BMW X1 x-Drive 20d im Test: Neue Maßstäbe im Kurvencarven

BMW X1 x-Drive 20d

BMW macht das X jetzt auch beim 1er. Der X1 gibt sich betont kompakt und dynamisch. Wie süß ist die Verlockung, die von BMWs kleinem Allradler ausgeht? Test des Zweiliter-Diesels.

Man muss sich den Landstrich um das Kloster Beuron im Donautal als eine glückliche Gegend vorstellen. Obwohl es dort die Hälfte des Jahres kühl ist - und die andere Winter. Doch durch den Wald zwirbeln sich grandiose, wunderbare, herausfordernde Straßen. Jetzt im Herbst laubbedeckt und regenbenetzt, versuchen sie, den neuen X1 in die Bredouille zu bringen.

Der BMW X1 setzt beim Kurvencarven neue Maßstäbe unter den kompakten SUV

Aber die wird sich ganz schön wundern, die Bredouille. 2.000 Euro verlangen sie bei BMW, damit der kleine X nicht nur mit Heck-, sondern auch mit Allradantrieb kommt. Dann wiegt er 70 Kilogramm mehr und verbraucht einen halben Liter extra auf 100 km. Doch diese Investition hat sich nach genau einer Kurve bezahlt gemacht. Kurven sind ja immer eine ziemlich wichtige Sache für BMW, und der X1 x-Drive setzt bei den kompakten SUV neue Maßstäbe, wenn es ums Kurvencarven geht. Dafür bürgt neben der ausgeglichenen Gewichtsbalance die kluge Kraftverteilung: Die elektronisch gesteuerte Mitten-Lamellenkupplung schickt im Normalfall 60 Prozent der Antriebskraft an die Hinterachse, 40 nach vorn. Schon dieses heckbetonte Splitting verspricht hohe Agilität.

Mit der optionalen Performance Control lässt sich die Agilität noch steigern

Sie lässt sich gegen 150 Euro Aufpreis steigern. So viel kostet die Performance Control genannte Drehmomentverteilung an der Hinterachse. Anders als beim X6 arbeitet sie rein elektronisch. Droht der BMW X1 in einer Kurve zu untersteuern, erhöht die Steuerung das Drehmoment an der Hinterachse und verzögert gleichzeitig durch Bremseingriff das kurveninnere Hinterrad. Das so entstehende Giermoment sorgt in der Theorie dafür, dass der X1 Kurven besonders agil und neutral umrundet.

In der Praxis auch. Nur auf nasser Strecke fällt der Bremseingriff überhaupt auf, und er hält den BMW selbst dann sauber auf seiner Linie, wenn man beherzt aus der Biegung herausbeschleunigt. Die hohe Fahrsicherheit des Fahrwerks, das die McPherson-Vorder und die Fünflenker-Hinterachse vom 3er übernimmt, unterstützen gut verzögernde und standfeste Bremsen sowie die präzise, gefühlvolle Servotronic-Lenkung (250 Euro Aufpreis).

Der BMW X1 sortiert sich in der Liga des VW Tiguan ein

Der BMW X1 ist also ein SUV, der sich gar nicht wie ein Geländewagen fährt und dem auch größere Offroadtalente abgehen. Stattdessen saust er über die regennasse Alb, wie es ein normaler 1er nur im Trockenen kann. Ein enges Verwandtschaftsverhältnis sieht man den beiden allerdings von außen nicht an. Der X übertrifft die Limousine in der Länge um 21,5 Zentimeter, sortiert sich mit 4,45 Metern in der Liga des VW Tiguan ein. Ein kleines Auto ist er also nicht geworden und auch kein unumstritten schönes, wie die stark polarisierenden Reaktionen auf seine Form zeigen.

