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Citroën Saxo 1.1i SX

Gut gestimmt

Da liegt Musik in der Luft. Citroëns neuer Saxo, benannt nach dem wohlklingenden Saxophon, soll in der Kleinwagenklasse neue Töne anschlagen. Im Test die Version mit 54 PS starkem 1,1 Liter-Motor.

02.04.1996 Götz Leyrer

Wer in der Entwicklung bei Citroën arbeitet, ist ein armer Hund. Kaum präsentiert die französische Firma voller Stolz ein neues Modell, kommt von den Kritikern so sicher wie das Amen in der Kirche folgendes Urteil: Ganz nett – aber wo bleibt die Kreativität, die Citroën früher auszeichnete? Warum gelingt den Franzosen kein Paukenschlag mehr wie einst mit dem DS 19 oder dem 2 CV? Der Fluch der guten Tat, der hängt der Traditionsmarke an wie Schusterpech. Citroën-Autos haben in vielen Bereichen ihre Besonderheit verloren, das ist schon richtig. Aber es kann wohl auch gar nicht anders sein, denn seit der Blütezeit der genannten Denkmäler sind rund 40 Jahre Automobilentwicklung vergangen, und die Zeit der verblüffenden technischen Großtaten gehört endgültig der Vergangenheit an. Der Feinschliff des Vorhandenen spielt jetzt die entscheidende Rolle. Und weil Citroën im PSA-Konzern aufgegangen ist, heißt das Vorhandene Peugeot. Im Fall des neuen Saxo ist es das komplette Peugeot 106-Paket mit Bodengruppe und Antrieb. Der Saxo, designierter Nachfolger des AX, präsentiert sich rein äußerlich als ganz normaler Kleinwagen. Adrett, sauber gestylt, aber ohne den geringsten individuellen Touch. Donato Coco, der die Form entworfen hat, sieht das anders: „Das Gesamtdesign verbindet auf harmonische Weise Klassik und Markenimage.“ Diese Aussage besitzt in etwa den gleichen Neuigkeitswert wie die Form des Saxo. Praktische Details fallen auf. So ist Citroën nicht der Mode der rundum eingefärbten Stoßfänger erlegen, sondern sieht eine schwarze Gummiauflage vor, so dass kleine Parkrempler nicht gleich teure Kratzer im Lack hinterlassen müssen. Gut auch die seitlichen Stoßleisten und der Griff an der Innenseite der Heckklappe, der das Zuziehen erleichtert.   

