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Der Aston Martin DBS im Test auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim

Edler Gran Turismo mit atemberaubendem Sporttalent

Foto: Herzog 7 Bilder

Er erhebt seine Stimme ohne zu schreien, spielt mit den Muskeln ohne Kraftmeier zu sein: So mühelos wie beim Aston Martin DBS gehen Sportlichkeit und Eleganz selten zusammen. Ob der GT zum Racer taugt, zeigt der Test in Hockenheim.

25.02.2008 Anja Wassertheurer Powered by

Es hätte so schön sein können. Nein, anders: Es ist so schön, – er ist so schön. Aber diese Schlüssellösung? DBS-Einsteiger kann ob der anfänglich notorischen Verweigerungshaltung des smarten Briten, der die Unkenntnis des Neulings wahlweise mit hartnäckigem Schweigen des Sechsliter-Monsters unter der vorderen Haube oder dem unwilligen Ausspucken des in den edlen Kristallglas-Schlitz zu schiebenden Joysticks, der startberechtigte Personen später einmal anhand des Fingerabdrucks identifizieren soll, durchaus Frust befallen. Wie zum Geier lässt sich der V12 zum Leben erwecken? Wie kriegt man die 517 Pferde auf Trab? Des Rätsels Lösung ist auch hier einfacher, als man denkt und lässt sich auf eine banale Formel bringen: In der Ruhe liegt die Kraft. 


Aller Anfang ist schwer
 
Beim Starten ist der gediegene Brite nämlich schlicht nicht von der schnellen Truppe. Erst wenn die Kupplung voll durchgetreten und der rechteckige Schlüssel mit den abgerundeten Ecken ruhig, sanft und nachdrücklich in den vorgesehenen Einschub gedrückt wird, erwacht das Prachtstück zum Leben. Dann errötet die treffend ECU (Emotion Control Unit) genannte, mittig im Dashboard positionierte Starteinheit verheißungsvoll, bevor der voluminöse 12-Zylinder-Saugmotor seine Stimme erhebt. Ein Ritual, das man irgendwann irgendwie auch gar nicht mehr missen möchte. Diese Schlüssellösung – also doch. Und dann diese Stimme: Das sonore Timbre des auch optisch überaus appetitlich angerichteten Sechsliter-Aggregats macht Hunger. Hunger auf mehr: mehr Gas, mehr Sound, mehr Auslauf. Auf den freien Galopp der 517 unter der lang gestreckten, in einem vermeintlich gierigen Schlund mündenden Motorhaube versammelten Pferde. Der DBS ein ungezügelter Kraftmeier also? Mitnichten.

Mit Sportfeeling auf die Piste
 
Eleganter als im aktuellen Aston Martin-Topmodell lässt sich die Distanz von A nach B kaum überwinden. Und dass sich bei jeder Krümmung des rechten Vorderfußes die Nackenhärchen aufstellen? Just as well. Leise kann jeder, grollen ohne Gebrüll und Schreierei die wenigsten. Eine herausragende Tugend des zweisitzigen Coupés, dem angesichts der sportlichen Erfolge des DBR9 der Brückenschlag zwischen Strecke und Straße ins Lastenheft geschrieben stand, wäre somit genannt. Andere folgen: das hervorragend konturierte, angenehm straffe und dennoch langstreckentaugliche Sportgestühl beispielsweise; oder das knackig-präzise agierende und passgenau übersetzte manuelle Sechsganggetriebe. Auch wenn der wuchtige, metallummantelte Schaltknauf auf dem Mitteltunnel zuweilen für fröstelnde Hände sorgt – eine automatisierte Schalteinheit à la Sport Shift im V8 Vantage wäre in diesem allem gebotenen Komfort zum Trotz klar sportlich orientierten Umfeld fehl am Platz gewesen.
 
Dass das leistungsstarke Kraftpaket zwar cruisen kann, aber rennen will, zeigt sich spätestens auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim. Auch hier schlägt der hinterradgetriebene DBS völlig zu Recht keine leisen Töne an. Hat er doch bei einem identischen Leistungsgewicht von 3,3 Kilogramm pro PS die allradgetriebene, gemeinhin als sportliche Messlatte geführte Konkurrenz von Porsche – den 480 PS starken Allradler 911 Turbo –, auf der 2,6 Kilometer langen Strecke im Badischen gut im Griff. Normale Straßenreifen vorausgesetzt, endet das nicht nur im Fußball prestigeträchtige Duell England gegen Deutschland mit einem knappen Vorsprung des Zweitürers aus Gaydon. Der Pirelli P Zero-bereifte DBS passiert die Ziellinie nach 1.13,5, der auf Michelin Pilot Sport 2 angetretene Porsche Turbo nach 1.13,7 Minuten (siehe sport auto 8/2006).

