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Dauertestbilanz des VW Golf GTI DSG

Beständige Liebe auf den zweiten Blick

Gargolov 14 Bilder

Der VW Golf GTI mit DSG war der erste Dauertestkandidat, der die Redaktion nicht mehr laufleistungs-, sondern zeitgebunden beehrte. Nach anderthalb Jahren notierte der Zähler 82.590 Kilometer. Besondere Vorkommnisse? So gut wie keine.

05.12.2007 Anja Wassertheurer Powered by

Manchmal ist das so mit der Liebe – manchmal braucht sie etwas Zeit. Da steht er nun also, der neue sport auto-Dauertester von Volkswagen. Feuerrot wie bestellt, mit karierten Stoffbezügen auf dem gut konturierten Sportgestühl und dem Erwartungen weckenden silbern blitzenden GTI-Emblem im Kühlergrill. Spontane Begeisterung, Kribbeln im Bauch, oder unwiderstehlicher Drang zur sofortigen gemeinsamen Flucht?

Vulgäres Prahlen überlässt er den Anderen

Das nun doch nicht. Die erste Kontaktaufnahme mit dem viertürigen Turbo-befeuerten Zweiliter-Golf fällt so manierlich aus wie dessen Äußeres. Vulgär über dicke schwarze Gummis gespannte Radhäuser sucht das hungrige Auge hier ebenso vergebens wie üppige Spoiler oder Flügelwerk. Sollen sie doch prahlen, die Anderen. Derlei halbstarken Torheiten ist der über die Jahre solide gewordene Norddeutsche längst entwachsen. Gut sieht er aus, aber artig, irgendwie anders, aber auch typisch – typisch Golf, typisch VW. Und eben das scheint auch das Pfund zu sein, mit dem der Golf GTI wuchern kann.

Nichts ist anders als erwartet. Eine Sicherheit, die selbst die Jugend zu goutieren scheint. Mit 38 Jahren ist der durchschnittliche GTI-Käufer vergleichsweise jung. Über die gesamte Golf-Palette hinweg liegt das Durchschnittsalter mit 46 Jahren ein gutes Stück höher. Die Zulassungsstatistik unterstreicht die Beliebtheit des Kompaktsportlers, der einer ganzen Wagenklasse ihren Namen gab: Jeder zwanzigste zugelassene Golf ist ein GTI. Als das 200 PS starke Topmodell an den Start rollte, wurde vorübergehend gar jeder zehnte Golf mit dem von einem Abgasturbolader zwangsbeatmeten Zweiliter-Vierzylinder versehen. Seit Kurzem rundet ein 230 PS starkes Jubiläumsmodell die Modellpalette nach oben ab.

Liebe auf den zweiten Blick

Aber zurück zum feuerroten Spielmobil und der Sache mit der Liebe auf den zweiten Blick, die – das kennt man aus zwischenmenschlichen Beziehungen – nicht selten die beständigere ist. Um den Preis und das Fahrzeuggewicht nicht unnötig in die Höhe zu treiben, wurde die Ausstattung des Golf komfortabel, aber nicht übertrieben üppig gewählt. Zusätzlich zu den rundum 7,5 x 18 Zoll messenden Leichtmetallrädern namens „Detroit“ bekam der sport auto-GTI vier Türen nebst elektrischen Fensterhebern hinten, die Diebstahlwarnanlage „Plus“, eine Geschwindigkeitsregelanlage, Kopf- und Seitenairbags vorn und hinten, Xenonscheinwerfer, ein Winter- und ein Raucherpaket (fürs Bonbonpapier) sowie – last but not least – das Volkswagen-Soundsystem mit Multifunktionsdisplay und Navigation spendiert. Damit erhöht sich der Preis des DSG-Modells von 26.275 auf 32.705 Euro. Im Vergleich zur direkten Konkurrenz kann der Golf GTI sich damit durchaus sehen lassen.

