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Chrysler 300M

Der neue, genau fünf Meter lange Chrysler 300M verkörpert mit seinem Styling, dem XL-Format und der hohen Motorleistung die typische amerikanische Luxuslimousine.

18.07.2000

Was ist denn das für einer? Selbst der mit automobilen Neuheiten verwöhnte Tankwart der Stamm-Tankstelle von auto motor und sport wird beim Anblick des Chrysler 300M neugierig. Auch im fließenden Verkehr sticht die mutig gestylte US-Limousine, die mit ihren Doppelscheinwerfern grimmig zu schauen scheint, aus der motorisierten Masse heraus. Das verraten die interessierten Blicke der Ampelnachbarn im Feierabendverkehr ebenso wie die fragenden Gesichter der Überholten auf der Autobahn.

Das derartig Aufmerksamkeit erregende Automobil ersetzt ab Ende Juli die Modelle Vision und New Yorker der amerikanischen Marke Chrysler, deren Bekanntheitsgrad in Deutschland durch die Fusion mit Daimler-Benz sprunghaft gestiegen ist. Anders als seine Vorgänger wurde der 300M gleich mit der Vorgabe entwickelt, auch den Ansprüchen europäischer Märkte – insbesondere denen des deutschen – zu genügen. Das galt in erster Linie für die fahrdynamischen Qualitäten und führte zu einer speziellen europäischen Auslegung von Lenkung, Bremsen und Fahrwerk.

Typisch amerikanisch muten dagegen die äußeren Abmessungen sowie die Grosszügigkeit und die Gestaltung des Innenraumes an. Etwas aufgesetzt wirken die im Retro-Look gestylten Instrumente, deren Stil sich im Cockpit sonst nicht wiederfindet. Mit einer Außenlänge von exakt fünf Metern übertrifft der 300M einen Siebener-BMW um knapp zwei Zentimeter. Dabei zielen die Marketing- Strategen mit dem 300M preislich (69 900 Mark) eine Klasse tiefer, auf das sogenannte ESegment, das zu 80 Prozent von deutschen Modellen wie der Mercedes E-Klasse, dem Fünfer von BMW oder dem Audi A6 abgedeckt wird. Chrysler-Geschäftsführer Hans- Bernhard Port rechnet zunächst vorsichtig mit jährlich 1500 bis 2000 verkauften 300M in Deutschland.

Zur Markteinführung geht der 300M anfangs nur mit einem 3,5 Liter-V6 und 254 PS an den Start. Eine Variante mit 2,7 Liter Hubraum (203 PS) ergänzt ab November das 300MAngebot. Nur bei der Einstiegsversion existiert eine Aufpreisliste, die als einzigen Posten die im 3,5 Liter-Modell serienmäßige Lederausstattung mit elektrischer Sitzverstellung inklusive Memoryfunktion und Sitzheizung umfaßt. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Ausstattung der 3,5 Liter- Version komplett. Für Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Tempomat, Bordcomputer und HiFi-Anlage mit 320 Watt und elf Infinity-Lautsprechern wird keine Mark extra fällig.

Andererseits besteht auch keine Möglichkeit, den 300M mit sinnvollem Zubehör wie einem Navigationssystem oder einer Einparkhilfe ab Werk auszurüsten. Auch die mittlerweile sogar bei Kleinwagen zum Standard gehörenden Sidebags gibt es weder für Geld noch gute Worte. Serienmäßig und typisch amerikanisch ist die Viergangautomatik, die sich durch sehr sanfte Schaltvorgänge und spontanes Ansprechen beim Kickdown auszeichnet. Der Sprung vom dritten zum lang übersetzten vierten Gang ist allerdings zu groß geraten. Eine Fahrstufe mehr könnte hier Abhilfe schaffen.

Die Antriebskraft des längs installierten Aluminium-Motors wird über die Vorderräder auf die Straße gebracht. Das geschieht im Normalfall ohne spürbare Einflüsse auf die ausreichend exakte Servolenkung. Lediglich beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren oder bei feuchter Straße muß die Traktionskontrolle durch Abbremsen durchdrehender Räder eingreifen. Im Alltagsbetrieb bleibt das Fahrverhalten neutral bis leicht untersteuernd und ist auch bei provozierten Lastwechseln ohne Tücken. Ein leichtes, aber unkritisches Übersteuern wurde nur beim Wedelversuch festgestellt, der ein Ausweichmanöver bei höherer Geschwindigkeit simuliert. Die Abstimmung des Fahrwerks kann als gelungen bezeichnet werden. Einschränkungen gibt es nur bei schnell überfahrenen langen Bodenwellen mit voller Beladung und bei schnell aufeinanderfolgenden kurzen Bodenwellen, auf denen der 300M zum Nachschwingen neigt.

