BMW Alpina B3
Dampf Rat
Ein BMW Dreier soll es sein, mit mehr Dampf, als der 335i hat, aber nicht so radikal wie der M3? Ab sofort weiß Alpina bei dieser Fragestellung Rat: Die Allgäuer bieten den B3 Biturbo als Coupé, Cabrio und – wie hier im Test – als Limousine an.
Wann kommt das besondere Gefühl? Schon beim Blick auf den Kofferraum-Deckel? Unmissverständlich beginnt der dreiteilige Schriftzug mit Alpina. Demnach wird es innen edel zugehen mit Holz, Leder, Emblemen. B3, also Basis BMW Dreier. Handlich wird er sein mit 19- Zöllern, Sportfahrwerk, steifen Achslagern. Biturbo.
Enorm wird es vorwärts gehen bei 1,1 bar, 360 PS, 500 Nm. Diese Überlegungen sättigen die Vorfreude, bevor der Druck auf den Startknopf den Übergang von der Theorie zur Praxis herstellt. Zudem haben Anzeichen der Sportlichkeit die Neugier gereizt. Stolz geschwellt präsentiert sich der B3-Body.
Frontschürze, dazu Sternfelgen, Heckspoiler und vier Endrohre. Da möchte einer in der Wahrnehmung nicht hinter dem M3 zurückstehen. Der B3 rangiert zwischen 335i (306 PS) und M3 (420 PS) – auch preislich. Für 57 900 Euro erhält der Kunde außerdem Automatikgetriebe, Tempomat, Klimaautomatik, Regensensor, elektrisch verstell- und beheizbare Leder- Sportsitze, Holz- oder Aluminium- Dekor, Multifunktionslenkrad und Xenon- Scheinwerfer.
Die metallic-blaue Hausfarbe muss dem Interessenten allerdings 1950 Euro extra wert sein. Schon diese Erkenntnis ist Teil des Alpina- Gefühls: Es sind teure Autos mit feudaler Ausstattung. Tradition liegt in der nach Leder duftenden Luft. Bis 1978 geht die Allianz von Alpina und BMW Dreier zurück.
Sie zeigt sich weltweit in etwa 6000 verkauften Modellen; ein Drittel davon entfällt auf die Vorgänger-Reihe. Alpina und Biturbo, auch das ist fast schon automobiles Brauchtum: 1989 kam der doppelt aufgeladene B10 mit 360 PS starkem 3,5-Liter-Sechszylinder – dem B3 reichen hierfür heute drei Liter.
Morgens startet der Biturbo mit dem männlich-rauen Bass einer durchzechten Nacht; fast wie in den Achtzigern, als die BMW-Reihensechser noch großvolumig tönen durften. Mit warmem Motoröl wechselt der Klang in angriffslustiges Knurren – stets präsent, aber nie aufdringlich.
Anzeichen einer angeheizten Maschine finden sich keine; der Alpina läuft samtig wie ein BMW. Ruckfrei beschleunigt der B3 von der Ampel weg, der Sechszylinder lässt sich fein dosieren. Unauffällig wechselt die bei Alpina Switch-Tronic genannte Sechsstufen-Automatik die Gänge.
Man bummelt mit niedriger Drehzahl durch den Verkehr, das Gaspedal wird zur Fußstütze. Bedeutungsschwanger brodelt das unterforderte Triebwerk.

Die gesetztere Alternative zum BMW M3: Dessen feinnervige Sportlichkeit fehlt dem Alpina zwar, doch das gleicht er durch ein höheres Maß an Langstrecken-Komfort aus, ist dabei aber kaum träger.
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