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Daten statt Raten

Foto: k.A. 6 Bilder

Aus dem Rennsport sind moderne Data-Recording-Systeme nicht mehr wegzudenken. Die Leistung von Mensch und Maschine wird penibel überwacht. Neue Systeme ermöglichen nun auch engagierten Privatfahrern die kritische Selbstanalyse

06.12.2005 Anja Wassertheurer Powered by

Popometer, Bauchgefühl? Derartige Begrifflichkeiten haben im Rennsport ausgedient. Seit moderne Data-Recording-Systeme die Herrschaft übernommen haben, fallen Ausreden schwer.

Überdrehte Motoren, nachlassende Reifen, falsche Gangwahl – all das lässt sich, wenn es denn die Ursache für einen Crash, Ausrutscher oder schlechte Rundenzeiten war, – präzise analysieren und mit hieb- und stichfestem Zahlenmaterial untermauern und belegen.

Selbst in Einstiegsserien, wo nicht selten wenig versierte Zahlfahrer ihr Mütchen kühlen, finden sich inzwischen sorgsam kaschierte schwarze Kästchen. Schließlich will der Teamchef wissen, wem ein eventueller Schaden in Rechnung zu stellen ist.

Doch die aktuellen Systeme bergen für engagierte Hobby-Piloten beileibe nicht nur Risiken, sondern auch Chancen, wie der VLN-Team-Chef und Fahrzeugtechniker Nicolas Raeder in seiner Diplomarbeit „Fahrer- und Fahrzeuganalyse unter Verwendung einer Motorsport-Datenaufzeichnung“ unterstreicht.

Wer wissen will, warum er wo wie schnell ist, oder warum er nicht an die Zeiten des Team-Kollegen herankommt, kann aus dem mittels Data-Recording ermittelten Zahlenwerk wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Denn zwischen dem subjektiven Gefühl des „voll Stehenlassens“ und einem tatsächlich bis zum Bodenblech durchgetretenen Gaspedal liegen oft Welten.

Mit den neuen, einfacher zu bedienenden und günstiger gewordenen Messgeräten lässt sich somit konsequent an den eigenen Fähigkeiten arbeiten. Denn im Gegensatz zur Formel 1, wo grundsätzlich davon auszugehen ist, dass nicht der Fahrer, sondern das Auto die Grenze des Möglichen markiert, ist es im Breitensport zumeist umgekehrt. Wer eine kritische Dis- tanz zum eigenen Fahrvermögen und den festen Willen zur Fortbildung mitbringt, ist somit gut beraten, sich bei der Analyse seiner Rundenzeiten auf hieb- und stichfestes Datenmaterial zu verlassen.

Die neue, mobile Geräte-Generation, die sich mittels einfach zu montierender Mess- und Anzeige-Einheiten in kürzester Zeit aus- und einbauen lässt, offeriert selbst Sportfahrern, die die Rennstrecke in ihrem privat genutzten Auto unter die Räder nehmen, ein gezieltes, datengestütztes Trainingsprogramm.

Mit wie viel m/s2 habe ich beim Anbremsen der Ameisenkurve in Hockenheim tatsächlich verzögert? Wie groß war die

in der Querspange herrschende Querbeschleunigung? Und welche maximale Geschwindigkeit hatte das Auto am Ende der Start-Ziel-Geraden drauf? Solche und ähnliche Fragen, die beim sport auto-Testprozedere zum täglich Brot gehören, können auch Sportfahrern helfen, ihr Fahrkönnen sukzessive zu verbessern.

Bislang war ein derart analytisches Vorgehen jedoch mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden. Die für die Profis in Rennsport, Industrie und Fachpresse entwickelten Messsysteme sind zumeist gegen alle Eventualitäten wie beispielsweise häufigen Umbau, Einsatz bei Wind und Wetter und Dauergebrauch gewappnet und daher entsprechend teuer. Auch an die Detailgenauigkeit der Aufzeichnungen, den Komfort der mitgelieferten Software bei der Auswertung am PC und die Speicherkapazität eines Geräts stellen Profis einen anderen Anspruch als Hobbypiloten.

Verschiedene Anbieter haben ihr Angebot daher nach unten erweitert und bieten nun preiswerte und dennoch genaue Datenaufzeichnungsgeräte für jedermann an.

Zu diesen zählt die britische Firma Race-Technology. Deren Basis-Gerät AP22 gibt es bereits für günstige 200 Euro. Es verfügt über eine kleine interne Speicherkarte, die rund zehn Messungen fasst, muss jedoch ohne PC-Anschluss auskommen. Die Daten zeigt das Display an.

Das GPS-gestützte System AX22 ermöglicht bereits ein sehr viel breiteres Einsatzspektrum (siehe Kasten) und ist gleichfalls für kleines Geld zu haben. Es lässt sich problemlos montieren, verfügt über eine ausgereifte Software und liefert ausreichend präzises Datenmaterial. In Sachen Erweiterbarkeit und Qualität der Bauteile kann das primär für den Privatgebrauch gedachte System jedoch nicht mit den sehr viel teureren Profi-Geräten des gleichen Herstellers oder den Kits der im Rennsport groß gewordenen Anbieter 2D und Stack konkurrieren.

Somit kann nach etlichen Monaten akribischer Datenarbeit sehr wohl eine neuerliche Investition vonnöten sein. Vielleicht braucht es zur genaueren Analyse ja doch noch eines Federbein- oder Drosselklappensensors? Und eine größere Speicherkarte könnte auch nicht schaden.

Die Messgeräte-Industrie ist für alles gerüstet – und das Ende der Fahnenstange längst noch nicht erreicht.

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