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Dauertestbilanz des Audi A3 3.2 Sportback

Irgendwo zwischen Kombi und Sportler

Audi A3 Sportback 3.2 quattro Foto: Rossen Gargolov 13 Bilder

Der Audi A3 Sportback 3.2 quattro war 100.000 Kilometer lang ein treuer Kumpel. Der 250 PS starke Allradler gab sich nur geringfügige Blößen.

05.11.2007 Claus Mühlberger Powered by

Die klassische Marktlücke gibt es im Automobilgeschäft schon lange nicht mehr. Die Marketing-Experten haben jetzt die Marktritzen ins Visier genommen. Die A3-Baureihe von Audi liefert ein treffliches Beispiel dafür.

Sport im Namen aber kein Sportwagen

„Sportback“ heißt die angesagteste Karosserieform in der Kompaktklasse: Vier Türen, hohe Gürtellinie, Schrägheck und 72 Millimeter mehr an Außenlänge im Vergleich zum gewöhnlichen A3 – fertig ist der Sportback. Sportback? Klingt ein bisschen ungelenk. Eloquent liefert der Audi-Prospekt die Erklärung: „Einzigartig in der Premiumklasse. Fünf Türen und sportlich wie ein Coupé.“ So soll es sein. Doch ist der Sportback nicht in Wahrheit eher ein Kombi, was in der Audi-Diktion „Avant“ heißt? Ein bisschen schon, wenngleich das nicht besonders steil aufragende Heck den Transport von wirklich sperrigen Sachen wie Kühlschrank oder Waschmaschine nur mit geöffneter Heckklappe erlaubt. Aber das nur nebenbei, denn maximale Transportkapazität steht bei sportlichen Autos sicherlich nicht ganz oben im Anforderungsprofil.

Doch ist der A3 Sportback wirklich ein Sportwagen? Nein, ist die klare Antwort nach 100.000 Kilometern im Dienst von sport auto. In diesem Punkt sind sich alle Redaktionsmitglieder so einig wie sonst nur bei der Wahl des Mittags zu beehrenden Restaurants. Für einen wahren Sportwagen fehlt es dem Motor an grimmigem Biss und dem Fahrwerk an der Schärfe. Es wäre aber grundfalsch, dem Audi daraus einen Strick zu drehen. Der Allradler überzeugt mit anderen Tugenden. Nervenschonend, komfortabel und leise transportiert er seine Besatzung von A nach B.

Auch im Vergleich zu weitaus größeren Mittelklasse-Limousinen kann sich der A3 sehen lassen. Der 3,2 Liter große V-Motor hat mancherlei Tugenden. Seine Laufruhe überzeugt ebenso wie der feine, aber niemals aufdringliche Sound beim Ausdrehen der Gänge. Doch mancher Fahrer konnte es kaum glauben, dass er bei der relativ hohen Nenndrehzahl von 6.300/min wirklich 250 PS liefert. Im direkten Beschleunigungsvergleich mit dem lediglich 200 PS leistenden VW Golf GTI (mit Zweiliter-Turbo-Vierzylinder) verbucht der Audi erst im Geschwindigkeitsbereich jenseits von 220 km/h klitzekleine Vorteile.

Unterschiede, die in der Autobahn-Praxis fast keine Rolle spielen: Der Audi ist demnach nicht in der Lage, den Golf abzuhängen. Mit einer Zeit von 6,8 Sekunden für den Standardsprint von null auf 100 km/h verfehlte der Dauertest-A3 schon bei der Einstandsmessung die Werksangabe von 6,4 Sekunden recht deutlich. Bei der Abschlussmessung gönnte sich der A3 noch zwei Zehntelsekunden mehr.

Zu schwer für den schnellen Spurt

Eine Erklärung für die eher matten Spurts liegt sicherlich im hohen Gewicht. Der Test-A3 drückt mit korpulenten 1.632 Kilo auf die Waage, fast zwei Zentner mehr, als in den Werksangaben versprochen. Die sechs Gänge im Test-A3 müssen nach alter Sitte im Doppel-H-Schema sortiert werden. Es funktioniert zwar stets flutschig-exakt. An die Eleganz des ohne Schubkraftunterbrechung arbeitenden Doppelkupplungsgetriebes DSG, das bei Audi auf den Namen „S tronic“ getauft wurde, kommt es prinzipbedingt aber nicht annähernd heran. Diesen famosen Schaltautomat sollte man sich auf jeden Fall gönnen, auch wenn er 1.900 Euro extra kostet. Der Fahrspaß erhöht sich beträchtlich, und, aller Voraussicht nach auch der Wiederverkaufswert.

Der A3 ist ein durstiger Geselle

Über akuten Leistungsmangel hat sich keiner der A3-Tester beklagt. Eher schon über die Trinksitten. Wenn man den 3,2 Liter großen VR6-Saugmotor laufend ausquetscht, leert der Ingolstädter seinen Tank fast so zügig wie ein Burschenschaftler den Bierhumpen. Bleifuß heißt: Knapp 20 Liter rauschen schon mal durch. Im Schnitt konsumierte der A3 12,7 Liter Super Plus auf 100 Kilometer – fast einen halben Liter mehr als der 300 PS leistende Volvo S60 R, der sport auto bis Ende 2005 als Dauertest-Lastesel diente.