Zunächst gibt es den Saxo nur als Zweitürer, aber er macht das Beste aus den Nachteilen dieser Konzeption. Beide Frontsitze rutschen beim Vorklappen der Lehne weit nach vorn und geben so einen bequemen Durchstieg frei. Anschließend begeben sie sich wieder in ihre ursprüngliche Position, ohne dass die Lehne neu justiert werden müsste. Angesichts der bescheidenen Abmessungen, die mit einer Länge von 3,71 und einer Breite von 1,59 Meter denen seines Opel Corsa entsprechen, bietet der Saxo reichlich Platz im Innenraum. Die niedrige Gürtellinie und die daraus resultierenden großen seitlichen Fensterflächen tragen mit dazu bei, für ein gutes Raumgefühl zu sorgen. Die Sitzposition hinter dem kleinen Lenkrad ist bequem, wenn auch relativ hoch. So wird in der Vertikalen Abstand zu den Pedalen geschaffen, was wiederum dem Platzangebot im Fond zugute kommt. Wer hinten sitzen muss, hat zwar nicht den Hauptgewinn gezogen, weil die Rücksitzbank nicht ganz so kommod ausgeformt ist wie die vorderen Sessel. Aber die Kopffreiheit reicht aus, auch der Beinraum genügt, wenn vorn nicht ausgeprägte Egoisten Platz nehmen. Der Kofferraum übertrifft mit einem Volumen von 280 Litern sogar das klassenübliche Maß. Weil an Autos dieser Kategorie nicht viel dran ist zum Bedienen, darf das Saxo-Interieur als weitgehend funktionell gelten. Ausnahmen machen die hinter dem Schalthebel versteckten Tasten für auf Wunsch (250 Mark) lieferbare elektrische Fensterheber sowie die Huptaste. Die spricht für die Citroën-Tradition, weil sie sich offenbar hartnäckig weigert, ihren angestammten Platz im Blinkerhebel zu räumen. Größere Ablagen wären kein Fehler. In die Fächer der Türverkleidungen passt nicht viel hinein, und das Handschuhfach ist winzig geraten. Es mute auf Miniformat schrumpfen, weil es auch auf der Beifahrerseite einen Airbag gibt, der natürlich als das höhere Gut eingestuft werden muss. Mit pyrotechnischen Gurtstraffern ist der Saxo auch sonst gut gerüstet, allein höhenverstellbare Gurte wären noch ein nützliches Detail, um die Sicherheitsausstattung zu vervollständigen. Dass scharf kalkuliert wird in dieser Preisklasse, beweist das aus Hartplastik gefertigte Armaturenbrett, dessen genarbte Oberfläche aber den spartanischen Eindruck, den solches Material normalerweise macht, erfolgreich vermeidet. Generell erscheint die Karosseriequalität gut. Der Testwagen war frei von Geräuschen und zeigte nicht jene offenkundigen Mängel im Detail, die traditionell als typisch gelten für eine bei Citroën herrschende Sorglosigkeit. Ebenso hartnäckig haftet den Autos mit dem Doppelwinkel im Kühlergrill der Ruf überdurchschnittlichen Fahrkomforts an. Zu Recht, wie auch der Saxo beweist. Seine weich abgestimmte Federung beschert ihm uneingeschränkte Langstreckentauglichkeit, so geschmeidig absorbiert sie alle Bodenwellen. Vertikalbewegungen mit hoher Beschleunigung bleiben auch bei schneller Fahrweise auf schlechten Straßen aus, die Lenkung arbeitet stoßfrei, und das Abrollgeräusch hält sich in Grenzen. Nur auf kurzen, groben Unebenheiten, tiefen Querfugen etwa oder hervorstehenden Kanaldeckeln, zeigen sich die Grenzen: Es kommt zu kräftigem Fahrwerkspoltern, aber das ist ein rein akustischer Schönheitsfehler, denn bis zu den Sitzflächen der Insassen durchdringende Stöße sind damit nicht verbunden. 

Trotz der nachgiebigen Federung tendiert der kleine Citroën, wenn er zügig auf kurvenreichen Landstraßen bewegt wird, nicht zu schwankenden Aufbaubewegungen. Die Karosserie neigt sich spürbar, was jedoch das Sicherheitsgefühl nicht beeinträchtigt. Der Saxo gehört zu den Fronttrieblern, die das typische Untersteuern auf ein Minimum reduziert haben. Fast neutral nähert er sich dem Grenzbereich der Haftung, erst dann beginnen die Vorderräder zum Kurvenaußenrand zu schieben. Der Fahrer spürt dies deutlich im Lenkrad und hat Zeit, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Wer das durch schnelles Gaswegnehmen bewerkstelligt, muss nicht mit tückischen Reaktionen rechnen. Das Heck wird in diesem Fall etwas leicht und drängt nach außen – allerdings nie so heftig, dass größere Lenkkorrekturen nötig würden. Die Tendenz zum Eindrehen ist weniger stark ausgeprägt als beim größeren ZX. Sie bleibt weit davon entfernt, ungute Gefühle in der Magengegend hervorzurufen, und dient dem Fahrer als willkommene Beigabe, um im Extremfall den gewünschten Kurvenradius nicht zu verlassen. Dass der Saxo Vergnügen bereitet, liegt nicht nur an seiner hohen aktiven Sicherheit, sondern vor allem an dem beispielhaften Handling, das er mit der aufpreispflichtigen Servolenkung (750 Mark) bietet. Sie arbeitet nicht nur mühelos leichtgängig, sondern auch sehr exakt, sie vermittelt guten Fahrbahnkontakt, ohne im mindesten nervös zu wirken. In diesem Punkt, keine Frage, liegt der Citroën ganz vorn im Kreis vergleichbarer Kleinwagen. Da passen auch die Bremsen ins Bild, die in kaltem Zustand gute Verzögerungswerte liefern (beim Testwagen ermittelt mit dem für 1450 Mark Aufpreis lieferbaren ABS). Erst extrem hohe Belastung führt zu spürbarem, aber keineswegs dramatischem Fading. Opel Corsa oder VW Polo bremsen jedenfalls beide schlechter.  