1,7-Tonner überrascht mit erstaunlichen Handling
 
Das hervorragende Kraftschlüsse bietende Getriebe hat einen ebenso großen Anteil an der beeindruckenden Rennstrecken-Performance des Aston wie die bissig zupackende Keramik-Verbund-Bremse mit Sechskolbensätteln und 398 Millimeter durchmessenden Scheiben vorn. Dass die innenbelüfteten Stopper die durchaus gewichtige Fuhre allzeit gut im Griff haben, unterstreicht auch das Ergebnis der finalen Bremsprüfung: Nach dem zehnten Haltebefehl aus 100 km/h kommt der DBS nach ebenso knappen 34,6 Metern zum Stehen wie zu Beginn der Belastungsprobe. Das entspricht einer konstanten Verzögerung von 11,2 m/s2. Aber zurück auf die Strecke: Hier überrascht der 1,7-Tonner mit einem erstaunlichen Handling. Das Britcar lenkt denkbar agil ein, tendiert dann zunächst ein wenig zum Untersteuern, um unter Last das ausgesprochen schmucke, mit einem aus Carbon gefertigten Diffusor versehene Heck herauszuhängen.
 
Die elegant vorgetragenen Hüftschwünge lassen sich hier wie auch in der auf 18 Meter Abstand gesteckten Slalomgasse problemlos parieren, sodass der auf wuchtigen 20-Zöllern stehende DBS trotz der zweifellos vorhandenen Übersteuerneigung bei Gaspedalbefehlen als eine von Grund auf ehrliche und verlässliche Haut durchgeht. Auch bei kurz aufeinanderfolgenden Richtungswechseln ist kein Aufschaukeln zu verzeichnen. In der weichen Stufe des Adaptive Damping System (ADS) sind die Übergänge zwischen Unter- und Übersteuern fließend und gut zu beherrschen. Bei Wahl der härteren Abstimmungsvariante ist eine etwas kundigere Hand am Volant gefragt, ohne dass dem Zweisitzer deswegen irgendeine Form von List oder Tücke zu unterstellen wäre. Der Aston Martin DBS ist so ehrlich, wie er aussieht. Hinsichtlich Sitzposition und Ergonomie gibt es grundsätzlich gleichfalls nichts zu meckern.

Aston Martin DBS und sein Knöpfchen-Problem
 
Das kräftige Dreispeichen-Lenkrad und der angenehm kurz gehaltene Schalthebel liegen perfekt zur Hand. Die Verteilung der Bedienknöpfe und -schalter mutet hingegen zuweilen etwas willkürlich an. In Sachen Entriegelungsknopf für die Tankklappe gilt: „Suchet, so werdet Ihr finden“ Das nicht näher gekennzeichnete Knöpfchen im Fußraum des Fahrerplatzes offenbart seinen Zweck schließlich nicht auf den ersten Blick. Und die dem Entertainment dienenden sibernen Druckschalter wollen auch besser im Ruhezustand des Fahrzeugs gesucht und gefunden werden. Während der Fahrt lässt sich anhand der kleinen Beschriftung kaum ausmachen, welcher Schalter welchem Zweck dient. Dies gilt umso mehr, als das System, nach dem die Bedienknöpfe geordnet sind, sich nicht auf Anhieb erschließt. Generell hätte man den dem Medienwechsel dienenden Mode-Schalter doch eher in direkter Nähe des CD-Einschubs vermutet als unterhalb der Temperatur- und Gebläseregler.
 
Aber Schwamm drüber: Für Aston Martin-Owner spielen derlei Nicklichkeiten ohnehin keine Rolle. Wer sich die ab 240.000 Euro teure Preziose leisten kann und will, wird sich schon ausreichend Zeit zur intimen Annäherung nehmen. Und die blinde Beherrschung des den Soundqualitäten des Autos ebenbürtigen Aston Martin 700 W Premium Audio Systems nebst Dolby Pro Logic II und MP3-Anschluss gehört in jedem Fall dazu. James Blunt oder Solomon Burke als Untermalung einer gelassenen Fahrt in die Abenddämmerung – das hat schon was. Und der Aston Martin DBS? Gelingt dem neuen Flagschiff aus Warwickshire der Brückenschlag zwischen Strecke und Straße, zwischen DB9 und DBR9? Keine Frage, nächste Frage. Besser als hier gehen Auftritt und Understatement, Lust und Laune, flotte Zeitenhatz und gelassenes Cruisen kaum zusammen. Sicher – das Ganze hat seinen Preis, aber dafür ist es auch zeitlos. Und das ist nun auch wieder einiges wert.

Technische Daten
Aston Martin DBS
Grundpreis249.516 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4721 x 1905 x 1280 mm
KofferraumvolumenVDA155 L
Hubraum / Motor5935 cm³ / 12-Zylinder
Leistung380 kW / 517 PS (570 Nm)
Höchstgeschwindigkeit307 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,3 s
Verbrauch16,4 L/100 km
Testverbrauch22,2 L/100 km
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