Doch sie hat im Vergleich zum normalen BMW 1er (Die komplette BMW 1er-Palette im Überblick) deutliche Vorzüge. Einen bequemeren Einstieg etwa oder einen tatsächlich nutzbaren Fond. Zwei Erwachsenen kann man den Aufenthalt dort ohne schlechtes Gewissen anbieten. Mit 420 bis 1.350 Litern liegt auch das Volumen des ebenen Kofferraums im Bereich des Familientauglichen. Zudem beschäftigt sich der X1 durch dreigeteilt neigungsverstell- und umklappbare Rücksitzlehnen mit dem Thema Variabilität - ohne damit herauszuragen aus der Meute der Kompakt-SUV.

i-Drive mit aufpreispflichtiger Sprachsteuerung erhältlich

Zu der möchte der X1 ohnehin einen gewissen Abstand wahren. So verzichtet er auf eine betont hohe Sitzposition, lässt Pilot und Co. stattdessen von Sportsitzen (580 Euro) fixieren und tief ins Auto einbeziehen. Dazu passt, dass sich das Cockpit - wie früher schon bei BMW üblich - zum Fahrer orientiert. Es gleicht bis auf den integrierten Navigationsmonitor dem des normalen BMW 1er und lässt sich problemlos handhaben, wenn man etwas Zeit darauf verwendet hat, zum Kennenlernen ausführlich durch die Menüs des i-Drive zu stöbern. Die aufpreispflichtige Sprachsteuerung (410 Euro) vereinfacht die Bedienung erheblich, liest Wünsche selbst von nuschelnden Lippen souverän ab.

Der BMW X1 bietet einen ordentlichen Federungskomfort

Als der agile X1 die Alb wieder heruntergeklettert ist, zeigt er auf der Autobahn eine andere Seite - sein zuvorkommendes Wesen. Mit seiner straffen Abstimmung gehört der X1 zwar nicht zu den Sänften und stolpert etwas herb über kurze Unebenheiten, bietet aber selbst mit der 18-Zoll-Optionsbereifung mit Notlaufeigenschaften (920 Euro Aufpreis) insgesamt einen ordentlichen Federungskomfort und gibt sich viel verbindlicher als sein straffer abgestimmter Bruder BMW X3.

Der 177-PS-Diesel treibt den BMW X1 temperamentvoll voran

Zum angenehmen Komforteindruck trägt der Zweiliter-Diesel bei, dessen leises Laufgeräusch ab Tempo 130 im Fahrtwind untergeht. Die 177-PS-Allzweckwaffe von BMW motorisiert nun fünf Modellreihen und überzeugt auch im X1 mit kultivierten Manieren und harmonischer Leistungsentfaltung. Nageln? Turboloch? Nicht mit dem langhubig ausgelegten Common-Rail-Triebwerk, das schon ab 1.000 Touren kräftig antritt, ohne Mühe in Richtung 5.000/ min dreht und den BMW im Kooperation mit der etwas schwergängigen, aber präzisen Sechsgangschaltung temperamentvoll antreibt. Dass er es mit einem 1,7-Tonnen-Brummer zu tun hat, merkt man dem Turbodiesel allerdings an - an einem höheren Drehzahlniveau und dem im Vergleich zum 120d um 1,2 Liter gestiegenen Verbrauch.

Der X1 gehört zu den besonders sparsamen Kompakt-SUV

Was nichts daran ändert, dass der X1 mit acht Liter/100 km zu den besonders sparsamen Kompakt-SUV gehört - ein VW Tiguan mit dem 170 PS starken Zweiliter-Diesel verlangt knapp einen Liter mehr. Minimal genügen dem BMW sogar 5,6 Liter. Damit unterbietet er seinen Normverbrauch, woran neben der guten Aerodynamik die Start-Stopp-Automatik und das reibungsoptimierte Verteilergetriebe Anteil haben.

Der Basispreis für den BMW X1 beträgt 34.400 Euro

Sparsam gibt sich der X1 auch bei der Materialauswahl, nicht aber beim Preis. Mit 34.400 Euro kostet er schon in der Basis mehr als ein vergleichbarer VW Tiguan oder Land Rover Freelander und lässt sich - wie im Fall des Testwagens - problemlos mit Extras bereichern, die den finanziellen Gegenwert eines Kleinwagens verschlingen. Der X1 ist aber 3.900 Euro billiger als der X3 20d - dem bisherigen SUV-Handling-König, der zu seinem eigenen Wohl nächstes Jahr abgelöst wird. Denn das dürfte ihm dann wieder etwas Abstand zu seinem kleinen, aufstrebenden Bruder verschaffen, der derzeit als die verlockendere Alternative erscheint.

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Sebastian Renz

Autor:

auto motor und sport, Heft 23 / 2009

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