Chevrolet Corvette 5.7

Die Corvette verkörpert seit über 40 Jahren den amerikanischen Sportwagentraum. Jetzt tritt der Kunststoff-Zweisitzer in der fünften Generation an - komplett neukonstruiert vom Scheitel bis zur Sohle.

Dave Hill, seit 1992 als Chefkonstrukteur zuständig für Amerikas Renommiersportwagen Corvette, hat kein leichtes Erbe angetreten. Seine Vorgänger, nur zwei in der mittlerweile 44jährigen Geschichte des sportlichen Chevrolet- Zweisitzers, haben Autogeschichte geschrieben. Der 1996 verstorbene Zora Arkus-Duntov, ohne den die Corvette nicht über ihre ersten Gehversuche hinausgekommen wäre und der bis 1975 verantwortlicher Konstrukteur war, gilt heute noch als Mr. Corvette schlechthin. Sein Nachfolger Dave McLellan, der die Corvette bis 1992 betreute, darf sich rühmen, aus dem simplen PS-Protz der frühen Jahre einen respektierten High Tech-Sportwagen gemacht zu haben. Nun also Dave Hill, ein altgedienter General Motors- Kämpe, der seine Sporen in einem Bereich verdient hat, der beim größten Autohersteller der Welt am anderen Ende angesiedelt ist: bei der Luxus- Division Cadillac.

An Selbstbewußtsein fehlt es dem neuen Herrscher des Corvette-Imperiums jedenfalls nicht. „Das 97er-Modell“, verkündet er, „ist die beste Corvette, die es je gab.“ Ähnliche Statements gab es bisher bei jeder neuen Corvette- Generation – und es ist kein Fall bekannt, in dem der Stolz der Entwickler nicht seine Berechtigung gehabt hätte. Viele Merkmale, die für die Corvette typisch sind, blieben auch der neuen Ausführung erhalten: der Achtzylinder- Stoßstangenmotor, die Kunststoffkarosserie, die quer eingebauten Blattfedern. Aber diese Übereinstimmungen sind vordergründiger Natur. Die Corvette erhielt nicht nur eine vollkommen neugestaltete Karosserie, sie wurde von Grund auf neu konstruiert. Dabei standen praktische Gesichtspunkte im Vordergrund. Die Heckklappe ist größer und gibt den Zugang frei zu einem Kofferraum, der diesen Namen wirklich verdient. Eine weitere Verbesserung, die auf den ersten Blick sichtbar wird, ist der bequemere Einstieg. Die extrem hohen Seitenschweller sind verschwunden, Fahrer und Beifahrer können sich nun ohne Verrenkungen in die gut konturierten Sportsitze fallen lassen.

Danach stellen sie fest, daß die Platzverhältnisse entscheidend gewonnen haben. Die Ellenbogenfreiheit ist reichlich, die durch die Mittelkonsole getrennten Fußräume haben nicht mehr den Charakter enger Höhlen. Erreicht wurde dies durch einen völlig neuen Stahlrahmen, in dem das Getriebe, wahlweise ein leicht schaltbares Sechsgangaggregat mit extrem langer sechster Fahrstufe oder eine schnell reagierende Viergangautomatik, nicht mehr mit dem Motor, sondern mit der Hinterachse verblockt ist. Das erlaubt einen schmaleren Mitteltunnel und verbessert die Gewichtsverteilung, die nun mit jeweils 50 Prozent auf Vorder- und Hinterachse den angestrebten Idealwert erreicht. Dreht der Fahrer den Zündschlüssel, begrüßt ihn der Ami- Sportwagen mit den Worten „Corvette by Chevrolet“. Dieses Digitaldisplay wird umrahmt von leicht ablesbaren, schwarzweißen Rundinstrumenten, die über Geschwindigkeit und die wichtigsten Motorfunktionen informieren.

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Götz Leyrer

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