Sehr viel günstiger lassen sich sportliche Gelüste andernorts auch nicht befriedigen. Ob Skoda Octavia RS oder Renault Mégane Sport – bei vergleichbarer Ausstattung rangieren die Preise auf ähnlichem Niveau. Wie aber verhält es sich mit den fahrdynamischen Anlagen? Ist auch da weit gehend Gleichstand angesagt? Nicht ganz – wie der VW-Konzern-interne Machtkampf identisch motorisierter Kompaktautos ergeben hat. Im in Ausgabe 5/2006 erschienenen Vergleich zwischen Audi, Seat, Skoda und VW hatte mit dem Octavia RS ausgerechnet das eigentlich gewichtigste Auto die Nase vorn.

Der Golf GTI mit manuellem Sechsganggetriebe konnte damals nur den Seat Leon 2.0 TFSI in die Schranken weisen. Im Fazit blieb daher zu konstatieren, dass der kompakte VW im Alltag ein hervorragendes Auto ist, es ihm sportlich betrachtet jedoch an Biss fehlt. Dass für die DSG-Variante Ähnliches gilt, ist bereits den ersten Einträgen der jeden sport auto-Testwagen begleitenden gelben Karte zu entnehmen. „Fahrwerk sehr weich, indirekte Lenkung, aber sehr gutmütig“, notiert das Fahrtenbuch nach dem ersten Fahrdynamiktest im schwäbischen Malmsheim. Die im 18-Meter-Slalom ermittelte Durchschnittsgeschwindigkeit liegt mit 65,1 km/h denn auch aufs Zehntel genau auf dem Niveau des anno 2006 getesteten Handschalters. Auf der 2,6 Kilometer langen Runde in Hockenheim lässt der rund 40 Kilogramm schwerere DSG-GTI gegenüber seinem zuvor getesteten Bruder vier Zehntelsekunden liegen, beim Sprint hat er die rundliche Nase insbesondere am Ende des 80.000-Kilometer-Tests leicht, auf der Bremse deutlich vorn. Mit 10,4 m/s² packte der Dauerläufer bei warmer Bremse wesentlich bissiger zu als einst der normale Testwagen (9,8 m/s²).

Im Schnitt rinnen elf Liter durch die Brennräume

Erstaunliche Einigkeit herrscht dagegen beim Spritverbrauch. Im günstigsten Fall begnügte sich der rote GTI mit 8,6 Liter Super Plus auf 100 Kilometer, bei Test- und Messfahrten mit hohem Vollgasanteil ließ sich der aufgeladene Direkteinspritzer auch schon mal 17,6 Liter des edlen Treibstoffes durch die vier Brennräume rinnen. Im Mittel pendelte sich der Testverbrauch auf den insgesamt absolvierten 78.504 Kilometern jedoch ebenso wie beim damaligen Testkandidaten bei etwas über elf Litern ein. Ein Wert, der in dieser Leistungs-/Gewichtsklasse absolut in Ordnung geht.

So viel zum nüchternen Zahlenwerk. Was im Verlauf des Langzeittests sonst noch auffiel, ist bis auf eine Klitze-Kleinigkeit uneingeschränkt positiv zu werten. Wer sich mit der etwas hoch geratenen Sitzposition auf dem überaus passgenau und komfortabel ausgefallenen Sportgestühl sowie der nicht weit genug nach unten absenkbaren Lenksäule arrangieren kann, dürfte am Golf GTI kaum etwas zu mäkeln haben. Und so sind denn die Eintragungen im Fahrtenbuch durchweg positiver Natur, wenngleich sie vielleicht nicht rundum dem entsprechen, was man im Allgemeinen mit dem Namen GTI assoziiert. „Was für ein praktikables Auto – auch und gerade im Winter extrem tauglich“, staunte beispielsweise sport auto-Chef Horst von Saurma in schriftlicher Form und kürte den 200-PS-Golf flugs zu seinem neuen Traumwagen: „Im Alltag gibt es nichts Besseres.

Turboloch ist ein Fremdwort im GTI

Das ohne Zugkraftunterbrechung agierende Doppelkupplungsgetriebe passt perfekt zur Charakteristik des Motors. Von Turboloch ist da nichts zu spüren. Und dann dieser Sound beim Durchbeschleunigen. So müssen sportliche Autos klingen.“ Sport-Kollege Claus Mühlberger ging gar noch einen Schritt weiter und stellte mit den Worten: „Warum haben nicht alle Autos DSG?“ eine fast schon ketzerisch anmutende Frage. „Das ist wahrer Fortschritt und im Sport-Modus und bei forcierter Fahrweise über Schweizer Pässe schlicht prachtvoll.“ Das eher komfortabel abgestimmte Fahrwerk, die „super Sitze“ und der hohe Qualitätseindruck ernteten bei dem Sport-Reporter, der in dem Viertürer mit der großen Klappe auch gut und gerne sein Mountainbike unterbrachte, gleichfalls Lob.