Kurze Anregungen bei langsamer Fahrt durch Querfugen oder Kanaldeckel beispielsweise werden dagegen direkt auf die Karosserie übertragen. Mit Beladung meistert der 300M diese Unebenheiten spürbar besser. Mit 254 PS und 339 Newtonmetern sprengt der neu entwickelte Vierventil-V6-Motor den klassenüblichen Rahmen. Der Sechszylinder tritt kraftvoll an und dreht locker hoch.

Dabei klingt er jedoch ab 5000 U/min kernig. Auch die Trinksitten zeugen nicht gerade von Zurückhaltung. Im Test genehmigte sich die US-Limousine durchschnittlich 13,7 Liter/100 Kilometer – also rund zwei Liter mehr als ein Mercedes E 320. Obwohl der Motor die D3-Schadstoffnorm einhalten könnte, erfüllt er nur die Euro 2-Norm. Das Homologationsverfahren zur Anerkennung der nationalen D3- Norm ist Chrysler angesichts der angepeilten Stückzahlen in Deutschland zu aufwendig.

Da in good old Germany noch kein flächendeckendes Tempolimit auf den Highways gilt, muß auch aus hohen Geschwindigkeiten zuverlässig verzögert werden. Bei der Vollbremsung aus 80 Prozent der Höchstgeschwindigkeit liegt die Verzögerung des Chrysler auf dem gleichen hohen Niveau wie ein BMW 523i. Zum guten Gesamteindruck der Bremse tragen zudem ein exaktes Pedalgefühl und die hohe Standfestigkeit bei. Immerhin: Noch ohne die Hilfe des neuen deutschen Partners Daimler-Benz haben die Chrysler-Ingenieure ein Auto auf die Räder gestellt, das sich europäisch fährt, aber vor allem durch sein amerikanisches Aussehen für Aufsehen sorgt.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Innenraumangebot
  • großer, variabler Kofferraum
  • bedienungsfreundliches Cockpit
  • geringe Anhängelast (900 kg)
  • unübersichtliche Karosserie
Fahrkomfort
  • insgesamt guter Federungskomfort
  • entspannte Sitzposition
  • gute Klimatisierung
  • eingeschränkter Abrollkomfort
Antrieb
  • drehfreudiger Motor
  • weiche Schaltvorgänge
  • gute Fahrleistungen
  • Getriebeabstufung nicht ideal
  • Motor bei höheren Drehzahlen laut
Fahreigenschaften
  • gutmütiges Fahrverhalten
  • keine Lastwechselreaktionen
  • kaum Antriebseinflüsse spürbar
  • guter Geradeauslauf
Sicherheit
  • wirksam verzögernde, standfeste Bremsen
  • Airbags für Fahrer und Beifahrer
  • hinten nur 2 Kopfstützen und 2 Automatikgurte
  • keine Sidebags lieferbar
Umwelt
  • FCKW-freie Klimaanlage
  • sehr hoher Verbrauch
Kosten
  • 3 Jahre Garantie (bis 110.000 Kilometer)
  • umfangreiche Serienausstattung
  • eingeschränkter Wiederverkaufswert
  • keine D3-Einstufung

Fazit

Der Chrysler 300 M ist mit seinen großzügigen Platzverhältnissen, den sicheren Fahreigenschaften und dem insgesamt guten Komfort eine preisgünstige Alternative in der oberen Mittelklasse.

Technische Daten
Chrysler 300M 3.5 V6
Grundpreis35.739 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5000 x 1892 x 1416 mm
KofferraumvolumenVDA504 L
Hubraum / Motor3518 cm³ / 6-Zylinder
Leistung187 kW / 254 PS (339 Nm)
Höchstgeschwindigkeit230 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,8 s
Verbrauch10,7 L/100 km
Testverbrauch13,7 L/100 km
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