Chevrolet Matiz: Chevy-Sache

Plötzlich ist es ganz billig, einen Chevrolet zu fahren. Der Matiz kostet selbst in der 67-PS Topversion weniger als 10.000 Euro, hat dafür aber auch nur einen Liter Hubraum.

Ein Chevrolet. Eigentlich hat man sich darunter immer etwas ganz anderes vorgestellt. Aber die Topmanager von General Motors haben nun einmal beschlossen, dass die amerikanische Traditionsmarke künftig weltweit für preiswerte Produkte stehen soll.

Der koreanische Hersteller Daewoo, Mitglied der GMFamilie, fertigt jetzt eben Chevrolet. Den wenigen Fans des US-Originals mag das ein Dorn im Auge sein. Aber Tradition hin oder her: Chevrolet bedeutet, auch zu den Hoch-Zeiten der Chevelle, Malibu und Caprice, seit Jahrzehnten Autos für Menschen mit kleinem Geldbeutel.

So gesehen passt jetzt auch ein Winzling wie der Matiz ins Bild. Er gehört zu den billigsten Angeboten auf dem deutschen Markt, aber er ist trotzdem ein ganz wackeres Auto. Nur knapp 3,5 Meter lang, aber mit vier Türen versehen. Und die sind nicht nur Show: Wenn sich die vorn Sitzenden nicht als krasse Egoisten aufführen, klappt auch der noch einigermaßen komfortable Transport von vier Personen.

Den sicherheitsbewussten Europäer wird der Matiz allerdings nicht unbedingt erfreuen. ESP ist nach der herrschenden GM-Doktrin nichts für arme Leute, auch nicht gegen Aufpreis. Und die Bremsen: Erwarten Sie keine Wunder von einem Korea-Kleinwagen, der auf schmalbrüstigen 155er- Reifen daherkommt. Immerhin sind seitliche Airbags an Bord.

Ebenfalls positiv zu vermerken: Die Fahreigenschaften sind absolut problemlos, mit gutem Geradeauslauf und narrensicherem Untersteuern in schnell gefahrenen Kurven. Die Lenkung arbeitet exakt, die Handlichkeit ist schon aufgrund des geringen Gewichts gut. Auch Federung und Dämpfung zeigen eine ordentliche Abstimmung. Da zahlt es sich wohl aus, dass der heutige Aston-Martin-Chef Ulrich Bez einst den Koreanern fahrdynamische Grundkenntnisse vermittelt hat.

Wenig auszusetzen gibt es ebenfalls am Antrieb. Der 67 PS starke Vierzylinder des Topmodells SX läuft angemessen kultiviert und dreht freudig hoch, ist allerdings kein Sparwunder. Ein faires Angebot, ein Auto in erster Linie für Leute, die auf Pferdestärken ebenso pfeifen wie auf Image. Das hat sich Louis Chevrolet einst anders vorgestellt, aber GM darf sich freuen.

Unter den amerikanischen Marken liegt Chevrolet auf dem deutschen Markt mittlerweile auf Platz eins.

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Götz Leyrer

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