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Audi S3 Sportback im Dauertest

100.000 Kilometer im Kompaktsportwagen

Audi S3 Sportback - Dauertest - Kompaktsportwagen Foto: Audi 18 Bilder

Zwei Mal musste unser Audi S3 in 20 Monaten außerplanmäßig in die Werkstatt, weil Marder ihn so lecker fanden. Können wir den Nagern nicht verübeln: Auch unseren Geschmack traf der Ingolstädter sehr gut.

14.06.2016 Roman Domes 1 Kommentar Powered by

Endlich wieder ein Auto zum Fahren! So lautet der erste aussagekräftige Eintrag zum Audi S3 nach mehr als 10.000 Kilometern. Normalerweise füttern wir das Fahrtenbuch für jedes einzelne unserer Testfahrzeuge sehr akribisch mit Daten wie Gewicht, Leistung oder Reifentyp. Vergleichsweise zurückhaltend sind wir, wenn es um die rechte Spalte geht: „Bemerkungen“ steht da als Aufforderung für alle, einzutragen, was am Auto aufgefallen, kaputt gegangen ist oder auch einfach nur Spaß gemacht hat.

Audi S3 Sportback für knapp anderthalb Jahre im Dauertest

Audi S3 Sportback - Dauertest - KompaktsportwagenFoto: Hans Maier
Nach unserem Dauertest war der S3 laut Dekra-Schätzung noch 26.550 Euro wert.

Das Problem: Kritik niederzuschreiben fällt grundsätzlich leichter als Lob. Bei vielen bisherigen Kandidaten las man daher nur Gemecker in der Randspalte, während bei unserem Dauertester aus Ingolstadt das Textfeld lange leer blieb – so gesehen ein gutes Zeichen. IN-AS 924 bereicherte unsere Redaktionsgarage für knapp anderthalb Jahre. Im Juli 2014 erschien er zu seinem ersten Arbeitstag – in unschuldigem Gletscherweiß.

Zu diesem Zeitpunkt kostete der Audi S3 Sportback 40.100 Euro Grundpreis. Wer die Aufpreis-Politik der deutschen Premium-Hersteller kennt, weiß, dass es damit aber nicht getan war. Am Ende der Konfigurator-Orgie übersprang der Listenpreis die 54.000-Euro-Marke. Ganz schön viel Geld für einen Kompaktwagen. Immerhin meisterte der Audi S3 in seiner Dauertest-Zeit bei uns alles, was wir ihm aufgetragen haben. Auch als Packesel: Zwei Eishockeytaschen oder selbst eine komplette Fotoausrüstung mit Stativen, Kamerataschen, Blitzgeräten, Reflektorschirmen und reichlich Kleinkram verschwand hinter seiner Heckklappe. Und dank der geteilt umklappbaren Rückbank fanden drei Erwachsene auch noch ausreichend Platz.

Kompromissbefreiter als jeder Kombi

Ja, das schaffen Kombis auch. Noch besser, um ehrlich zu sein. Aber diese Kombinations-Künstler müssen immer auch mit Kompromissen leben, vor allem beim Gewicht. Und gerade hier punktet der viertürige S3, der mit seiner Sportback-Karosserie ein bisschen zwischen den Kategorien steht. Gut 1.500 Kilo gehen für die gebotenen Platzverhältnisse, den Allradantrieb und Luxusgüter wie das große Infotainment-System, die dicke Bang & Olufsen-Anlage und beheizte Leder-Sportsitze in Ordnung. Dem 300 PS starken Zweiliter-TFSI war dank der 380 Newtonmeter jedenfalls zu keinem Zeitpunkt anzumerken, dass er Mühe hatte – auch nicht jenseits der 200-km/h-Marke.

Dabei versinkt er nie im Turboloch, genehmigt sich nur ein Augenzwinkern zum Druckaufbau, hängt ordentlich am Gas und schubst den S3, wenn es sein muss, in 5,6 Sekunden auf Landstraßentempo. „Ordentlich Bumms!“, notierte ein angetaner Tester, „Druck bis obenraus“ ein anderer. Mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe ließe sich im Sprint zwar noch das ein oder andere Zehntel einsparen, allerdings haben wir uns schon beim Konfigurieren ganz bewusst dagegen entschieden. Erstens wiegt das DSG noch mal rund 20 Kilo mehr, zweitens treibt es den Preis um 1.900 Euro in die Höhe, drittens nervt es beim Anfahren zeitweise mit verzögertem Ansprechverhalten, und außerdem hat der S3 die perfekte Lösung schon von Haus aus an Bord: ein manuelles Sechsganggetriebe. Gerade damit verwandelt sich der S3 in ein Auto zum Selber-, Gerne- und Oft-Fahren.

