Audi TT RS Coupé: Der Porsche Cayman S-Konkurrent im Test

Audi TT RS Coupé

Immer höher schraubt sich der Audi TT in Richtung Sportwagen-Himmel, durchbricht als TTS die Wolkengrenze und lässt sich jetzt als TT RS von dem bebenden Fünfzylinder-Turbo in die Sphäre eines Porsche Cayman S katapultieren.

Der Rhythmus ist schwer nachzuahmen. Kein Dreiviertel-Takt wie beim Walzer, auch kein Vierviertel-Beat. Eins-zwei-vier-fünf-drei zündet der Audi TT RS . Wiederholt man diese Zahlenfolge schnell und nuschelig genug, so klingt das nach einer Mischung aus Harley Davidson- Rumpeln und Big-Block-Blubbern. Es ist die Wehmutsmelodie der Urquattro-Romantiker, und sie schien bei Audi fast verstummt. Allenfalls der Zehnzylinder des Audi R8 spielt sie für einen kleinen Kreis zweistimmig weiter.

Test: Der V6 aus dem Audi S4 ist für den Audi TT RS zu groß

Im halb so teuren Top-Modell RS der Audi TT-Reihe (55.800 Euro) tönt ein Fünfzylinder wieder für ein größeres Publikum. Beim Start blafft es seine Umgebung kurz an, dann fährt das Audi Coupé mit geschlossener Auspuffklappe los und klingt dabei wie der aufgeladene Vierzylinder des Audi TT 2.0 TFSI durch einen werksseitigen Sportauspuff. Unaufdringlich, aber ein wenig angejazzt. Beim Schalten zwitschert das Wastegate, als würde der Flötist sein Instrument kurz anblasen; es ist der akustische Hinweis auf den Turbolader. Abgesehen von seiner markanten Stimme: Warum gerade ein Fünfzylinder? Schließlich gibt es doch bereits den 90-Grad-V6 aus dem Audi S4. Doch der ist für den Vorderbau des Audi TT zu groß und ebenso zu schwer, genau wie der 3,6-Liter-Sechszylinder. Den Zweiliter-Vierzylinder des 2.0 TFSI widerum hätte man nur per Alles-oder-Nichts-Lader auf die angepeilten 340 PS gebracht. Es erforderte also mehr als copy and paste.

Test Audi TT RS: Der Fünfzylinder-Saugmotor aus dem VW Jetta wurde modifiziert

Im Teile-Regal befand sich immerhin ein Fünfzylinder-Saugmotor, eingesetzt im amerikanischen VW Jetta. Bei der Quattro GmbH in Neckarsulm erhielt er ein neues Kurbelwellen-Gehäuse sowie einen Zylinderkopf mit Benzin-Direkteinspritzung und technischer Affinität zum hauseigenen V10, außerdem besagten Turbolader. 340 PS bei 5.400/min und 450 Nm bei 1.600/min aus 2,5 Liter Hubraum positionieren den Audi TT RS gegen den BMW Z4 sDrive 35i sowie den Porsche Cayman S, beide hinterradgetrieben. Der Audi RS TT mit quer eingebauten Motoren muss mit der eindeutigen Front-Orientierung seines Haldex-Allradantriebs auskommen; Audis heckbetonte Auslegung des Quattro mit dem Torsen-Differenzial harmoniert nur mit längs montierten Motoren.

Der Audi TT hat sich zum Porsche-Konkurrenten hochgearbeitet

Der Audi TT RS ist ein Sportwagen auf dem zweiten Bildungsweg, ein Held der Arbeiterklasse aus dem VW Golf-Clan, der sich vom 2+2-sitzigen Kompakt-Coupé über den TTS zum Porsche-Konkurrenten hochgearbeitet hat. Und in gewisser Weise auch zu einem Nachfolger des Urquattro. Wer ihn fährt, merkt dem Audi TT RS an, dass ihn die Quattro-Ingenieure gezeugt haben, die Väter des Audi R8, Audis Überflieger. 370 Millimeter große Bremsscheiben vorn, 1,2 bar Ladedruck und 137 PS pro Liter Hubraum berichten von der nötigen Ernsthaftigkeit im Streben nach Anerkennung als Sportwagen. Andererseits ist der Audi TT von Beginn an sozialisiert: Selbst mit dem Zusatz RS benötigt er kein Rennstrecken-Biotop. Der bequeme Einstieg, die einfache Bedienung, die komfortable Sitzposition der hervorragenden Sportschalen (2.855 Euro), der gut nutzbare Kofferraum samt Umlege-Möglichkeit der Rücksitzlehne lassen ihn nicht einmal in der Alltags-Ödnis verkümmern.

