Audi Q3 2.0 TDI Quattro im Praxistest

Straße, gerne; Gelände, nein Danke

Audi Q3, Waldstraße

Über Stock und über Stein will der Audi Q3 nicht gerade gejagt werden. Doch für den trendbewussten Freizeitsportler ist der Kompakt-SUV der ideale Begleiter.

Zufall, dass vor allem Frauen dem Audi Q3 2.0 TDI Quattro entzückt hinterherblicken? Ist der kompakte SUV womöglich einer dieser automobilen Womanizer, denen Herzen bereits vor Prüfung der inneren Werte magnetisch zufliegen? Dann kann man Audi nur beglückwünschen. Denn egal, wie das 177 PS starke Topmodell mit serienmäßigem Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe den Praxistest beendet, der Erfolg dürfte dem neuesten Spross der Q-Familie gewiss sein.

Der Audi Q3 ist der kleinste unter den beringten SUV, misst in der Länge 24, in Breite sowie Höhe aber rund fünf Zentimeter weniger als der Q5 und bringt über 250 Kilogramm weniger auf die Waage. Der Kompakte könnte das Ergebnis einer Liebesnacht des A1 mit dem Q5 sein. Technisch gesehen allerdings ist der Audi Q3 der erste Vertreter des so genannten modularen Querbaukastens, auf dessen Plattform der A3- und VW Golf-Nachfolger stehen werden.

Großzügiger Innenraum für vier Erwachsene im Audi Q3

Auch deshalb haben es die Techniker geschafft, dem Raumgefühl eine gewisse Großzügigkeit zu verleihen. Die Messwerte weisen den Q5 zwar als deutlich größer aus, doch der Audi Q3 2.0 TDI Quattro vermittelt alles andere als drangvolle Enge. Vier Erwachsene überstehen selbst längere Fahrten, ohne territoriale Kämpfe auszufechten. Und natürlich bietet der Audi Q3 die im Vergleich zur Kompaktklasse höhere Sitzposition, die vielen ein Gefühl der Sicherheit vermittelt – passend zum stämmigen Äußeren der Karosserie, die allerdings so gar nichts Coupéartiges hat, wie Audi gerne behauptet.

Eher schon trägt der Audi Q3 Züge eines hochbeinigen Fließheck-Modells. Und das suggeriert einen praktischen Nutzen, was Familien als Käuferschicht ins Spiel bringt. Doch Flexibilität gibt es kaum zu entdecken: Die hintere Bestuhlung kann weder längs verschoben noch die Lehne in der Neigung angepasst werden. Erweiterbar ist der Kofferraum nur höchst konventionell übers Umklappen der Rücksitzlehne – geteilt zwar, aber das können heute bereits viele Kleinwagen.

Mehr als ein Schönheitsfehler ist die ausgeprägte Stufe im Boden, welche nach dem Umklappen entsteht, sowie die hohe Ladekante. Immerhin bietet Audi kostenlos einen Wendeboden an, der sie ausgleicht. Dann allerdings schrumpft das Ladevolumen des Audi Q3 weiterhin – und es liegt mit 460 schon fast 100 Liter unter dem des Lifestyle-Konkurrenten BMW X1. Wer Leitern transportieren möchte, muss die Durchlademöglichkeit (155 Euro) samt Flachlege-Funktion der Beifahrerlehne (150 Euro) bestellen – somit ergibt sich immerhin ein Mindestmaß an Variabilität. Empfehlenswert ist daneben das spannbare Netz zum Festhalten kleiner Gegenstände (80 Euro). Die dafür notwendigen Verzurr-Ösen bietet der Kofferraum serienmäßig. Sperriges muss mit Blick aufs Quadermaß meist draußen bleiben; zwischen dem weit heruntergezogenen Dach und der hoch aufragenden Ladekante des Audi Q3 ergibt sich nur eine kleine Öffnung, welche auch noch die nicht nach oben schwingende Hutablage unterteilt. Letztere muss umständlich entfernt werden. Praktische Gesichtspunkte standen bei der Entwicklung nicht an oberster Stelle.

Kofferraum nur fürs Shopping ausreichend

Kinderlosen Paaren sollte der eingeschränkt nutzbare Kofferraum freilich reichen, Familien-Oberhäupter dürfte er aber alles andere als zufriedenstellen. Die durchschnittliche Shopping-Ausbeute zweier Freundinnen nimmt der Audi Q3 zwar locker auf, wer aber wirklich Stauraum benötigt, sollte zu einem Q5 greifen.

Parkplätze für Kleinkram und Reiseproviant gibt es immerhin zur Genüge im Audi Q3. Etwa in Form von Fächern in den vorderen Seitenverkleidungen inklusive Halter für 1,5-Liter-PET-Flaschen sowie Abteile in der Mittelkonsole und in den Türverkleidungen hinten. Empfehlenswert ist darüber hinaus das Ablagepaket für 100 Euro; es beinhaltet Netze an der Rückseite der Vordersitzlehnen sowie im Beifahrerfußraum, zudem ein Fach unter den Vordersitzen. Klapptische hinter den Sitzlehnen finden sich dagegen nicht im Zubehörprogramm.

