Audi Q5 2.0 TDI Quattro: Der Audi-Kompakt-SUV im Test

Audi Q5 2.0 TDI Quattro

Wenn ein neuer SUV auf den Markt kommt, werden gern die dynamischen Fahreigenschaften betont. Da darf man gespannt sein, was die Väter des Quattro-Antriebs beim Q5 zustande gebracht haben.

Die Stimmung zur Premiere hätte besser sein können. Der Audi Q5 kommt genau zu einer Zeit, in der man keine Zeitung aufschlagen kann, ohne irgendwo einen Seitenhieb auf Geländewagen als spritfressende Klimakiller zu finden. Ist erst einmal ein Feindbild gefunden, wird Fairness Nebensache. Wer höher ist als die Norm und alle vier Räder antreibt, ist Geländewagen, gern auch pauschal Jeep genannt.

Unwissenheit und mangelnde Reflexion mischen sich zu verbalem Schlamm. Moderne Allradmodelle wie der Audi präsentieren sich als wohlgestylte Kombis, die dank ihrer Ladekapazität einen hohen Nutzwert haben, unter widrigen Bedingungen die Vorteile ihres Antriebssystem in erhöhte Sicherheit ummünzen können und sich im Übrigen so fahren wie ganz normale Autos.

Optisch ist der Q5 kein Brocken

Dem kleineren Bruder des Q7 sieht man das an. Ihm fehlt jede Mächtigkeit der Gestalt, er wirkt ausgesprochen wohlproportioniert und vermeidet gekonnt die üblichen Nachteile stylischer Formensprache. Wer Platz nimmt, stellt erfreut fest, dass die Motorhaube sichtbar bleibt, was das Rangieren erleichtert. Zur insgesamt guten Übersichtlichkeit tragen auch die großzügig dimensionierten Außenspiegel bei. Der Eindruck von Funktionalität setzt sich fort. Die Lehne der Rücksitzbank lässt sich mit einem Griff umklappen, die Sitze selbst zeichnen sich vorn wie hinten durch Bequemlichkeit und solide Körperunterstützung aus. Dazu erkennt man eine auditypische Umgebung – ohne überflüssige stilistische Effekte auf praktische Bedürfnisse abgestimmt.

Schlichte Instrumente mit weißen Zahlen und roten Zeigern sind ein Beispiel dafür, dass es Bewährtes gibt, das man nicht wirklich besser machen kann. Audi at it’s best schließlich beim Qualitätseindruck. Materialien und Passungen verraten wieder einmal, dass die Ingolstädter wissen, worauf es ankommt. Die Bildschirmgrafik des neuen Navigationssystems unterstreicht das Bild eines hochwertigen Autos. Der Audi zeigt, warum er nicht billig ist.

MMI ist pflegebedürftig

Ein Blick in die Preisliste beweist aber auch, dass der Hersteller wie immer gekonnt auf dem Optionsklavier spielt. Im Testwagen sind Extras verbaut, die noch einmal ein Drittel des Grundpreises ausmachen. Ein teurer Brocken ist das MMI-System, in der Vergangenheit viel gelobt für leichte Bedienbarkeit. Doch die Entwicklung ist weitergegangen. Die MMI-Ergonomie erscheint vor allem deswegen modellpflegebedürftig, weil die Bedienung der Zusatztasten den Blick zu stark von der Straße ablenkt.

Nicht ganz optimale Details verschwimmen freilich, sobald der Q5 in Bewegung ist. Audi spricht von einem Performance-SUV, was man als Marketing-Blüte abtun könnte, wenn die Fahreigenschaften nicht tatsächlich über jeden Zweifel erhaben wären. Der Q5 fährt sich nicht nur wie eine Limousine, er zeigt konsequent jene Begabung, die den Begriff Audi Quattro geprägt hat. Die technischen Grundlagen schafft der Allradantrieb, der nicht erst zuschaltet, wenn es eine elektronische Steuerung für nötig hält. Das zentrale Differenzial gibt die Antriebskraft immer an alle vier Räder weiter, wobei die Basisverteilung von 60 Prozent für die Hinterachse ein agiles Fahrverhalten fördert.

