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Corvette ZR1

Test der stärksten Corvette aller Zeiten

Corvette ZR1 Foto: Hans-Dieter Seufert 24 Bilder

Es gibt auch noch gute Nachrichten von General Motors. Vor wenigen Wochen lief die 1,5-millionste Corvette vom Band. Und für das Modelljahr 2010 kommt mit dem Kompressor-Modell ZR1 die stärkste Corvette aller Zeiten auf den Markt.

27.07.2009 Götz Leyrer

Je oller, je doller. Als treibende Kraft hinter der neuen Super-Corvette ZR1 gilt ein Mann, der im reifen Alter von 78 Jahren die Pkw-Entwicklung bei General Motors beaufsichtigt: Robert A. Lutz. Der ehemalige Captain der US Marines, gilt bei GM als der letzte Auto-Maniac in einer Finanzer-Führungsriege, die es innerhalb weniger Jahre geschafft hat, den einst größten Autohersteller der Welt in die Insolvenz zu steuern.

Corvette ZR1 3:04 Min.

Die Motoren der Corvette ZR1 werden in Handarbeit gefertigt

Die Fangemeinde des US-Sportwagens rangelt bereits um die wenigen Corvette ZR1 (zum Fahrbericht), die gebaut werden können. Denn nur 25 Spezialisten arbeiten im Performance Build Center in Wixom/Michigan, wo der Motor in penibler Handarbeit zusammengesetzt wird. Jedes Triebwerk trägt - dezent versteckt unter der Kunststoff-Abdeckung - eine Plakette mit dem Namen des Erbauers. Mehr als 45 Motoren pro Woche sind derzeit nicht drin.

Der Reihe nach. Bob Lutz wollte einen Supersportler, der es mit den schnellsten der Welt aufnehmen kann. Und er setzte die Eckdaten: US-Preis um 100.000 Dollar, Leistung deutlich über 600 PS. 500 Pferdestärken sind bereits mit dem Siebenliter-V8 des Modells Z06 realisiert worden. Damit ist im Saugmotor-Land die Sache ausgereizt. Da kann nur noch die Aufladung mit Kompressor helfen, weil zwei Turbolader in der Enge des Motorraums nicht unterzubringen sind.

In der Corvette ZR1 steckt eine Menge High-Tech

Als Basis dient eine weniger exotische Variante des immer noch Small Block genannten Aluminium-Triebwerks. Die 6,2-Liter-Ausführung, in milder Form auch bei Cadillac zu finden, ist dem Ladedruck besser gewachsen als der dünnwandige Siebenliter-Block. Als LS9, so die interne Bezeichnung des Corvette-Aggregats, weist der Motor neben einem an strategisch wichtigen Stellen verstärkten Zylinderblock eine Reihe klassischer Spezialitäten auf: Pleuel aus Titan beispielsweise und eine Trockensumpfschmierung. Es steckt eine ganze Menge High-Tech in dieser Maschine, die nur in ihrem Grundkonzept mit zentraler Nockenwelle und Zweiventilköpfen einen traditionellen US-Antrieb darstellt.

Der Eaton-Kompressor, der zwischen den beiden Zylinderreihen kauert, wurde extra für die Corvette entwickelt. Sehr flach musste er sein samt dem ihn krönenden Wasserkühler für die Ladeluft. Denn ein protziger Powerdome auf der Motorhaube stand von vornherein auf der No-Liste. Als ZR1-Merkmal gibt es nur eine glasklare Scheibe, durch die der Quell aller Kraft betrachtet werden kann.

Die Corvette ZR1 gibt sich durchaus alltagstauglich

Dem Dreh am Zündschlüssel folgt die erste Überraschung: kein Aufschrei einer erwachenden Bestie, sondern ein bei nur 600 Umdrehungen verharrender Leerlauf, in dem der V8 so friedlich vor sich hinbrummelt wie eine Quäker-Versammlung. Nichts von dem Rumpata-Rump, den scharfe Steuerzeiten einem US-Achtzylinder verleihen. Die Nockenwelle im LS9 ist tatsächlich weit milder als jene, die in der Corvette Z06 wohnt.

Der Eindruck eines vollkommen zivilen Antriebs bleibt zunächst erhalten. Die ZR1-spezifische Kupplung mit zwei Scheiben und nur 26 Zentimeter Durchmesser erfordert wenig Kraft und lässt sich butterweich dosieren. Schon knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl kann in den nächsten Gang geschaltet werden, die Corvette cruist dann mit minimaler Drehzahl so zufrieden dahin wie der alte Buick der Little Old Lady from Pasadena. Ein Auto, mit dem man so problemlos jeden Morgen zum Bäcker fahren könnte wie mit jedem Allerweltsauto.

Motor-Sound ohne typisches Kompressorwimmern

Aber der ZR1 erzählt wie kaum ein anderer Sportwagen die Fabel vom bürgerlichen Doktor Jekyll, der sich nächtens in den mörderischen Mr. Hyde verwandelt. Wer das langhubige Gaspedal bis zum Anschlag niedertritt, erlebt ein wahres Beschleunigungsinferno. Dabei spielt es keine Rolle, bei welcher Drehzahl dem Motor freies Atmen gestattet wird. Der verzögerungsfrei einsetzende Schub hat etwas Animalisches, so brutal, dass man fast Angst bekommen könnte. 

