Cadillac Seville SLS: Hollywood-Schaukel

Der neue Cadillac Seville SLS ist zwar 30 PS schwächer als der STS, aber auch 17 000 Mark preisgünstiger und viel komfortabler gefedert. 

Cadillac, die nobelste Marke von General Motors, leidet in der Heimat unter dem Altherren- Image. Aber in Europa gilt ein Caddy auch unter jungen Leuten als Inbegriff des amerikanischen Luxus-Autos. Obwohl die Heckflossen der Straßenkreuzer-Ära längst verflossen sind und sich das Styling heute an europäischen Vorbildern orientiert, ist der Caddy stattlich geblieben: mit 5,13 Metern länger als eine S-Klasse, aber das sieht man dem Seville im Gegensatz zum Mercedes nicht an.

Auch dass er es faustdick unter der Haube hat, lässt die Karosserie kaum ahnen. Nur die vier dicken Auspuff-Endrohre deuten an, dass acht Zylinder, verteilt auf 4,6 Liter Hubraum, die Musik machen. Beim SLS, dem Basis-Seville, sind es statt 305 zwar nur 275 PS, die im langen Vorbau schlummern, aber das Temperament leidet unter der Drosselung (zahmere Ventilsteuerzeiten und modifizierte Motronic-Software) kaum. 7,9 statt 7,4 Sekunden für den Spurt von null auf 100 sind unerheblich, wenn der Gewinn an Durchzugskraft und Fahrkomfort so spürbar ausfällt.

Durch das noch etwas üppigere Drehmoment (maximal 407 Nm bei 4400/min gegenüber 405 bei 4500) harmoniert der V8 perfekt mit der samtweich schaltenden Viergangautomatik. Die vierte Stufe ist drehzahlsenkend ausgelegt, und schon bei sanftem Niedertreten des Gaspedals schaltet die Automatik ohne zu zögern zurück. Erfreuliche Nebeneffekte: rund zwei Liter weniger Verbrauch als beim STS und weniger ruppige Antriebseinflüsse in der Lenkung des Fronttrieblers.

Das Fahren ist aber nicht nur deshalb easy. Auch die im Gegensatz zum sportlich straffen STS sehr komfortabel ausgelegte Federung trägt ihren Teil dazu bei, in dem sie die Passagiere behutsam über alle Bodenwellen schaukelt. 17 000 Mark Ersparnis gegenüber dem STS sind auch ein Argument, vor allem wenn man nur auf Regensensor, geschwindigkeitsabhängige Servolenkung, automatische Dämpferverstellung und CD-Wechsler verzichten muss. Für Freunde des American way ist deshalb gerade der SLS der richtige Weg.   

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Thomas Fischer

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