Man darf von Minis dieser Klasse eben keine Verzögerungswunder erwarten, zumal sich das Fahrleistungspotential mit den 54 PS, die der 1,1 Liter große Vierzylinder des Saxo liefert, in Grenzen hält. Mit dieser Leistung ist der Citroën erfreulich munter unterwegs, um so mehr, als die Laufkultur des Motors es nicht zu einem lärmenden Spektakel macht, die Reserven voll auszunutzen. Im überwiegend genutzten Drehzahlbereich bis 5000/min summt der Motor leise vor sich hin, erst darüber schwillt sein Geräusch bis zur knapp über 6000/min liegenden Höchstdrehzahl kontinuierlich an. Wer häufig schnell fährt, muss allerdings mit einem überproportional steigenden Verbrauch rechnen. Damit der Vierzylinder auf der Autobahn in zivilen Regionen bleibt, hat Citroën für die fünfte Fahrstufe eine lange Übersetzung gewählt. Die Höchstgeschwindigkeit kann auch im vierten Gang erreicht werden, aber eben mit einer direkt am roten Bereich klebenden Drehzahlmessernadel. Im fünften Gang ergeben sich nur noch 5150 Umdrehungen und ein entsprechend angenehmes Geräuschniveau. Unter dieser Übersetzungsauslegung leidet klarerweise die Durchzugskraft im obersten Gang. An Steigungen kommt man um frühes Herunterschalten nicht herum, wenn das Reisetempo gehalten werden soll. Das ist ein akzeptables Zugeständnis an den Geräuschkomfort, zumal sich die Schaltung exakt und leicht betätigen lässt. Der Saxo bestätigt also erneut den Ruf der französischen Autobauer, speziell im Fahrwerksbereich überzeugende Kompositionen zu liefern. Gute Noten hat er deshalb verdient, aber auch eine kritische Anmerkung: Citroën tritt in dieser Klasse mit einem guten Auto an, nachdem die Konkurrenz ihre Position schon gefestigt hat.  

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Gut verarbeitete Karosserie mit ausreichendem Platzangebot
  • gut nutzbarer Kofferraum
  • bequemer Durchstieg zum Fond
  • gute Übersichtlichkeit
  • befriedigende Serienausstattung
  • Teilweise unpraktische Karosseriedetails (Ablagen, Wegfahrsperre)
Fahrkomfort
  • Sehr gut abgestimmte Federung mit langen Federwegen und hohem Schluckvermögen
  • bequeme, gut profilierte Sitze
  • geringe Bedienungskräfte
  • kultiviert laufender Motor
  • gut regulierbare, wirksame Heizung
  • Fahrwerkspoltern auf groben Unebenheiten
Antrieb
  • Vierzylindermotor mit gutem Ansprechen auf Lastwechsel
  • der Klasse entsprechende Fahrleistungen
  • sehr leicht und exakt schaltbares Getriebe
  • Lautes Motorgeräusch im obersten Drehzahlbereich
  • lange Übersetzung beeinträchtigt Elastizität im fünften Gang
Fahreigenschaften
  • Guter Geradeauslauf
  • sehr sicheres, nahezu neutrales Kurvenverhalten mit geringen Lastwechselreaktionen
  • mit leichtgängiger und exakter Servolenkung (750 Mark Aufpreis)sehr gute Handlichkeit
  • Nachlassende Bremswirkung bei sehr hoher Beanspruchung
Sicherheit/Umwelt
  • Gute Sicherheitsausstattung mit zwei Airbags und Gurtstraffern
  • vier Kopfstützen serienmäßig
  • Seitenaufprallschutz
  • Sicherheitsgurte nicht höhenverstellbar
  • in Anbetracht der Fahrleistungen akzeptabler, aber nicht besonders günstiger Benzinverbrauch
Kosten
  • Günstiger Anschaffungspreis, aber voraussichtlich nur durchschnittliche Wiederverkaufschancen
  • geringe Fest- und Unterhaltskosten
  • sechs Jahre Garantie gegen Durchrostung
  • Relativ dünnes Servicenetz
  • Garantie auf ein Jahr beschränkt
Technische Daten
Citroën Saxo 1.1i
Grundpreis9.357 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3718 x 1595 x 1368 mm
KofferraumvolumenVDA280 bis 953 L
Hubraum / Motor1124 cm³ / 4-Zylinder
Leistung40 kW / 54 PS (88 Nm)
Höchstgeschwindigkeit162 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h15,3 s
Verbrauch6,7 L/100 km
Testverbrauch7,5 L/100 km
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