Test: Dem Audi TT RS fehlt eine Komfort-Stufe für den Alltag

Bei der geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung geht Audi allerdings einen Schritt zu weit: Im Stand und beim Rangieren scheint das Lenkrad von der Stange abgekoppelt zu sein, so leicht und gefühllos lässt es sich drehen. Für einen Erstwagen gerade noch akzeptabel ist die Federung. Der Test- Audi TT RS ohne adaptive Dämpfer (1.100 Euro) zieht den realistischen Straßenzustands- Bericht einem geschönten vor, die Hinterachse gerät auf der Autobahn in katapultartige Hubbewegungen. Als Sport-Abstimmung wäre das annehmbar, es fehlt jedoch eine Komfort-Stufe für den Alltag oder für besonders ungepflegte Landsträßchen.

Der Audi TT RS ist ein charakterfester Untersteurer

Dort im Sportwagen-Revier bietet der steife Audi TT RS hohes Erlebnis-Potenzial, will von bestimmender Hand geleitet werden, um nicht zwischen Wellenbergen und -tälern zu tänzeln. Wer die Traktionskontrolle durch einmaliges Drücken auf den ESP-Knopf deaktiviert, kann den Allradler feinfühlig über Lastwechsel in die Kurve eindrehen. Auf Zug dagegen bleibt der Audi TT RS ein charakterfester Untersteurer. Allerdings ist die Vorderachse am Übergang in den Grenzbereich überfordert, wenn sie gleichzeitig federn und die Richtung ändern soll - dann verhärtet die Lenkung kurz, was den Fahrfluss hemmt. Auf glattem Asphalt dagegen zieht es den Audi TT RS blitzsauber ums Eck; er durchwedelt die Fahrdynamik-Tests schneller, als dies ein Porsche Cayman S könnte, ohne dabei dessen redselige Rückmeldung zu besitzen. Und beim Bremsen aus 190 km/h käme der Audi fast 20 Meter eher zum Stillstand.

Ein Doppelkupplungsgetriebe für den Audi TT RS ist noch nicht verfügbar

Auch dem Durchzugs-Druck des angeblasenen Reihen-Fünfzylinders wäre der Porsche Cayman-Boxer nicht gewachsen; Gleiches gilt übrigens für den Achtzylinder- R8. Mit unverschämter Leichtigkeit presst der 2,5-Liter den Audi TT RS voran, obwohl dieser immerhin 1.495 Kilogramm wiegt - auf bis zu 280 km/h (Freigabe 1.600 Euro). Auch aus Spitzkehren pumpt er sich nach kurzem Luftholen mit der Macht von 1,2 bar Ladedruck, dreht unter leichten Vibrationen blitzschnell hoch und verlangt nach dem nächsten der sechs per Hand sortierten Gänge. Dabei sind die Wege des Schaltstummels kurz, aber beim Gassenwechsel etwas knorrig. Ein passendes Doppelkupplungsgetriebe gibt es derzeit noch nicht. Immer wieder reizt der Sahnemotor zum Schlemmen, den lustvollen Übergang aus dem Saug- in den Ladebereich auszukosten, untermalt vom Brodeln des Fünfzylinders im Wechsel mit dem leicht asthmatischen Hüsteln des Wastegates.

Unter acht Liter sollen mit dem Audi TT RS möglich sein

Natürlich sorgt das nicht für vorbildliche Durchschnittsverbräuche; über den Test gemittelt sind es knapp 13 Liter auf 100 Kilometer, ein sich selbst kasteiender Fahrer kann auch gerade so unter acht bleiben. Audis Spaßmacher würde mit vollem Ladedruck in Richtung fünf Sterne anschieben, wäre die Lenkung gefestigter und die Federung zugänglicher. Holprigkeiten sollte das optionale adaptive Dämpfersystem beseitigen, denn im Audi TT RS darf nur eines unwuchtig sein: das Bollern des Fünfzylinders.

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Marcus Peters

Autor:

auto motor und sport, Heft 17 / 2009

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