Citroen C4 im Test: Wie schlägt sich der neue Golf-Konkurrent?

Citroen C4

Mit dem C4 schwenkt Citroën auf den Allerweltsgeschmack ein. Viel Franko bleibt für Frankophile also nicht übrig. Solider, geräumiger und komfortabler will der neue Kompaktwagen sein - also am liebsten ein VW Golf.

Wir sollten zunächst zwei Dinge unterscheiden: einen guten Citroën und ein gutes Auto. Beides muss nicht notwendigerweise identisch sein, wie sich vielfach in der Firmengeschichte zeigte: SM, GS, BX, C3 Pluriel und, ja, auch der 2CV waren all das, was man mit den avantgardistischen Ideen des André Citroën verbindet, der einst einen Bildhauer die DS erschaffen ließ. Aber sie waren bei aller Genialität im Alltag oft ziemliche Desaster. Glauben Sie einem, der aus Schaden nicht klug wurde.

Citroën C4 folgt dem Wachstumstrend seiner Klasse

Der neue Citroën C4 macht sich wenig aus der Tradition. So wie er aussieht, könnte er auch Auris, Ceed oder 308 heißen. Er folgt dem derzeitigen Wachstumstrend seiner Klasse und erstreckt sich nun auf noch gut überschaubare 4,33 Meter - damit zählt er mit Opel Astra und Mazda 3 zu den größten Kompaktmodellen. Doch im Gegensatz zu den beiden anderen setzt der Citroën C4 die Ausmaße in ein großzügiges Raumangebot um, das deutlich über dem des Vorgängers liegt. Der Laderaum steigert sein Minimalvolumen um 88, das maximale um 160 Liter.

Allerdings stört beim Beladen die hohe Innenkante des Citroën C4, bei umgeklappten Rücksitzlehnen bleibt eine Stufe im ansonsten gut geschnittenen Ladeabteil. Den Einstieg in den Fond erschweren die schmalen Türen mit ihren kleinen Öffnungswinkeln. Haben sie sich reingeschlängelt, kommen zwei Erwachsene hinten bequem, drei akzeptabel unter. Nur Mitfahrer über 1,80 Meter dürften sich im Citroën C4 mit optionalem Panoramaglasdach an der eingeschränkten Kopffreiheit stoßen.

Bedienung des Citroën C4 gelingt nun einfacher

Pilot und Co. reisen im C4 auf etwas knapp geschnittenen Sitzen, aber ungedrängt unter der Dachkuppel. Vor ihnen erstreckt sich das Cockpit des Citroën C4: zentrale Digitalinstrumente? Parfümspender? Feststehende Lenkradnabe? Alles passé. Stattdessen gibt es konventionelle Armaturen, wobei die Mischung aus analogen und digitalen Anzeigen Eingewöhnung verlangt.

Zudem geht die kleine Tachonadel durch die große Multifunktionsanzeige und die in acht grellen Farben wählbare Instrumentenbeleuchtung fast unter. Ansonsten gelingt die Bedienung des Citroën C4 nun einfacher, ohne ganz auf Herausforderungen zu verzichten: Die vielen Tasten auf dem Lenkrad - für Radio, Tempomat, Telefon und Zentraldisplay - zählen ebenso dazu wie die komplizierte Menüführung des Infotainmentsystems.

Schon die Basis ist bis auf ein CD-Radio vollständig ausstaffiert

In der Topausstattung Citroën C4 Exclusive (ab 21.800 Euro) steigert sich die Tastenvielfalt durch die Schalter für Spurhalte-/-wechselassistent sowie das e-Touch-Notrufsystem. Diese durchaus sinnvollen Extras gibt es - wie Bi-Xenonscheinwerfer oder die Reifendruckkontrolle - weder für die getestete, 2.600 Euro billigere Linie Tendance noch für die 4.350 Euro günstigere Basisversion Attraction. Besonders ärgerlich, weil die teureren Varianten des Citroën C4 kaum nennens- oder bezahlenswerten Mehrwert bieten und Citroën .

Basismotor bleibt zunächst der 1,4-Liter-Benziner mit 95 PS

Die Rolle des Basismotors übernimmt im Citroën C4 - bis Anfang April 2011 der 1,4-Liter-Benziner mit 95 PS kommt - der 120 PS starke 1.600er. Wie in anderen Modellen verkuppelt ihn Citroën im C4 mit einer Fünfgangbox. Die Durchzugsschwäche des Vierventilers - erst bei 4.250/min hat er ein Drehmomenthäufchen von 160 Nm aufgetürmt - soll die kurze Übersetzung des hakeligen Getriebes kompensieren.

So quirlt der Motor des Citroën C4 bei 130 km/h mit 4.000 Touren und überdröhnt trotz seiner guten Laufkultur bereits ab Richtgeschwindigkeit die sorgfältige Geräuschdämmung. Das bleibt ohne nachteiligen Einfluss auf den Verbrauch, der trotz des Verzichts auf besondere Sparmaßnahmen mit 8,3 L/100 km auf dem angemessenen Niveau des aufgeladenen, 122 PS starken Golf 1.4 TSI liegt. Doch der Krach schadet der Behaglichkeit.

Citroën C4 mit sehr sicheren Fahreigenschaften

Dabei zeigt der Citroën C4 gerade beim Komfort noch am meisten citroëntypischen Charakter. Er federt sorgfältig über kleine und große Unebenheiten hinweg, dämmt die Fahrgeräusche effektiv - den Motor bei höheren Drehzahlen ausgenommen -, und die Klimaautomatik (Teil des Innovationspakets für 690 Euro) kühlt mit drei wählbaren Strömungsstärken.

Zum entspannten Wesen des Citroën C4 passen die sehr sicheren Fahreigenschaften. Schon bei den Tests auf abgesperrter Strecke muss ESP erst spät eingreifen, bremst dann hart und effektiv ein. Bei normalen Landstraßentouren dürfte der Schleuderschutz kaum einmal aktiv werden - schon weil der Citroën C4 mit seiner etwas in-direkten Lenkung und der deutlichen Seitenneigung in Kurven erst gar nicht zu sportlicher Fahrweise animiert.

Fortschritte bei der Material- und Verarbeitungsgüte

Zumindest darin ähnelt der neue Citroën C4 seinem Vorgänger, den er ansonsten in vielen Details übertrifft. Neben dem gesteigerten Raumangebot und der durchschaubareren Bedienung zeigen sich die größten Fortschritte bei der Material- und Verarbeitungsgüte. Bis auf Kleinigkeiten wie eine wackelige Motorhaubenstütze wirkt der Kompakte solide und hochwertig. Zudem ist er ausstattungsbereinigt ein paar hundert Euro günstiger als bisher, der Citroën C4, der sich entschlossen hat, lieber ein gutes Auto als ein guter Citroën zu sein.

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Sebastian Renz

Autor:

auto motor und sport, Heft 24 / 2010

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