Eine Therapie in der allzu effizienten Neuzeit

Die Box im Audi kann jeder bedienen, der Schaltstock fliegt einmal angestupst von Gasse zu Gasse. Verschalter sind so selten wie Schnee im Mai – kommt vor, muss aber nicht. „Herrliche Handschaltung“, schrieb Stefan Helmreich in die Bordkarte. Ebenso hat Langstreckenkönig Marcus Schurig nur Lob für das händisch bediente Getriebe übrig; er feiert aber vor allem die Tatsache, dass die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h im sechsten Gang erst dann erreicht wird, wenn die weiße Nadel an der Fünftausender-Marke vorbeirennt – wie früher, als die Autowelt noch nicht ausschließlich von Effizienz getrieben war.

Und dass unser Audi S3 Sportback im Dauertest ein Saufkopf gewesen wäre, kann man ihm wirklich nicht vorwerfen. Auf 100.000 Kilometern mit Autobahnen, Fernpässen, Großstadtstaus und verwaisten Landstraßen verbrauchte Mister Gletscherweiß im Gesamtschnitt nur 10,8 Liter auf 100 Kilometern. Und der Volllastanteil bei uns ist hoch. Die Kompetenz des Audi S3 beschränkte sich bei Weitem nicht nur auf geradliniges Kilometerfressen – auch weil das Standardfahrwerk ohne Adaptivdämpfung den richtigen Kompromiss aus Komfort, gesunder Härte und Kurvenperformance findet.

Selbst einige Kollegen, die gern mal auf der traditionellen Untersteuerneigung vieler Audi herumtrampeln, waren vom Handling angetan – auch wenn sie es nie offen zugeben würden. Auf Rennstrecken merkt man ihm seine Kopflastigkeit noch immer an, Landstraßen jedoch bittet er zum Tanz: quirlig, willig. Nach einer minimalen Verzögerung beim Einlenken folgt er Kurven mit solidem Grip, verankert sich in ihnen, statt sich nur hineinzulehnen. Zumindest solange du es nicht übertreibst.

Das Problem mit Einheitsmotoren? Sound!

Audi S3 Sportback - Dauertest - KompaktsportwagenFoto: Rossen Gargolov
Der S3 beschleunigt in 5,6 Sekunden auf Landstraßentempo.

Bist du kurveneingangs zu schnell, schiebt er über alle vier Räder nach außen. Fuß vom Gas, fangen lassen. Weiter geht’s. Nächster Gang, nächste Kurve. Einzig und allein die Begleitmusik dürfte eingängiger sein. Im Standardmodus dringt nur leises Brummen aus dem Maschinenraum, und schaltest du auf „dynamic“ dröhnt dir der Soundsymposer mit unangenehm sonoren Frequenzen die Ohren voll. „Kerniger, wenngleich künstlicher Sound“, schreibt Kollege Helmreich.

Und es gibt noch ein Problem mit dem Dynamic-Modus: die Lenkung. Die ist perse zwar präzise, aber recht locker und für manche zu leichtgängig. Im sportlichen Modus verringert sie die Servounterstützung, was zwar den Kraftaufwand erhöht, aber nicht die Rückmeldung. So bleibt ein leichtes Gefühl der Nicht-Verbundenheit zwischen Fahrer, Auto und Straße. Dafür stimmt die Einbindung des Piloten ins Cockpit. Die grundsätzlich gut konturierten Sportsitze schmeicheln mit schönem Langstreckenkomfort und einer bequemen, dennoch nicht zu weichen Sitzfläche. Der Seitenhalt im Schulterbereich kommt etwas zu kurz, aber Rennschalen im Alltag? Lieber nicht.