Wohl aber einiger Luxus wie ein Panorama-Glasdach, LED für den Innenraum, ein Surround Sound System von Bose mit 465 Watt und das Festplatten-Navigationssystem MMI Navigation plus samt ausklappbarem, sieben Zoll großem Monitor (2.725 Euro). Er stammt aus dem A1, sitzt auch im Audi Q3 auf dem Armaturenbrett und muss ebenso per Hand aus- und eingefahren werden. Was bei einem Kleinwagen noch akzeptabel ist, wirkt bei einem Kompakt-SUV nicht standesgemäß – schließlich liegt dessen Grundpreis doppelt so hoch und spricht damit anspruchsvollere Kunden an.

Die satt rastenden Regler und klackenden Schalter stimmen dagegen ebenso mit den hohen Erwartungen an Audi überein wie die handschmeichlerischen Kunststoffe und der bis in den Kofferraum sauber verlegte Teppich im Audi Q3. Ebenso typisch sind die wohlgeordneten Instrumente und die funktionelle Bedienung. Dies gilt nicht uneingeschränkt für die Assistenzsysteme. So erkennt die Tempolimit-Anzeige Verkehrszeichen nur unzuverlässig, in Baustellen nahezu nie. Gut dagegen arbeitet der Totwinkel-Assistent des Audi Q3 – er lässt den Spiegel grell aufleuchten, falls man ein neben sich befindliches Fahrzeug beim Spurwechsel zu übersehen droht – und der so genannte active lane assist. Er korrigiert die Lenkung beim Abweichen von der rechten Spur.

Audi Q3 mit großer Auswahl an Assistenten

Die Liste der elektronischen Helferlein ist umfangreich wie selten in dieser Klasse. Es gibt einen Parkassistenten, der den Audi Q3 selbsttätig in die Lücke einfädelt, sowie einen Fernlichtassistenten für die Xenon plus-Scheinwerfer samt dynamischem Kurvenlicht. Außerdem stellt Audi einen WLAN-Hotspot mit Internet-Zugang in Aussicht, darin enthalten ein Verkehrsinformations-Dienst. Den teureren Modellen der Marke bleiben allerdings radarbasierte Systeme wie der automatische Abstands-Tempomat vorbehalten.

Doch auch ohne diese Features ist der Langstreckenkomfort erstaunlich hoch. Abgesehen von seiner Windempfindlichkeit auf der Autobahn liegt der Audi Q3 satt und steckt Bodenwellen unauffällig weg – zumindest wenn wie im Testwagen adaptive Stoßdämpfer den Aufbau kontrollieren (980 Euro). Wie so oft gibt es dabei keinen Grund, die komfortable Kennung in Richtung Sport zu verlassen – selbst dann nicht, wenn Kurven locken. Ihrem Ruf gibt der Audi Q3 2.0 TDI Quattro gerne nach, um zu beweisen, dass stämmige Kompaktwagen dennoch flink einlenken können und dass Allradler nicht stumpf untersteuernd ums Eck wimmern müssen.

Audi Q3 2.0 TDI Quattro mit 7,9 Liter Verbrauch

Im Alltag empfehlenswert ist die Effizienz-Stellung; sie kombiniert guten Komfort mit einer Abstimmung des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes, welche die lang übersetzten Stufen bevorzugt. Damit bleiben die Drehzahlen niedrig, und der Zweiliter-TDI spielt seine Drehmoment-Souveränität aus. So fällt kaum auf, dass ein Diesel unter der Fronthaube schuftet, zumal Audi geschickt das Ansauggeräusch überhöht und damit das Nageln kaschiert. Nur bei Drehzahlen knapp über dem Leerlauf, etwa beim Dahinrollen in der Stadt, brummt der Direkteinspritzer im Audi Q3 2.0 TDI Quattro unwillig. Dort zeigt auch die Start-Stopp-Funktion noch Verbesserungspotenzial – beim Anlaufen des Motors nach der Rotphase und gleichzeitig kräftigem Gasgeben startet der Audi Q3 2.0 TDI mit einem Ruck. Das so genannte Segeln, bei dem der Audi wie im Leerlauf gleitet, funktioniert dagegen gerade in der Stadt gut.

Die Sparbemühungen münden in einem Durchschnittsverbrauch von 7,9 Liter auf 100 Kilometer, wobei sich auch Werte unter sechs Liter realisieren lassen. Die meisten Käufer dürften sich allerdings für den 6.900 Euro günstigeren und möglicherweise noch sparsameren Zweiliter-TDI mit 140 PS entscheiden. Der muss zwar per Hand geschaltet werden und rollt nur zweiradgetrieben daher. Doch dass bergsteigerische Fähigkeiten in der Klasse der SUV keine Rolle spielen, ist längst eine Binsenweisheit. Der Audi Q3 will weniger die Sennerin als vielmehr die Städterin bezirzen. Im Rahmen des Praxistests ist ihm das nachweislich gelungen. Das Schleppen von Einkaufstüten erledigt der Audi Q3 mit Bravour – und modernes Sport-Equipment steckt er ebenso weg.

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Marcus Peters

Autor:

auto motor und sport, Heft 23 / 2011

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