Es gibt das böse Gerücht über den Gitarristen der Rolling Stones, Keith Richards, dass sein erfolgreichster Groupie-Anmachspruch "Hey Baby, ich bin der beste Freund von Mick Jagger" war - oder gar noch ist. Auch der Cruze bezieht einen Teil seiner Aufmerksamkeit daraus, dass er der Kumpel einer größeren Berühmtheit ist: des kommenden Opel Astra.
Das Thema Fahrdynamik geht der Chevrolet Cruze unsportlich an
Denn beide hocken auf der neuen Delta-Plattform, auf die GM auch das Elektroauto Ampera setzen will. Anders als bei VW und Ford bleibt es für GMs Kompakte bei einer Verbundlenker- Hinterachse, wobei das wenig revolutionäre Fahrwerks-Ensemble von Opel-Ingenieuren im GM Test Center am Nürburgring abgestimmt wurde. Das Thema Fahrdynamik geht der Cruze unsportlich an - mit einer komfortorientierten Federungsabstimmung, die nur gelegentlich kurze Stöße durchrumpeln lässt, und seiner inhomogen ansprechenden Lenkung. Kurven umrundet der Cruze fahrsicher und unspektakulär, allzeit sorgsam überwacht vom ESP.
Der 1,6 Liter-Benziner des Chevrolet Cruze besitzt kaum Durchzugskaft
Neben der zukünftigen trägt der Cruze auch bekannte Opel-Technik unter dem Blech. GM-Powertec bestraft ihn mit dem 1,6-Liter-Benziner aus dem aktuellen Astra - ein Triebwerk von vollendeter Lethargie. So etwas wie Durchzugskraft hat das 113-PS-Ecotec-Triebwerk nicht wirklich, dafür krawallt es bei hohen Drehzahlen umso lauter. Bergauf zieht ihm mancher Kleinwagen davon, was auch an der langen Übersetzung des leichtgängigen, aber schlecht geführten Fünfganggetriebes liegt. Für die ambitionslosen Fahrleistungen verlangt der Vierventiler im Testmittel stramme 9,8 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer.
Zu wenig Motor für den Cruze, der eine ziemliche Menge Auto ist. Mit 1,4 Tonnen Gewicht und 4,60 Meter Länge strebt er in die Mittelklasse, beim Preis dagegen liegt er an der Untergrenze der Kompakten. Der 14.990 Euro teuren Basis mit ESP, sechs Airbags und Radio/CD fehlt nur die Klimaanlage für 600 Euro - auf das bisschen Glitter des 2.200 Euro teureren LS lässt sich gut verzichten.
Der Innenraum bietet nur wenig Luxus, ist dafür aber solide verarbeitet
Die größten Vorteile des Cruze gibt es ohnehin unabhängig von der Ausstattung: Fünf Passagiere bringt er großzügiger unter als etwa eine Mercedes C-Klasse, die ein ähnliches Format hat. Allerdings fehlt es der Rückbank an Kontur und den bequemen Vordersitzen an einer feinrastigen Lehnenverstellung. Das Cockpit macht das Beste aus seiner Vorliebe für kratzempfindliches Hartplastik, rüscht sich mit einer feschen Instrumentengrafik, etwas Möglicherweise-Leder, viel Keinesfalls-Alu und dünnem Polster an den Armauflagen auf. Alles ist leicht zu bedienen und solide verarbeitet.
Der Cruze ist ein solides, geräumiges und preiswertes Auto für bravere Zeiten - aber bei den Stones sollen mittlerweile ja auch keine Groupies mehr hinter der Bühne bereitstehen, sondern Defibrillatoren.