Für groß gewachsene Menschen könnte der Kopfbereich zudem besser ausgeformt und vor allem länger sein, monierte ein Kollege in der Testkarte. Qualitativ gab es im Innenraum wenig zu meckern: Bei lauter Musik (soll ja mal vorkommen) vibrierten die Zierleisten in den Türen, und die Audioqualität der Bluetooth-Übertragung war nicht optimal. Ansonsten entzweite nur das abgeflachte Lenkrad die Meinungen der Redaktion. Die einen fanden es cool, die anderen behaupteten, in einem Straßenauto hätte so etwas nichts verloren. Klarer Fall von Geschmackssache.

Zwei Marderschäden – und sonst nichts

Und weil der Audi S3 ein Auto für die Straße ist, parkte er ab und zu auch im Freien und nicht nur in der Redaktions-Tiefgarage. Dort bekam offenbar der ein oder andere herumstreunende Marder Lust auf einen kleinen Audi-Happen. Einen Schlauch fürs Kühlmittel und ein Lambdasondenkabel fanden die gierigen Nager zum An- und dann zum Durchbeißen. Diese einzigen beiden außerplanmäßigen Reparaturen (plus 1,7 Liter Extra-Öl auf 100.000 Kilometern) kosteten rund 600 Euro – und natürlich wertvolle Zeit, die uns am Ende gefehlt hat. Wir wollten ja fahren mit ihm.

Dauertest-Gesamtbilanz des Audi S3 Sportback

  • Dauertestbeginn: 2.710 km
  • Dauertestende: 103.391 km
  • Gefahrene Kilometer: 100.681 km
  • Spritverbrauch insgesamt: 10.903 Liter
  • Verbrauch minimal: 8,5 Liter/100 km
  • Verbrauch maximal: 17,9 Liter/100 km
  • Durchschnittsverbrauch: 10,8 Liter/100 km
  • Ölverbrauch außerhalb der Inspektionen: 1,7 Liter
  • Grundpreis 2014: 40.100 Euro
  • Extras: 14.140 Euro: Lackierung Gletscherweiß Metallic 650 Euro, 18-Zoll-Räder 500 Euro,Leder Feinnappa 1.250 Euro, Assistenz-Paket 1.500 Euro, KindersitzbefestigungIsofix 95 Euro, Navigationssystem 2.725 Euro, Sportsitze 645 Euro, Innenspiegel autom. abblendend inkl. Licht- und Regensensor120 Euro, LED-Scheinwerfer 770 Euro, Lichtpaket 140 Euro, Digitalradio 300 Euro, Privacy-Verglasung 400 Euro, Multifunktions-Lederlenkrad 275 Euro, Durchladeeinrichtung 155 Euro, Dachreling 265 Euro, Sitzheizung vorn 330 Euro, Komfortschlüssel 390 Euro, Seitenairbags hinten 350 Euro, Glanzpaket schwarz 500 Euro, Außenspiegel beheizbar 125 Euro, erweiterte Interieurelemente 290 Euro, Audi presense basic 200 Euro, Spurhalteassistent 500 Euro, Telefon- und Schlüsselhalter, Aschenbecher und Zigarettenanzünder 55 Euro, Bang & Olufsen Sound System 790 Euro, Audi Connect 820 Euro
  • Testwagenpreis 2014: 54.240 Euro
  • Schätzpreis am Dauertestende (Dekra): 26.550 Euro
  • Wertverlust 27.690 Euro
  • Grundpreis 2016: 40.950 Euro
Technische Daten
Audi S3 Sportback 2.0 TFSI Quattro
Grundpreis40.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4324 x 1785 x 1404 mm
KofferraumvolumenVDA340 bis 1180 L
Hubraum / Motor1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung221 kW / 300 PS (380 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,3 s
Verbrauch7,0 L/100 km
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    Schön zu lesen, dass man da mit seinem nach aussen unscheinbaren, aber optimierten Inkognito-Kompakten mit Hinterradantrieb und herrlicher Saugmotorcharakteristik noch mithalten kann und Fahrer eines solchen Vierzylinder-Sportbacks schön verbrlüffen kann. Vom herrlichen Sechzylindersound wollen wir erst gar nicht reden...

    ExigeE265 15. Juni 2016, 15:02 Uhr
    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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