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Audi A3 1.8 Ambiente

Drei-Sprung

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Unter der Kennziffer drei wagt Audi den Sprung in eine neue Klasse. Der kompakte
A3 konkurriert direkt mit dem Dreier Compact von BMW – mit besten Chancen, wie
sich im Test der 125 PS-Variante zeigt.

02.07.1996

Autos wie der neue Audi A3  machen es den Marketingleuten schwer. Sie sind weder größer noch stärker als ihre Klassengenossen, noch glänzen sie durch eine besonders luxuriöse  Ausstattung. Im günstigsten Fall sind sie ein wenig schöner, aber das ist immer  Geschmackssache. Nur in einem  Punkt übertreffen sie üblicherweise den Durchschnitt der  Konkurrenz: Sie sind teurer. Da zeigt sich, wofür Marketingspezialisten bezahlt werden. Das Stichwort heißt Positionierung. Die übliche Position eines Kompaktwagens wäre in der sogenannten A-Klasse, der Golf-Klasse. Aber ein Audi  ist kein VW, auch wenn beide aus dem gleichen Konzern kommen. Audi muss mehr sein. Folglich gehöre der A3, so definieren es die Audi-Verkäufer, nicht in die A-Klasse, sondern in die Premiumklasse, in unmittelbare  Nachbarschaft zum Dreier Compact von BMW. Da freut man sich, dass sich der Aufschlag für das Premiumgefährt  in Grenzen hält. Der  Basispreis liegt bei 30 900  Mark für den A3 1.6 mit 101  PS, ein vergleichbarer Golf ist  für 26 490 Mark zu haben. Günstig fällt der Vergleich für  die hier getestete 125 PS-Version  (A3 1.8) aus, die in der Grundausstattung 33 500 Mark  kostet, 1000 Mark weniger als ein Golf GTI mit 115 PS. Dazu kommen noch der 150 PS starke  A3 1.8 T (36 100 Mark, lieferbar ab Herbst) und der A3 1.9 TDI (33 200 Mark, 90 PS). Immerhin spricht es für  Audi, dass hinter dem A3 mehr  steckt als nur eine vordergründige  Marketingidee. Schon  der bloße Augenschein lässt adäquaten Mehrwert ahnen. Für einen Kompaktwagen sieht der kleine Audi recht stattlich aus,  was er den Maßen nach auch  ist: Mit 4,15 Meter Länge übertrifft er den Golf um 13 Zentimeter, auch in der Breite hat er sichtbar mehr zu bieten (plus  vier Zentimeter). Dem entspricht das großzügiger bemessene Fahrwerk: drei Zentimeter mehr Radstand und der gleiche Zuwachs an Spurweite. Auch die serienmäßigen 15 Zoll-Räder tun dem A3 gut. Gesamteindruck? 

