unvereinbar galt: den Platz und Komfort eines GT mit dem Vortrieb und der Straßenlage eines Supersportwagens. Dazu ein luftiger, akustisch gut gedämmter Innenraum mit praktischen Ablagen und Fächern sowie ein Gepäckabteil, das sogar die obligatorische Sprudelkiste aufnimmt – den speziell angefertigten Koffersatz sowieso.


