Jacques Chirac und andere Fans haben lange auf einen großen Citroën warten müssen. Nun ist sie gestillt, die Sehnsucht, und das Auto heißt einfach C6. Es gibt also wieder eine große Limousine, ein Modell, das – wie einst der DS – mit den etablierten Größen in dieser anspruchsvollen Kaste konkurrieren soll, auch natürlich mit den Platzhirschen von Audi, BMW und Mercedes.
Es ist, nicht überraschend, eine klassische Limousine geworden, keine verquere Mixtur aus Kombi, Geländewagen und Sportcoupé, fast fünf Meter lang und mit einem Radstand von 2,90 Metern üppig gesegnet. Wer den stilistischen Glanz des alten DS, der berühmten Göttin, noch in den Augen hat, erkennt auch kein Retro-Styling. Es entstand eine langgestreckte, in der Sihouette Kraft und Tempo ausdrückende Linie, deren einziger auffälliger Gag das konkav verlaufende Heckfenster darstellt. Und da man auch Breite braucht, um imposant zu wirken, misst das neue Auto hier fast 1,90 Meter. Das Markenemblem, der Doppelwinkel, seit Anbeginn eine Radverzahnung symbolisierend, hat gewaltige Ausmaße am Wagenbug angenommen. Ich bin der größte Citroën, heißt die Rückspiegel-Botschaft, mein Fahrer tanzt aus der Reihe und fährt ausdrücklich nicht Audi. Warum eigentlich nicht? Weil er etwas gesucht hat, das man sonst nicht mehr findet.
In einer Zeit, in der die besten Limousinen der Welt längst eine asymptotische Annäherung an das Optimum erfahren haben, gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten der Extravaganz. Alle sind schnell, alle liegen gut, alle sind komfortabel. Doch keiner federt auf so spezifische Art wie der neue C6, der das Citroën-Urgestein Hydropneumatik nach allen Regeln des technisch Machbaren kultiviert. Es ist ein Komfort-Erlebnis, bei dem die mit variabler Dämpferhärte arbeitende Federung lange Wellen am besten schluckt. Kurze Unebenheiten werden auch mit Anstand verdaut, aber weniger souverän. In Gedanken ist man schon auf einer Route Nationale. Dieses ganz spezielle Schweben ist allerdings nicht jedermann zuträglich. Wer zur Seekrankheit neigt, wird vor allem im Fond meistens Windstärke acht verspüren. Wie üblich bei elektronisch geregelten Fahrwerken lässt sich durch eine S-Taste fahrdynamisch eine sportivere Dämpfer-Kennung aufrufen, doch hat man – außer vielleicht bei Slalom- Betrieb – keinerlei nützliche Funktion.
Der C6 wird einfach härter und verliert von jener spezifischen Komfortgüte, deretwegen man ihn vielleicht sogar gekauft hat.