Verschwunden ist jetzt auch das höchst dezente Laufgeräusch, das bei normaler Fahrt ohne nennenswerten Kompressordruck vorherrscht. Eine Klappe im Auspuff öffnet sich - und dann bläst der V8 die fette Basstrompete eines großvolumigen Rennmotors. Das hämmernde Stakkato historischer US-Boliden hat einer neuen Tonlage Platz gemacht, seit General Motors mit der Einführung der LS-Triebwerksgeneration bei der Corvette C5 die Zündfolge des Small Blocks geändert hat. Was bleibt, ist reiner Motor-Sound ohne das typische Kompressorwimmern. Das auf Hochtouren laufende Gebläse hört man nicht, wofür in erster Linie die Rotoren mit vier statt der bisher üblichen drei Flügel verantwortlich sind.

3,8 Sekunden braucht die Corvette ZR1 von null auf 100 km/h

Der erste Gang des in seiner Schaltbarkeit spürbar verbesserten Sechsganggetriebes reicht bereits bis über 100 km/h. Da möglichst schnell hinzukommen (beim Testwagen in 3,8 Sekunden) ist weniger einer Frage der Leistung als die der gekonnten Dosierung von Kraft und Schlupf an den Hinterrädern. Eine Prise zu viel, und die Beschleunigung löst sich in Rauchwolken auf, die geeignet sind, die Feuerwehr auf den Plan zu rufen. Die Allmacht des Kompressormotors zeigt sich am eindrucksvollsten im oberen Geschwindigkeitsbereich, der bei diesem Auto quasi erst bei 200 km/h beginnt. Darüber bewegt sich die Nadel des Tachometers weiter so beschwingt dem Ende ihrer Skala entgegen, als seien die üblichen Fahrwiderstände ausgeschaltet.

Selbst bei 300 km/h kann noch von fühlbarer Beschleunigung gesprochen werden. Für die Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h braucht man nur einen vergleichsweise geringen Anlauf - auch weil der sechste Gang hier, im Gegensatz zu normalen Corvette-Modellen, einen relativ kurz übersetzten, echten Fahrgang darstellt. Die Höchstgeschwindigkeit ist übrigens elektronisch begrenzt, im Interesse der von Michelin speziell für den ZR1 entwickelten Pilot Sport-Reifen mit Runflat-Eigenschaften.

Die Corvette ZR1 zeichnet sich durch sicheres Fahrverhalten aus

Was die Corvette an negativer Beschleunigung produziert, ist mindestens ebenso bemerkenswert. Die Keramik-Bremsscheiben an der Vorderachse sind die größten, die der italienische Spezialist Brembo derzeit herstellt. Sie haben das Format einer amerikanischen Familienpizza und packen zusammen mit ihren unwesentlich kleineren Kollegen an der Hinterachse so gnadenlos zu wie ein ausgehungertes Riesenkrokodil. Die Messwerte sagen alles - rekordverdächtig kurze Bremswege, Fading bei höchster Beanspruchung: null. Was sie nicht sagen: Ansprechen, Dosierbarkeit und Geräuschentwicklung lassen nichts von dem erkennen, was bei den ersten Keramik-Generationen das Vergnügen trübte.

Ein sehr sicheres, problemloses Fahrverhalten zeichnet diesen US-Sportwagen aus, der mit Zeiten um 7,26 Minuten auf der Nordschleife des Nürburgrings, gefahren von GM-Entwicklungsingenieur Jim Mero, längst sein Potenzial unter Beweis gestellt hat. Das ESP hält die Corvette schon im Normalmodus an der lockeren Leine, was bedeutet, dass der Umgang mit der Leistung von einer ähnlicher Weisheit geprägt sein sollte wie der mit einer vollen Flasche Whisky. Genuss ohne Reue verspricht der dank adaptiven Stoßdämpfern für einen Sportwagen dieses Kalibers überraschend ordentliche Fahrkomfort. Gratulation also, die Corvette ist endgültig im Supersportwagen-Himmel angekommen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Platzangebot
  • großer Kofferraum
  • sehr reichhaltige Ausstattung
  • guter Qualitätseindruck
Fahrkomfort
  • gut abgestimmte Federung
  • bequeme Sitze
  • wirksame Klimatisierung
  • teilweise unübersichtliche Bedienung
  • relativ laute Windgeräusche
Antrieb
  • extrem starker, sehr gut ansprechender Achtzylindermotor
  • hervorragende Fahrleistungen
  • gute Laufkultur
  • gut abgestuftes Getriebe
  • Getriebegeräusche im unteren Drehzahlbereich
Fahreigenschaften
  • hohe Kurvenstabilität
  • gutmütiges Eigenlenkverhalten
  • präzise Lenkung
  • gut abgestimmtes ESP
  • gute Handlichkeit
Sicherheit
  • überdurchschnittlich wirksame und standfeste Bremsen
  • gute Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • nur Euro 4-Einstufung
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Was die Leistung angeht, spielt die Corvette ZR1 in der Liga weit teurerer Exoten. Auch Fahrwerks- und Handlingeigenschaften sowie die überragenden Bremsen machen sie zu einem echten Supersportwagen.

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Technische Daten
Corvette ZR1
Grundpreis135.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4459 x 1927 x 1246 mm
KofferraumvolumenVDA634 L
Hubraum / Motor6162 cm³ / 8-Zylinder
Leistung476 kW / 647 PS (819 Nm)
Höchstgeschwindigkeit320 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,6 s
Verbrauch14,9 L/100 km
Testverbrauch1,0 L/100 km
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