Der nach neuem Audi-Rezept nach hinten gerutschte Motor dient einer ausgewogenen Gewichtsverteilung. Zusammen vermittelt dies dem Fahrer das Gefühl, dass das Auto immer genau das macht, was er will. Man braucht keine Grenzbereiche, um das festzustellen. Stabiler Geradeauslauf und ein ausgeprägt neutrales Eigenlenkverhalten gehören wie die sehr präzise Lenkung zu den Merkmalen, die den subjektiven Eindruck höchster Fahrsicherheit entstehen lassen. Die Dynamik-Tests und die Bremsmessungen von auto motor und sport zeigen: alles bestens.

Flink, aber straff

So flinkes Fahrverhalten bedingt schon im Interesse möglichst geringer Karosseriebewegungen Abstriche am Komfort. Das gilt auch für den Audi. Der Zustand der Straße wird spürbar, wenn auch nicht störend in Form abrupter Vertikalbewegungen. Die Abstimmung liegt klar auf der straffen Seite. Wer einen komfortablen Gleiter sucht, ist hier nicht richtig. Als Option bietet Audi Drive select mit unterschiedlichen Stoßdämpferkennlinien an. Der Testwagen hat dieses teure Extra nicht, aber es wird auch nicht vermisst. Das Zusammenspiel von Fahrdynamik und Federungskomfort spricht für eine sehr gekonnte Basisabstimmung, bei der nur eine spürbare Neigung zum Vorderachsstuckern auf Autobahn-Querwellen zu bemängeln ist.

Eine zusätzliche Drive select-Möglichkeit ist die Dynamiklenkung. Sie erlaubt per Knopfdruck eine Steigerung des Sensibilität. Der Effekt allerdings ist fragwürdig: Die Lenkreaktionen werden im sportlichen Modus zu nervös, der Q5 zuckt schon bei minimalen Lenkradbewegungen, als befände er sich auf der Kartbahn. Schließlich wird man mit einem 2.0 TDI-Motor nicht zum Sportwagen.

Der Diesel ist kein Verbrauchswunder

Der 170-PS-Vierzylinder ist ein alter Bekannter, der für den Q5 allerdings überraschend gutes Benehmen gelernt hat. Beim Ansprechverhalten sorgt ein Turbolader mit justierbaren Leitschaufeln für eine harmonischere, gleichmäßigere Kraftentfaltung, wenngleich die neue Biturbo-Qualität der Mercedes- und BMW-Konkurrenz in dieser Beziehung nicht erreicht wird. Der Laufkultur dienen neue Piezo-Injektoren, ebenso die Umstellung auf das Common-Rail-System, ein überarbeiteter Zahnriemen-Antrieb der Nockenwellen und eine geräuschdämmende Abdeckhaube. Vom rauen, stark dieselgeprägten Laufgeräusch ist nur noch bei geringem Tempo ein Restbestand geblieben, ansonsten wirkt das Triebwerk akustisch unauffällig, um auf der Autobahn ganz hinter die übrigen Fahrgeräusche zurückzutreten.

Die sehr optimistische Werksangabe für die Beschleunigung von null auf 100 km/h (9,5 Sekunden) verfehlt der mit Zusatzausstattungen vollgestopfte, 1.834 Kilogramm schwere Testwagen – ein Schönheitsfehler, den man verschmerzen kann, weil bei Turbodieseln die Durchzugskraft im Vordergrund steht. Und davon gibt es reichlich. Die Übersetzung des sechsten Gangs wurde in diesem Sinne kurz gewählt. Im Bereich der Höchstgeschwindigkeit dreht der Motor fast 4.500/min. Das Fehlen eines echten Schongangs trägt dazu bei, dass der Verbrauch nicht bemerkenswert niedrig ausfällt. 9,4 Liter im Durchschnitt gehen in Ordnung, sind aber weit davon entfernt, Maßstäbe zu setzen. Trotzdem gibt es fünf Sterne, weil das Gesamtpaket stimmt. Dies ist dafür verantwortlich, dass der neue Audi im Segment der kompakten SUV-Modelle einer der Fahrvergnüglichsten ist.  

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Götz Leyrer

Autor:

auto motor und sport, Heft 11 / 2008

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