BMW 335i Coupé 24 Bilder Zoom

Dauertest BMW 335i Coupé: Das BMW 335i Coupé läuft, und läuft und läuft

Mit kraftvollem Antritt meistert das BMW 335i Coupé den Dauertest problemlos. 306 PS und ein betörend rauer Sechszylinder-Klang machen den flinken Sportler zu einer preiswerteren M3-Alternative.

Wieso, weshalb, warum - wer zum ersten Mal im BMW 335i das Gaspedal gen Bodenblech drückt, stellt sich automatisch drei Fragen. Wieso, weshalb, warum gibt es eigentlich noch einen BMW M3?

Für den sport auto-Langzeittest rollt das zweitstärkste Modell der aktuellen 3er-Baureihe in den Dauertestfuhrpark. Mit seinem 306 PS starken Reihen-Sechszylinder übertrumpft der 335i sowohl den ersten M3 der Baureihe E30 (195 bis 215 PS) als auch das Dreiliter-Aggregat des M3 E36 mit 286 PS. Klar, mit Achtzylinder-V-Motor und 420 PS bleibt der aktuelle M3 (E90-E93) als Extremsportler der 3er-Baureihe ungeschlagen. Doch auch wenn beim 335i genau 114 Pferde weniger unter der Haube stampfen, besticht das elegante Coupé mit seinem vielseitigen Talent. Ob verwinkelte Serpentinen oder Reisekilometer auf der Autobahn - der agile Hecktriebler meistert beides mit Bravour.

Der BMW 335i als perfekter Reisebegleiter

"Angenehmer kann man nicht reisen - der perfekte Langstreckensportler", lautet der erste Eintrag ins Fahrtenbuch bei Kilometer 3.613. Rauf auf die Beschleunigungsspur. 400 Newtonmeter maximales Drehmoment schieben das Coupé sofort kräftig vorwärts. Die Leistungsentfaltung überzeugt. Ohne eine spürbare Verzögerung sprechen die beiden kleinen Turbolader mit 39 Millimeter Schaufelraddurchmesser und jeweils maximal 0,6 bar Ladedruck an. Bei der Einstandmessung im März 2008 rennt der Bayern-Express in 5,7 Sekunden von null auf Tempo 100. Nach rund 60.000 Kilometern dauert die gleiche Prüfung eine Zehntelsekunde länger. Insgesamt 21 Sekunden vergehen, bis die Tachonadel auf 200 km/h klettert.

Ohne elektronische Fahrhilfen scharrt der Sportskerl in den ersten beiden Gängen beim scharfen Beschleunigen mit den Hinterrädern. Auch in engen Kurven tendiert das entlastete, kurveninnere Rad der Antriebsachse zu Traktionsverlusten und dreht durch. Bei eingeschalteten Fahrhilfen bremst das DSC durch selektiven Bremseingriff. Für ambitionierte Fahrer wäre eine mechanische Differenzialsperre zur besseren Kraftübertragung die wünschenswertere Alternative. Womit wir wieder bei den drei W-Fragen wären. Alle aktuellen M3-Modelle rollen serienmäßig mit einem variablen, bis zu hundert Prozent sperrendem Differenzial vom Band.

Die unterschiedlichen Motorkonzepte ergeben nicht nur einen anderen Klang

Während der 3er-Primus mit V8-Herz bei einer Höchstdrehzahl von bis zu 8.400/min infernalisch schreit, massiert das Biturbo-Triebwerk mit rau grummelndem Bariton das Gehör der 335i-Passagiere. Bei 7.000/min setzt der Drehzahlbegrenzer ein. Die unterschiedlichen Motorkonzepte machen sich nicht nur beim Klang bemerkbar. Weniger Zylinder bedeuten auch weniger innere Reibung und niedrigeren Verbrauch. Das breit nutzbare Drehzahlband des 335i spielt beim Verbrauch ebenso eine wichtige Rolle. Das maximale Drehmoment liegt zwischen 1.300 und 5.000/min an.

Auch wenn das knackige Sechsganggetriebe mit präziser Gassenführung überzeugt, verharrt der Schaltstock dank des breiten Drehzahlspektrums speziell auf langen Strecken meistens in der sechsten Fahrstufe. Trotz Twin-Turbo-Aufladung, drei Liter Hubraum und über 300 PS sinkt der Minimalverbrauch auf akzeptable 9,8 Liter. Im Schnitt schlürft der 3er 12,4 Super Plus auf hundert Kilometer. Das 2007 im sport auto-Supertest angetretene M3 Coupé gönnt sich im Mittel auf derselben Distanz 16,3 Liter. Doch auch der 335i kann zünftig trinken. Wer häufiger die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ausnutzt, darf sich über Verbrauchswerte nahe der 20-Liter-Marke nicht wundern.

Das BMW M3 Coupé distanziert sich auf der Rennstrecke deutlich vom BMW 335i Coupé

"Sahnig, cremig, bärig - die Bayern können’s halt", fließt aus einer anderen Tester-Feder in die Dauertest-Notizen. Mit seiner Rundenzeit auf dem Kleinen Kurs von Hockenheim zeigt der 335i, dass er nicht nur auf der Autobahn zu Hause ist. In 1.17,8 Minuten fegt der Dauertest-BMW exakt so schnell über die Ziellinie auf der badischen Rennstrecke wie das Supertest-Coupé von 2006 (sport auto 10/06). Im Vergleich zu seiner Mittelklasse-Konkurrenz ist der Langzeit-Redaktionsgast damit nur fünf Zehntel langsamer als der Audi S5 mit Allradantrieb und 27 PS mehr Leistung (sport auto 1/08).