Wer sich den A4 Avant als Coupé vorzustellen vermag, liegt richtig. Coupé auch deshalb, weil es den A3 vorläufig ausschließlich als Zweitürer gibt – ein Komfortmangel  freilich, der sich dank einer findigen Verstellmimik beider Vordersitze in Grenzen  hält. In schönstem Marketingdeutsch  spricht Audi von der Easy-Entry-Funktion, was bedeutet, dass der Sitz beim Vorklappen der Lehne automatisch nach vorn rutscht und zwar schneller, leichter und weiter, als man es von derartigen Vorrichtungen gewohnt ist.Der Nachteil: In den Genuss kommen nur die Käufer der  beiden teureren der drei Ausstattungsvarianten. Was für Mercedes-Benz recht ist, soll künftig auch für Audi recht, wenn auch nicht billig sein. Analog zu den „lines“ von  Mercedes gibt es den A3 in verschiedenen Geschmacksrichtungen: Attraction, Ambition  und Ambiente, wobei Attraction auch Basis bedeutet. Am  teuersten kommt, wie im Testwagen  vorhanden, die Ambiente – Ausstattung. Für 2200 Mark erhält der Kunde neben Kosmetischem, wie Sitze mit Alcantara – Besatz (synthetisches Wildleder), auch Nützliches – geteilte Rücksitze beispielsweise, Fernbedienung für die Zentralverriegelung und eine Mittelarmlehne vorn. Wer das Geld spart und es stattdessen in die empfehlenswerte Klimaautomatik investiert  (2400 Mark), macht jedoch  keinen Fehler. Schließlich umfasst schon die Grundausstattung alles, was der Mensch braucht, unter anderem Fullsize – Airbags für Fahrer und Beifahrer, Ausstellfenster hinten, elektrische Fensterheber, vier Kopfstützen, ABS, verstellbares Lenkrad und eine elektronische Differentialsperre. Selbst auf die Seitenairbags braucht der A3-Fahrer nicht zu verzichten. Ab Herbst gibt es sie als Extra, ein Novum in dieser Klasse. Audi lässt sich also nicht lumpen. Dabei ist es nicht nur  die Anhäufung von Ausstattung, die den A3 ehrt. Seine wahre Glanznummer ist die Qualität des Ganzen. Dem A3 strömt sie aus allen Poren, angefangen  bei der makellosen  Passform sämtlicher Karosserieteile, über die unerschütterliche Steifigkeit bis hin zu den hochwertigen Kunststoffen im Innenraum. Sein Premiumlabel hat er in dieser Beziehung mehr als verdient. Daran vermag auch das brave Innendesign nicht zu rütteln. Wie schon der äußere  Anblick bietet auch das Ambiente im Innern – ob mit oder ohne Ambiente-Ausstattung  – keinerlei Überraschungen, zumal wenn alles, wie im Testwagen, in tristem Dunkelgrau versumpft.  Was schwerer wiegt, ist die allseits feststellbare Liebe zum  Detail, die Vielzahl der Ablagen  etwa, die schön großen Hauptinstrumente oder die perfekte Anordnung der Bedienungselemente, zumal sich Audi erstmals zu einem Drehlichtschalter am Armaturenbrett durchringen konnte. Einwandfrei auch die Sitzposition und die Sitzverstellung, während die straffen Sitze für hochgewachsene oder korpulente Insassen etwas großzügiger bemessen sein dürften. Auch hinten fühlt man sich im A3 gut aufgehoben. Das Raumangebot ist mit dem des Golfs vergleichbar, was in der Kompaktklasse guten Durchschnitt bedeutet. Dafür fällt der glattflächige Gepäckraum mit 350 Litern um 20 Liter geräumiger aus. Ein nettes Detail:  Metallösen ermöglichen das Verzurren des Ladeguts.    

Dass Audi bei der Entwicklung des A3 wesentliche Elemente des neuen, im Herbst 1997 serienreifen VW Golf IV vorwegnehmen durfte, ist ein offenes Geheimnis. Die Bodengruppe mitsamt den modifizierten Achsen sind weitgehend baugleich. Vorn bleibt es bei der McPherson-Achse, ähnlich jener der aktuellen Golf GTI und VR6-Modelle, aber mit  Fahrschemel, hinten bei der Verbundlenkerachse, allerdings mit getrennt angeordneten Federn und Dämpfern. Das Golf-Konzept bedingt auch die Abkehr vom auditypischen Längsmotor. Der aus dem A4 bekannte Fünfventilmotor steht im A3 quer, was ein um 30 Millimeter schmaleres Motorgehäuse notwendig machte. Gleichzeitig entfällt die bisher zum Antrieb  der Nebenaggregate benötigte Zwischenwelle, und den Zündverteiler ersetzt eine  statische Hochspannungszündverteilung.  Leistung und Drehmoment entsprechen dem Audi A4 1.8. Dem Identitätsverlust durch die technische Gleichschaltung mit dem zukünftigen Golf begegnet Audi mit einer hauseigenen Abstimmung. Der A3, so die Losung, soll sich eine Nummer größer anfühlen, vergleichbar mit dem A4, denn „einem A3 fehlt die Länge nicht, sondern sie glänzt durch Abwesenheit“ (O-Ton Audi).  Da ist was dran. Gerade im Komfort wirkt der A3 spürbar erwachsener als der Golf. Seine gut gedämpfte Federung verarbeitet lange wie kurze Bodenwellen souverän, wobei das Schluckvermögen bei schneller Fahrt auf schlechten Straßen ganz besonders beeindruckt. Auch die Eindämmung von Abroll – und Fahrwerksgeräuschen verdient Respekt. Stören könnte allenfalls eine leichte Neigung zum Stuckern auf kurzen Unebenheiten.

