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Callaway-Corvette Z06.RR im Tracktest

US-Sportwagen jagt die Bestzeit

Callaway-Corvette Z06.RR, Seitenansicht Foto: Rossen Gargolov 29 Bilder

Allein die 626 PS des Sieben-Liter-V8 würden nicht ausreichen, um den 2,6 Kilometer langen Kleinen Kurs in Hockenheim in Bestzeit zu bezwingen. In der Callaway-Corvette Z06.RR steckt deutlich mehr drin als nur bärige Motorleistung, wie der Tracktest zeigt.

25.03.2013 Horst von Saurma Powered by

Die im sport auto-Test seit Jahrzehnten gängige Regel, wonach die beste Rundenzeit in Hockenheim wegen des Arbeitsfensters der Reifen möglichst in der ersten Runde, und wenn nicht dann: spätestens im zweiten von insgesamt drei gezeiteten Umläufen im Kasten zu sein hat, muss gelegentlich bewusst gebrochen werden.

Meistens ist dies bei Testfahrzeugen der Fall, die mit hitzeresistenteren Sportreifen auf Zeitenjagd gehen. Erstens eigen sich diese Semislicks wegen ihres Aufbaus und ihrer Mischung für deutlich mehr als die üblichen drei gezeiteten Runden Kleiner Kurs, bilden also die fahrdynamische Kompetenz des Autos viel länger und konstanter ab als normale Straßenreifen.

High-Tech-Sportwagen mit Renn-Genen

Zweitens tritt dieser spezielle Reifentyp fast zwangsläufig im Verbund mit einer Fahrzeugspezies auf, die ein ähnlich exakt definiertes, um nicht zu sagen spitzes Anforderungsprofil hat. Die Rede ist von High-Tech-Sportwagen, die in all ihren Technik-Genen von höchster Leistungsfähigkeit durchdrungen sind und daher - was vielfach vergessen wird - auch dem Fahrer mehr als die gemeinhin üblichen Reflexe und Konditionierung abverlangen.

Soll heißen: Bestzeiten lassen sich mit einem 626-PS-Boliden vom Schlage einer Callaway-Corvette Z06.RR nicht mal so eben aus dem Ärmel schütteln. Dafür erfordert es neben ein paar Extra-Runden Akklimation auch eine Extraportion Ehrgeiz, die zu entfesseln es bekanntlich immer auch einer zuvor markierten, offiziell beglaubigten Benchmark bedarf - quasi zur Orientierung.

GT-Sieger beim Tuner-Grand Prix 2011

1.07,886 Minuten - diese anlässlich des Tuner-Grand Prix 2011 in Hockenheim von Callaway-Pilot Heinz Müller mit der Z06.RR gefahrene Zeit stand als Vorgabe anlässlich des Supertest-Auftakts in Hockenheim so plakativ und dominant im Raum, dass dem Autor angesichts des Drucks, dieser grandiosen Zeit wenigstens annäherungsweise entsprechen zu müssen, doch etwas schummerig zumute wurde.
 
Rundenzeiten unterhalb der 1.12-Minuten-Marke, ab der im Supertest die Maximalpunktzahl vergeben wird, sind bei aller gekonnten Aufrüstung seitens der einschlägigen Adressen nämlich noch immer keine Selbstverständlichkeit. Unter den elf Preziosen, die aktuell in der sport auto-Bestzeitenliste unter den Top Ten vermerkt sind, stehen bereits zwei Corvette, die sich als Hockenheim-Heros feiern lassen dürfen: die ZR1 mit 1.08,3 Minuten und die Z06 mit 1.08,7 Minuten.
 
Lässt man die völlig abgehobene Zeit des extrem aus der Art schlagenden Renn-Einbaums Donkervoort D8 RS von 2006 einmal außer Acht (1.04,8 Min), dann war es bisher der konzeptionell gleichfalls weit von der Normalität entrückte Gumpert Apollo, der 2009 mit 1.07,2 eine markante Bestzeit setzte. Eine, die auch drei Jahre später nicht von einem extrem Rennsport-affinen Radical SR3 SL (1.08,1 min) unterboten werden konnte.

So, wie sich die bei der Callaway Dependance bei Heilbronn aufgebaute Corvette Z06.RR beim Supertestauftakt in Szene gesetzt hat, kann einem in Hinblick auf die noch ausstehende Nordschleifen-Runde fast Angst und Bange werden. Dass der unter anderem mit modifizierten Zylinderköpfen arbeitende Sieben-Liter-V8 die Rolle des Rennmotors besser beherrscht als die der verbindlichen Gebrauchsmaschine, muss angesichts seines Auftrags in diesem speziellen Umfeld nicht verwundern. Leerlauf: ja, vorhanden, aber alles andere als konstant.

US-Sportwagen mit GT3-Technik

Alle Kniffe und Tricks, die den parallel aufgebauten Corvette GT3-Versionen zu Rennsiegen verholfen haben, wurden - soweit sie mit den Zulassungsbestimmungen einigermaßen kompatibel sind - auch in der Straßenvariante angewendet. So sind die originalen Blattfedern einem Bilstein-Gewindefahrwerk gewichen. Die Schwertstabis stammen ebenso aus dem Renn-Projekt wie die spielfreien Uniball-Gelenke an den Radaufhängungen. Der extrem scharfe, fast schneidige V8-Sound - nun, raten Sie mal, welcher Version er mehr ähnelt, der Serie oder der GT3-Variante?

Corvette Rundenzeitenrekord mit 1.07 Minuten

Die kürzer übersetzte Hinterachse und das für den Einsatzzweck anscheinend besser geeignete, manuelle Sechsganggetriebe aus der Corvette ZR1 verhelfen dem 626-PS-Motor in der Summe zu einer Effizienz, die einem die Freudentränen in die Augen treibt. Geradezu lässig, weil vorzugsweise immer mit einem Gang höher unterwegs, rasiert der V8-Bolide serienmäßig mit einem Tempo durch die Hockenheim-Biegungen, als sei der Leibhaftige hinter ihm her: völlig neutral, überraschend agil und mit ungeheurer Wucht. Das Resultat verwundert angesichts dieser Kompetenz nicht mehr. 1.07,0 Minuten lautet die neue Benchmark, an der sich die Branche künftig orientieren muss.
 
P.S.: Wie sich die Callaway Corvette Z06.RR auf der Nordschleife schlägt, konnte wegen den winterlichen Witterungsbedingungen nicht mehr eruiert werden. Der Supertest ist damit auf Frühjahr 2013 verschoben. Als Vorgeschmack gibt es hier den Supertest der Serien-Corvette ZR1.

Technische Daten
Callaway Corvette Z06.RR
Grundpreis210.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4460 x 1928 x 1214 mm
Hubraum / Motor7011 cm³ / 8-Zylinder
Leistung460 kW / 626 PS (810 Nm)
Höchstgeschwindigkeit300 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,0 s
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