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Driften im Detail - Teil Zwei

Foto: Gargolov 9 Bilder

Nach dem Auslösen des Drifts dreht sich die zweite Folge unserer Serie um die perfekte Driftphase und die Lenktechnik.

19.02.2007 Jochen Übler Powered by

Nach dem schnellen und ruckartigen Auslösen des Drifts empfängt uns nun der schönste und genussvollste Teil der instabilen Fahrkunst – die Driftphase. Von nun an läuft alles ruhig, kontrolliert und weich ab. Wer den dafür nötigen Mechanismus automatisiert und effektiv umsetzt, läuft jedoch auch Gefahr, dem Driftvirus mit Haut und Haaren zu verfallen.

Die zur optimalen Umsetzung der Quertreiberei notwendigen Parameter scheinen in der Theorie zunächst überschaubar. Schließlich besteht die Driftphase mit einem Hecktriebler lediglich aus Gasstößen und Gegenlenken. Für die perfekte praktische Umsetzung sind jedoch eine gute Grundmotorik ebenso notwendig wie ein feinfühliges Popometer und die Gabe, mehrere Aktionen gleichzeitig auszuführen, da sich die Abläufe in Bruchteilen von Sekunden abspielen.

Das A und O für eine blitzschnelle Aktion und Reaktion sind jedoch zunächst die richtige Sitzposition und vor allem die korrekte Lenktechnik. Wie in der Fotoshow dargestellt, ist zunächst auf eine perfekte Grundhaltung zu achten. Analog der Einteilung eines Ziffernblattes wird das Lenkrad mit der linken Hand bei neun, mit der rechten bei drei Uhr gegriffen. Für ein optimales Gefühl liegen Daumen und Handballen parallel auf. Wichtig dabei: Die Handgelenke können sich frei bewegen, die Ellenbogen sind zirka 90 Grad abgewinkelt und auf gleicher Höhe – schließlich muss man in der Lage sein, blitzschnell den maximal möglichen Lenkwinkel zu nutzen, ohne sich mit dem Oberkörper nach vorn zu beugen.

Allerdings wird der Radius zunächst durch das Kreuzen der Arme bei nahezu einer halben Lenkradumdrehung blockiert. Bis zu diesem Punkt gestaltet sich die Lenkradarbeit vergleichsweise einfach. Dann jedoch verlieren Ungeübte oftmals die Kontrolle über das Fahrzeug, denn jetzt ist das richtige und schnelle Übergreifen vonnöten.

Wie im Beispiel zu sehen, führt beim Lenkeinschlag nach rechts die linke Hand. Kurz bevor sich die Arme kreuzen, den Daumen der linken Hand anheben, die rechte Hand lässt das Lenkrad los und greift über die linke Hand hinweg, die mit dem Handballen weiter führt. Die rechte Hand greift nach nahezu einer ganzen Lenkradumdrehung wieder bei drei Uhr ins Geschehen ein, wodurch spielend bis zum maximalen Lenkeinschlag weiter gedreht werden kann.

Bei der Rückstellung zur Geradeausfahrt erfolgt der Ablauf in umgekehrter Form, womit die rechte Hand führt und die linke übergreift.

Niemals das Lenkrad loslassen und hoffen, dass man durch Zufall die Null-Stellung erreicht!

Ohne diese Lenkakrobatik, deren Ablauf zum Automatismus werden muss, ist der lang anhaltende und kontrollierte Drift unmöglich.

Denn ob im stabilen oder instabilen Fahrzustand: Der Stand der Vorderräder gibt die Richtung vor. Und auch die Blickführung entscheidet wesentlich über die Fahrtrichtung. Somit gilt also: Hinschauen, wo man hinfahren möchte, idealerweise also der Ideallinie folgend, vom Scheitel- über den Einlenkpunkt bis hin zum Kurvenausgang.

Gelenkt wird beim Driften – so verrückt das auch klingen mag – primär mit dem Gaspedal. Zumindest was unser Beispiel mit dem heckgetriebenen BMW Z4 M Coupé betrifft. Der Radius der gefahrenen oder, besser gesagt: gedrifteten Kurve wird mit dem rechten Fuß definiert. Je stärker der Gaseinsatz, desto größer der Driftwinkel, und desto kleiner auch der Kurvenradius. Bei geringerem Gaseinsatz wird der Driftwinkel hingegen flacher, der durchfahrene Radius hingegen größer.

Droht der Driftwinkel jedoch zu groß zu werden und in einem Dreher zu enden, wird das ausbrechende Heck mit mehr Gegenlenkbewegung und vorsichtiger Gaswegnahme eingefangen. Will sich das Heck hingegen stabilisieren, bringen gezielte Gasstöße wieder den gewünschten Driftwinkel. Achtung: Der maximal mögliche Winkel wird grundsätzlich vom maximal möglichen Lenkeinschlag definiert. Sportwagen wie Ferrari oder Dodge Viper verfügen über einen relativ kleinen Lenkeinschlag und lassen somit wenig Raum für Korrekturen am Volant. Der optimal vorgetragene Drift erfordert demnach optimale technische Voraussetzungen und vor allem ein schnelles, aber dennoch gefühlvolles Spiel mit Gas und Lenkrad.

Trick im Grenzbereich:
Bricht das Heck zu stark aus und drückt zudem noch dynamisch zum Kurvenrand, gilt generell: Gas reduzieren und maximal gegenlenken! Da aber durch die Gasrücknahme ein gewisses Motorschleppmoment auf die Antriebsachse einwirkt, ist mit einer Verzögerung zu rechnen. Zudem kann eine allzu hektische Gaswegnahme den Driftwinkel gar noch verstärken.

Als letzte Rettung vor dem Dreher hilft nur noch der Kupplungstrick. Um die Hinterräder zu entkoppeln, das Schleppmoment des Motors also zu eliminieren, wird die Kupplung getreten und parallel dazu bis zum Maximum gegengelenkt. Ist die Extremsituation gemeistert, die Kupplung wieder gefühlvoll einrücken lassen – nicht ruckartig, sonst bricht das Heck wieder zu stark aus – und den Drift fortsetzen.

Wer also punktgenau auslöst, mit dem richtigen Lenkeinschlag die Richtung vorgibt und mit gezielten Gasstößen den Radius sowie den Driftwinkel definiert, kann die Quertreiberei in vollen Zügen genießen.

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