Von einer sauberen Fahrwerksabstimmung zeugen auch die Fahreigenschaften. Der A3 beantwortet selbst hektische  Fahrmanöver mit Gleichmut, bleibt jederzeit berechenbar und läuft auch auf unebener Fahrbahn tadellos geradeaus. In  Kurven beschränkt er sich auf leichtes Untersteuern. Trotz leichtgängiger, exakter Servolenkung ist er dabei jedoch nicht der Handlichste. Ein Golf  GTI etwa wirkt in den Lenkreaktionen agiler und direkter. Verlass ist auch auf die Bremsen.  Der A3 verfügt serienmäßig über Scheiben vorn (innenbelüftet) und hinten, die ausgezeichnete Verzögerungswerte  garantieren, auch bei extremer Beanspruchung. Da können die Qualitäten des Antriebs nicht ganz mithalten. Klar, dass der A3 bei 125 PS und einem Gewicht von 1204 Kilogramm kein Temperamentsbolzen sein kann. Gleichwohl wäre mehr Durchzugskraft bei niedrigen Drehzahlen zu begrüßen, denn es muss fleißig geschaltet und gedreht werden. Das ist zwar mit der leichtgängigen, nur beim schnellen Gangwechsel etwas  hakeligen Schaltung kein Problem, aber es wirft ein Schlaglicht auf eine andere Schwäche des Fünfventilmotors: Ab 5000/min wird er reichlich laut. Das Geräuschproblem wird verschärft durch die Getriebeauslegung. Um ihr auf die Sprünge zu helfen, wurde dem A3 1.8 eine kurze Antriebsübersetzung verpasst, so dass er auch im fünften Gang leicht die Drehzahlgrenze erreicht und ab 180 km/h in den Dröhnbereich vorstößt. Außerdem scheint sich die  hochdrehende Auslegung auch auf den Verbrauch negativ auszuwirken.  Mit durchschnittlich 10,0 L/100 km schluckt der A3 mehr, als in dieser Leistungsklasse heute üblich ist. Bleibt noch die entscheidende Frage: Ist der A3 1.8 denn nun premium? Er ist es, abgesehen vom Antrieb. Der ist nur medium. 

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Ausreichendes Platzangebot
  • relativ großer Kofferraum
  • angemessene Zuladung
  • hohe Funktionalität
  • viele Ablagen
  • hervorragende Verarbeitung und Karosseriesteifigkeit
  • praktische Sitzverstellung
  • Vorläufig nur als Zweitürer lieferbar
  • mäßige Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • Schluckfreudige, straff gedämpfte Federung
  • geringe Bedienungskräfte
  • geringe Wind- und Abrollgeräusche
  • gute Belüftung
  • bequeme Rücksitze
  • Leichtes Stuckern auf Querwellen
  • bei hoher Drehzahl lauter Motor
  • etwas zu kurze Sitzflächen vorn
Antrieb
  • Fünfventilmotor mit ordentlichem Ansprechverhalten
  • für die Preisklasse angemessene Fahrleistungen
  • leichtgängige Schaltung
  • Bescheidenes Durchzugsvermögen bei niedrigen Drehzahlen
  • zu kurz übersetzter fünfter Gang
  • mäßige Laufkultur
Fahreigenschaften
  • Unproblematisches Kurvenverhalten mit geringer Neigung zum Untersteuer
  • keine Lastwechselreaktionen
  • gute Traktion
  • elektronische Differentialsperre
  • guter Geradeauslauf
  • Bremsen hervorragend
  • Nur durchschnittliche Handlichkeit
  • exakte, aber etwas indirekte Lenkung
Sicherheit/Umwelt
  • Umfassende Sicherheitsausstattung mit Gurtstraffer
  • Fullsize-Airbags für Fahrer und Beifahrer
  • ABS und Kopfstützen vorn und hinten
  • ab Herbst 1996 Sideairbags gegen Aufpreis
  • Mit 10,0 L/100 km im Testdurchschnitt für die Fahrleistungen zu hoher Verbrauch
Wirtschaftlichkeit
  • Attraktiver Preis
  • umfangreiche Serienausstattung
  • voraussichtlich guter Wiederverkaufswert
  • guter Rostschutz durch verzinkte Karosserie
  • durchschnittliche Unterhaltskosten
  • Nur ein Jahr Garantie (zehn Jahre gegen Durchrostung)
  • geteilte Rückbank kostet Aufpreis
Technische Daten
Audi A3 1.8
Grundpreis17.486 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4152 x 1735 x 1427 mm
KofferraumvolumenVDA350 bis 1100 L
Hubraum / Motor1781 cm³ / 4-Zylinder
Leistung92 kW / 125 PS (170 Nm)
Höchstgeschwindigkeit202 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,6 s
Verbrauch8,3 L/100 km
Testverbrauch10,0 L/100 km
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