Auf der Habenseite des VR6-Motors steht seine absolute Zuverlässigkeit. Ölverbrauch? Ebenfalls Fehlanzeige. Lediglich die Motorperipherie verursachte Kummer. Gleich dreimal versagte die Klimaanlage. Gemessen am Premiumanspruch des Ingolstädter Hauses ein ernsthaftes Delikt, das sich jedoch bei genauerer Prüfung als nicht ganz so schlimm erweist. Zweimal war die Inkompetenz der Werkstatt schuld. Wenn die Mechaniker drei Anläufe benötigen, um zu erkennen, dass der Grund für die streikende Aircondition in einem defekten Simmerring liegt, darf man sich getrost fragen: Was machen die Servicetechniker denn beruflich?

Die Blackbox wird auf Garantie getauscht

Ein mysteriöser Defekt kündigte sich bei Kilometerstand 84.300 an: Die gelbe ESP-Warnleuchte schlug Alarm. Ein Kavalierstart zur Probe auf einem geschotterten Parkplatz ergab obendrein gravierende Traktionsmängel: Kies spritzte auf – und zwar anders, als bei einem Allradler zu erwarten ist, nur an den Vorderrädern. Umfassende Diagnose: Neben dem elektronischen, mit gezieltem Bremseingriff arbeitenden Schleuderverhinderer ESP hatte das defekte Steuergerät auch gleich die Traktionskontrolle sowie die den Kraftfluss zur Hinterachse regelnde Haldex-Kupplung schachmatt gesetzt. Die Blackbox wurde auf Garantie ausgetauscht. Die Fahrt zur Werkstatt – nur mit Vorderradantrieb – war natürlich aus eigener Kraft möglich.

Das Vergnügen, einen A3 in Vollausstattung zu fahren, ist alles andere als billig: Auf stattliche 44.610 Euro summiert sich der Kaufpreis des Testwagens. Davon entfielen rund 10.000 Euro auf Goodies wie Soundanlage (samt Navigationssystem 3.360 Euro), Durchladeeinrichtung mit Skisack (225 Euro) oder Xenonlicht (750 Euro). Kaum zu glauben, aber wahr: Audi geniert sich nicht, selbst für eigentlich selbstverständlich erscheinende Features ordentlich Geld zu nehmen. So kostet die Klimaanlage stattliche 1.425 Euro. Und selbst ein beleuchteter Makeup-Spiegel wird mit 70 Euro extra berechnet.

Da mag der vergleichsweise geringe Wertverlust trösten: Mit einem Schätzpreis von 23.050 Euro nach knapp zweieinhalb Jahren erwies sich der A3 als überdurchschnittlich wertstabil. Im täglichen Umgang gefiel der A3 mit vielen Annehmlichkeiten: Die Bose-Soundanlage schmeichelte selbst verwöhntesten Lauschern. Die Navigation untermauerte mit ihrer leichten, intuitiven Bedienung den Testsieg, den Audi bei einem Vergleichstest dieser Geräte in der Fachzeitschrift „Connect“ davontrug. Ob Sitzriese oder Stehzwerg: Alle fanden im A3 die perfekte Position hinter dem Lederlenkrad; dem großen Verstellbereich der Sitze sei Dank.

Das Xenonlicht mag zwar Vorausfahrenden immer noch als aufdringlich erscheinen, es bietet aber handfeste Vorzüge. Auch das Fahrwerk gab nicht den geringsten Grund zur Klage: Bei den Stoßdämpfern wurden auch nach der Marathondistanz keinerlei Anzeichen von Knieschwammerl diagnostiziert. Der Audi lag stramm auf der Straße wie eh und je. Nach dem Geschmack der Hardcore-Sportler in der Redaktion hätte es noch ein bisschen straffer sein dürfen. Doch diese Meinung teilten keineswegs alle Kollegen.

Nur Lob heimste der A3 hingegen für die präzise Lenkung ein. Traktion war prinzipbedingt natürlich kein Thema. Quattro entschärft selbst die steilsten Eisrampen auf winterlichen Pisten. Und es macht wenig Mühe, auf einem verschneiten Parkplatz einen schönen Donut-Walzer hinzuzaubern. Da soll noch einer sagen, der Sportback hätte keine sportlichen Talente.

Technische Daten
Audi A3 Sportback 3.2 Quattro
Grundpreis33.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4286 x 1765 x 1423 mm
KofferraumvolumenVDA302 bis 1052 L
Hubraum / Motor3189 cm³ / 6-Zylinder
Leistung184 kW / 250 PS (320 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,4 s
Verbrauch10,6 L/100 km
Testverbrauch12,7 L/100 km
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