Die übrigen Familienmenschen der Redaktion goutierten das ausreichend bemessene Raumangebot im gut zugänglichen Fond und den vergleichsweise groß dimensionierten Gepäckraum nicht minder. Schlussredakteur Christoph Boblenz reihte sich also in eine illustre Fan-Riege ein, als er befand: „Alles prima im Golf.“ Einzig die zum Ende des Dauertests hin nicht mehr taufrische Navigations-Disc kostete den Textmann bei einer Reise in den Ostteil der Republik Nerven. Ob des Umstandes, dass der Software die neu gebaute Autobahn A 73 zwischen Schweinfurt und Erfurt gänzlich unbekannt war und das System sich 150 Pistenkilometer lang „off Road“ wähnte, verleitete ihn zu dem Ratschlag „besser eine Karte für den groben Überblick mitzuführen“. (Anmerkung der Redakteurin: Die Anschaffung einer neuen Navi-CD hätte es wohl auch getan.)

Neuwertiger Eindruck trotz 82.000 Kilometern

Und die Standfestigkeit und der Qualitätseindruck nach über 82.000 Testkilometern? Auch diesbezüglich gibt es nichts Negatives zu berichten. Außen wie innen steht der Golf GTI nach der den Dauertest traditionell beschließenden Grundreinigung neuwertig da. Von einem nicht zuzuordnenden leichten Lackschaden am vorderen Stoßfänger und Blessuren am Klarlack der hinteren rechten Felge abgesehen, outet den Wolfsburger nichts als Auto mit einer derart stolzen Kilometerleistung. Der Zweiliter-Turbo-Direkteinspritzer unter der Haube ist nach exakt 78.504 in sport auto-Hand absolvierten Kilometern mehr denn je im Vollbesitz seiner Kräfte: Die abschließende Beschleunigungsmessung fiel einen Tick besser aus als die zu Beginn.

Von dem bei Kilometer 46.965 auf Garantie ausgetauschten defekten Leerlaufventil und einer Radioreparatur zu Beginn des Dauertests abgesehen, suchte der GTI ausschließlich turnusmäßig die Werkstatt auf. Den größten Posten auf der Aufwandsliste machen demnach zwei Sätze Sommer- und ein Satz Winterreifen aus. Davon abgesehen schonte der Wolfsburger den Redaktionsetat in vorbildlicher Weise. Tiefes Luftholen könnte Privatfahrer beim Anblick des von der DEKRA Automobil GmbH in Stuttgart-Feuerbach erstellten Schätzgutachtens ereilen. Die Prüfer bezifferten den Wertverlust des sport auto-GTI mit rund 52 Prozent und ermittelten einen Händlerverkaufswert von gerade einmal 15.600 Euro für das erst anderthalb Jahre alte Auto. Der für eine eventuelle Inzahlungnahme interessante Händlereinkaufswert wurde inklusive Mehrwertsteuer mit lediglich 12.800 Euro beziffert. Dass diese Zahlen nicht wirklich die auf dem Markt herrschenden Bedingungen widerspiegeln, zeigt der Blick ins Internet. Bei autoscout24 sind entsprechende Fahrzeuge nicht unter 18.000 Euro zu haben – und zwar mit 05er Erstzulassung. So ist das eben mit der Liebe: Sie lässt sich nicht quantifizieren.

Technische Daten
VW Golf GTI
Grundpreis28.250 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4216 x 1759 x 1466 mm
KofferraumvolumenVDA350 bis 1305 L
Hubraum / Motor1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung147 kW / 200 PS (280 Nm)
Höchstgeschwindigkeit233 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,9 s
Verbrauch7,9 L/100 km
Testverbrauch11,2 L/100 km
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