BMW 120 d: Eins A

Ein BMW in Golf-Größe kann eigentlich nicht falsch sein. Im ersten Test muss die Version mit 163 PS starkem Dieselmotor beweisen, dass er hält, was man sich von ihm verspricht.

Auch das noch. Als hätten es Golf und Konsorten nicht ohnehin schwer genug. Dass der Kleine von BMW schon vor seinem Erscheinen bei der Konkurrenz für schlaflose Nächte sorgte, dürfte ja wohl klar sein. Das ist so, als würde sich Halle Berry zum Ball der einsamen Herzen anmelden. Andere mögen alltagstauglicher sein, erschwinglicher, auch die größeren Überhänge haben, keine Frage aber, wo die Verehrer Schlange stehen.

Nun bleibt sogar die Hoffnung unerfüllt, dass einige von ihnen, vom Anblick enttäuscht, zur bewährten Kost zurückkehren würden. Zu früh gefreut: Stilistische Entgleisungen wie bei anderen BMW-Modellen verkneift sich der Einser. Er unterscheidet sich zwar von der Norm, aber eindeutig zu seinem Vorteil. Lange Haube, knappe Karosserieüberhänge, die nach hinten versetzte Kanzel – selbst die Quetschfalte unter der Fensterlinie kann ihn nicht entstellen. Gemessen am Eintopf der Kompaktklasse ist der Einser scharf wie Schaschlik. Da trifft es sich gut, dass sich der Einser zumindest in einem Punkt von vornherein geschlagen geben muss: Wer häufiger mit mehr als zwei Personen unterwegs ist, sollte sich besser nach einem anderen Fabrikat umsehen. Befinden sich auf den Vordersitzen groß gewachsene Personen, ist jeder Versuch, in den Fond einzudringen, mangels Fußraum zum Scheitern verurteilt. Zwar fehlt es hinten nicht an Kopffreiheit, auch die Qualität der Sitze ist keineswegs unterentwickelt, aber für die Beine bleibt kaum Platz. Nicht Limousine, sondern 2+2-Sitzer wäre hier die passende Kategorisierung.

Nicht umsonst dominieren in der Kompaktklasse seit den siebziger Jahren Frontantrieb und Quermotor. Die schlaue Idee, den Antrieb in rund 20 Prozent des umbauten Raums zu zwängen und den nutzbaren Bereich entsprechend zu vergrößern, ist anders eben nicht zu realisieren. Daran vermag auch der Einser nicht zu rütteln. Den Motor nach BMWSitte längs einzubauen und die Hinterräder antreiben zu lassen zeugt vielmehr von einem bewussten Verzicht auf Raumökonomie. Wer Platz braucht, antwortet BMW, soll sich den Dreier kaufen. Für alle anderen winken die fahrdynamischen Vorzüge des Heckantriebs (siehe Kasten auf Seite 61) nun auch dort, wo sie bisher durch Abwesenheit glänzten. Graue Theorie? Der Verdacht liegt nahe. Schließlich weiß die Welt spätestens seit dem ersten Golf GTI, dass Fronttriebler um Hecktriebler Kreise fahren können. Gegenargument: Damals waren die Autos eben noch schwächer.

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Wolfgang König

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