Chrysler 300C Touring SRT8: Cool-Schrank

SRT ist so etwas wie AMG auf amerikanisch. Mit seinem 430 PS starken 6,1-Liter-V8 piekst der sportlich angehauchte Chrysler 300C Touring SRT8 das Powerkombi-Establishment. In dieser Version spricht er einen noch stärkeren US-Akzent als seine Geschwister.

Allein schon diese Türinnengriffe: Mächtig, verchromt, satt rastend wie der Öffner eines 60er-Jahre-Kühlschranks. Genauso cool und liebenswürdig stämmig wie das ganze Auto. Mit einem hochverdichteten Mix aus Kombi und Elektrolok, konsequenter Kantigkeit, kleinen Glasflächen und einer dynamisch nach hinten abfließenden Dachlinie haben bereits die zahmeren 300C-Varianten die Schmach des frontgetriebenen Vorgängers 300M getilgt. Doch in der scharfen SRT8-Version spricht der 300C noch stärkeren US-Akzent als seine Geschwister. SRT ist so etwas wie AMG auf amerikanisch.

Viel Power für überschaubares Geld. Und eine Aufpreisliste, die Hobby-Konfiguratoren enttäuscht, Komfortfans aber entspannt zurücklässt. Von Lederpolstern und CDWechsler über Xenonlicht bis zur elektrisch verstellbaren Pedalerie ist alles inklusive. Für 870 Euro extra ergänzt ein Hochleistungs-Soundsystem mit elf Lautsprechern und Subwoofer die serienmäßige Stereoanlage. Die Bassbox lauert in Gestalt einer juvenil wirkenden Plastikkiste im Kofferraum.

Wo die europäische Konkurrenz fein ziselierte Klangbilder drechselt, mit luftiger Räumlichkeit und Detailauflösung bezirzt, wummert das Chrysler-System einfach los und entdeckt Bassläufe, von denen nicht einmal die Musiker selbst etwas wussten. Wuchtig, saftig, spaßbetont. Wie der große, 430 PS starke V8 mit den klassischen halbkugelförmigen Brennräumen. Er beschwört nicht nur die Aura röhrender Musclecar-Vergangenheit, sondern legt auch im Hier und Jetzt entschlossen und überraschend kultiviert los.

Auf Basis des 5,7-Liter-V8 zogen die SRT8-Boys die Register klassischen Tunings. Mehr Bohrung, höhere Verdichtung und schärfere Nocken. Um Standfestigkeit sorgen sich ein verstärkter Motorblock, eine geschmiedete Kurbelwelle, Sintermetall-Pleuel, spritzölgekühlte Kolben und gewichtsreduzierte, natriumgekühlte Ventile. Übrigens nur zwei pro Zylinder – worüber sich jedoch nicht mal High- Tech-Jünger beschweren dürften.

Ein Tritt aufs Gas genügt, und der letzte Kritiker verstummt in einer Druckwelle aus obenraus anschwellendem V8- Donner und nachhaltiger Beschleunigung. In 5,4 Sekunden ist Tempo 100 erledigt. Und erledigt wird sich auch mancher Prestige-Limousinenfahrer vorkommen, wenn ihm der Touring auf der Autobahn nach dem feisten Kühlergrill im Rückspiegel im nächsten Moment nur noch das Heck mit der schmalen Scheibe zuwendet.

Chrysler dreht der Konkurrenz eine lange Nase und lässt die elektronische Tempobremse erst bei 265 km/h zuschnappen. Die Fünfstufenautomatik trägt ihren Teil zum zügigen Fortkommen bei, indem sie beim Herunterbremsen durch zackiges Zurückschalten erstens beim Verzögern und zweitens beim Wiederbeschleunigen hilft. Niedriges Geräuschniveau, bequem gepolsterte Sitze und ein ausreichend großes Gepäckabteil stempeln den SRT8 zum angenehmen Langstreckenbegleiter. Neben dem hohen Verbrauch von durchschnittlich 17,4 Litern fordert allerdings auch der Federungskomfort Kompromissbereitschaft.

Das straff abgestimmte Fahrwerk inklusive Tieferlegung sowie die 20-Zoll-Bereifung geben speziell kurze Absätze wie Querfugen und Kanaldeckel kaum gefiltert an die Passagiere weiter. Dafür wartet der Kombi jedoch mit einem überraschenden Bewegungstalent auf der Landstraße auf. Auch wenn es nicht zum Spitzkehrengott langt: Cooles Power-Cruisen liegt dem Kombi- Schrank aus Amerika.

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Jörn Thomas

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