Wieso, weshalb, warum M3? Auf der Rennstrecke zeigt die 3er-Speerspitze mit Sperrdifferenzial seinem kleineren Bruder klar, wer Herr auf der Piste ist. Mit einer Rundenzeit von 1.14,3 auf dem Kleinen Kurs von Hockenheim und 8.05 Minuten (335i: 8.26 Minuten) auf der Nordschleife distanziert sich das M3 Coupé deutlich vom 335i Coupé. Dennoch glänzt auch der 335i mit agilem Fahrverhalten. Der Bayer wedelt im 18-Meter-Slalom mit 68,2 km/h durch die Pylonengasse. Trotz nahezu identischem Gewicht (1.616 Kilogramm) ist er schneller als die 335i-Limousine (67,6 km/h) und der Audi S5 (67,5 km/h).

Auch bei deaktiviertem DSC überzeugt das 335i-Coupé bei trockenen Fahrbahnverhältnissen lange mit neutralem Fahrverhalten, bevor es leicht zu übersteuern beginnt. Bei Nässe reagiert das 335i-Coupé empfindlicher. Das bei Trockenheit befriedigende Gripniveau schwindet schnell. Unter Last keilt der 3er gern mit dem Heck in Richtung Kurvenaußenrand aus, bevor er durch gut abgestimmte DSC-Eingriffe wieder eingefangen wird. Dank der geschwindigkeitsabhängigen Aktivlenkung (1.300 Euro Aufpreis) lässt sich der 335i sowohl auf der Rundstrecke präzise an die Curbs zirkeln als auch im Stadtverkehr im unteren Tempobereich leichtfüßig bewegen. Getestete Modelle ohne Aktivlenkung fühlen sich hier deutlich schwerfälliger an.

Das Manko des BMW 335i Coupé sind die Reifen

"Das Auto ist eine Wonne, nur die Reifen rollen deutlich zu hart ab", lautet ein weiterer Testeintrag, der in ähnlicher Form wiederholt im Dauertest-Fahrtenbuch auftaucht. Im Mittelpunkt der Kritiker stehen die 19-Zoll-Räder mit Runflat-Mischbereifung (Bridgestone Potenza RE 050A). Bodenwellen und Querfugen geben die Pneus mit niedrigem Querschnitt (225/35 R 19 vorn und 255/30 R 19 hinten) ungefiltert an die Passagiere weiter. Ein adaptives Fahrwerk à la M3 wäre eine Lösung für besseren Federungskomfort. Dies ist jedoch für den 335i nicht erhältlich. Deutlich mehr Fahrkomfort, aber weniger optische Reize bieten die 17-Zoll-Räder. Doch der sport auto-Dauerläufer geht nicht nur mit sportlichem Schuhwerk an den Start, sondern kleidet sich auch mit dem dynamischen M-Sportpaket (Aufpreis 2.750 Euro).

Neben einem Sportfahrwerk mit strafferer Abstimmung und 15 Millimeter Tieferlegung trägt das Coupé markantere Schürzen als seine Serienbrüder. Ein Sportlenkrad, Aluminium- Dekorblenden und elektrisch verstellbare Sportsitze für Fahrer und Nebenmann setzen im Interieur sportliche Akzente. "Super Passform, aber der schnelle Verschleiß ist ärgerlich", steht bei Kilometer 52.300 vermerkt. Während der sehr gute Seitenhalt überzeugt, hätte die Lederqualität für 1.500 Euro Aufpreis robuster ausfallen können. Die unschönen Gebrauchsspuren vor allem an den Seitenwangen der Lehnen trüben den ansonsten hochwertigen Eindruck der Materialqualität im 335i-Innenraum.

Nur ein außerplanmäßiger Besuch in der Werkstatt

Davon abgesehen bleibt die Mängelliste so weiß wie die Außenhaut des Coupés. Planmäßig rollt der 335i zwei Mal zur Inspektion mit Ölwechsel in die Werkstatt. Nach 40.885 Kilometer tauschen die BMW-Mechaniker außerdem die Bremsbeläge an der Hinterachse (299 Euro inklusive Arbeitslohn). Nur einmal steuert der treue Dauertest-Kandidat im März 09 zum außerplanmäßigen Boxenstopp die Werkstatt an. Eintrag im Fahrtenbuch, Kilometer 50.920: "Linker Außenspiegel durch umfallende Skier abgerissen." Ein kleines Malheur mit saftigen Folgekosten. Für einen neuen, elektrischen Außenspiegel mit Abblendfunktion berechnet BMW 433 Euro inklusive Arbeitslohn.

Womit wir wieder bei den drei W-Fragen wären. Wieso, weshalb, warum keinen M3, sondern einen 335i kaufen? Mit einem Grundpreis von 45.850 Euro ist der Sechszylinder 22.100 Euro günstiger als ein M3 Coupé mit Basisausstattung. Selbst der gut ausgestattete Dauertestwagen (Neupreis 2008: 59.880 Euro) liegt unterhalb des M3-Basispreises. Wer sportlich unterwegs sein möchte, ohne auf Alltagskomfort zu verzichten, findet im 335i eine preiswertere Alternative. Manches Mal können die Zweiten doch die Ersten sein.

Christian Gebhardt

Foto

Rossen Gargolov

Datum

17. November 2009
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 11/2009.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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