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MTM Audi RS6 R im Test auf dem Hockenheimring

Zehn Zylinder bieten ein akustisches Erlebnis

Foto: Frank Herzog 21 Bilder

Viel hilft viel, dachte sich die Mannschaft von Tuner MTM. Was im vorliegenden Fall zum dem Ergebnis führt, dass dem gewichtigen Audi RS6 R eine mehr als angemessen wuchtige Leistung eingehaucht wurde. Nun stehen den über 2,1 Tonnen nicht weniger als 702 PS gegenüber.

31.01.2010 Jochen Übler Powered by

Die Wucht kommt ansatzlos, ohne weitere Umschweife und unmissverständlich aus der Tiefe des Raumes. Aus einem großzügigen Hubraum von knapp fünf Litern, zusammengebraut von zehn Zylindern und unter dem Druck von zwei flankierenden Turboladern. Angesichts derartig reichhaltiger Rahmenbedingungen wird klar: Leistung wird nicht in kleinen Dosen portioniert, sondern mit der ganz großen Kelle serviert. Mit Kleinigkeiten, ob optischer oder technischer Natur, hält sich ein Audi RS6 Avant nicht lange auf. Nicht in der Serie, und als MTM-Derivat gleich gar nicht. Als RS6 R, um ganz genau zu sein.
 
So haben die MTM-Mannen ihr schwarzes Monstrum jedenfalls getauft. Wobei das zusätzliche R wohl mehr für reichlich als für Rennsport zu verstehen ist. Weil von allem reichlich vorhanden ist. Viel Automobil, viel Gewicht und vor allem sehr viel unter der Haube. Wenn sich ein über 2,1 Tonnen schweres Gefährt schließlich mit einem Leistungsgewicht von lediglich 3,0 Kilogramm pro PS brüstet, muss sich nach Adam Riese hinter dem wuchtigen Kühlergrill Dramatisches vollziehen. Die vergleichsweise bescheidenen 580 PS der Serie sind also hier und jetzt Geschichte. Das Monstrum an Maschinenbau, das sich über der Vorderachse schwer und im prall gefüllten Motorraum breitmacht, reißt im MTM-Trimm mit 702 PS an und stemmt ein maximales Drehmoment von 785 Newtonmeter.

Eine sattliche Masse von 2.128 Kilogramm
 
Dabei ist die schiere Gewalt, mit der der Zehnzylinder schon ab 2.750/min auf die Kurbelwelle drückt, sogar noch reglementiert, um dem Getriebe nicht vielleicht doch den Garaus zu machen. Schon angesichts der Zahlenfluten scheint Sanftmut in diesem System nicht maßgeblich verankert zu sein. Und in der Tat geht es beim Tritt aufs Gaspedal derart ungeniert zur Sache, dass es einem die Hemdsärmel hochkrempelt.
 
Zuweilen ungewollt, weil der dezent angehobene Ladedruck die Power geradezu explosionsartig aufbereitet und somit die bereits in der Serie etwas digital anmutende Gasannahme noch stärker herausarbeitet. Wehe der Vater zuckt also zu stark mit dem rechten Fuß, dann verschlägt es Muttern erstmal die Sprache, während die Bengels auf der Rückbank lauthals jubilieren. Es mutet fast schon unverschämt an, wie sich der V10 schlicht und ergreifend einen Dreck um die stattliche Masse schert. Der elektronisch modifizierte Brandsatz nimmt die 2.128 Kilogramm auf die leichte Schulter. Gewaltige 702 Pferde zerren die Wuchtbrumme mit tiefer Stimme und einer faszinierenden Leichtigkeit in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 und nach läppischen 13,7 Sekunden auf 200 km/h.

Dicke schwitzen leichter
 
Überzeugende Werte, die höchstwahrscheinlich trotzdem nicht das Maß der Dinge sind, da sie gezwungenermaßen zum ungünstigsten Zeitpunkt ermittelt wurden. Nämlich bei brütend heißen 35 Grad Celsius der Luft und 48 Grad Celsius Asphalttemperatur. In diesem Fall stimmt es tatsächlich: Dicke schwitzen leichter. Trotz dieser widrigen Umstände schlägt sich der MTM-RS6 R in Hockenheim aber mehr als wacker. Die Messgerade stürmt er aufgrund etwas höherer Sturzwerte zwar im leichten Zickzack entlang, findet dabei jedoch den Ton, den die Serie vermissen lässt. Es geht doch: zehn Zylinder und Turbo-Punch als akustisches Erlebnis.
 
Tief und majestätisch sonor wummern die fünf Liter ihren Verbrennungsrhythmus aus den vier Edelstahlendrohren der mit einem Klappensystem konstruierten Auspuffanlage. Empfindsame Ohren mögen sich vielleicht an der Dröhnfrequenz zwischen 2.000 und 3.000 Touren reiben. Die meisten jedoch wird die orchestrale Darbietung beseelen. Spätestens, wenn jene kurzen dumpfen Schläge erschallen, die von den blitzschnell agierende Gangwechseln der Sechsgangautomatik künden. Gravierende Änderungen bezüglich gebotener Agilität sind hingegen nicht zu verkünden. Nach wie vor gibt sich der stattliche Wagen am Ende seiner fahrdynamischen Kräfte dem Untersteuern hin.

Der MTM-Audi RS6 R mit 1.14,7 Minuten auf dem Kleinen Kurs Hockenheim
 
Das enge Layout des Kleinen Kurses von Hockenheim kommt dem Allradler also nicht wirklich entgegen. Trotzdem verfehlen die breiteren Aufstandsflächen der 21-Zöller und die härteren Federn ihre Wirkung nicht. Letztere hinterlassen einen vertretbar straffen Eindruck, während die beibehaltenen Seriendämpfer etwas unterdämpft wirken. Zumindest bei der extremen Absenkung des Testwagens. Denn die Fahrwerkskomponenten bieten ein Novum: Gewindehülsen über den Stoßdämpfern ermöglichen eine variable Höhe.
 
Die gewählte Fahrwerks- und Reifenstaffage verhilft dem MTM RS6 R jedenfalls zu einem direkteren Einlenkverhalten. In schnellen Kurven, wie beispielsweise dem Linksknick in der Querspange, drängt sogar das Heck dezent nach außen. Im 18-Meter-Slalom wedelt das Dickschiff erstaunlich gut und ohne Lastwechselreaktionen durch den Pylonenwald und auf dem Kleinen Kurs führt es das Gesetz der Trägheit der Masse fast schon ad absurdum. Die Rundenzeit von 1.14,7 Minuten ist schließlich eine Wucht und kommt nicht nur aufgrund derselben zustande. Viel Leistung mag zwar viel bewirken, ist schlussendlich aber nur ein Teil der ganzen Gaudi.

Technische Daten
MTM RS6 R
Grundpreis130.024 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4928 x 1889 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA565 bis 1660 L
Hubraum / Motor4991 cm³ / 10-Zylinder
Leistung516 kW / 702 PS (785 Nm)
Höchstgeschwindigkeit310 km/h
Verbrauch14,0 L/100 km
Testverbrauch21,1 L/100 km
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