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Elektromobil Mia im Test

Bus-Gnom mit Elekto-Herz

Microbus Mia Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

Drei Sitze, zwei Schiebetüren, 12 kWh Energie für 130 Kilometer Aktionsradius und bis zu 100 km/h schnell: Mit diesen Eckdaten stellt sich der nur 2,9 Meter große Microbus Mia dem ersten Test. Taugen Optik und vor allem die inneren Werte für eine feste Beziehung?

16.01.2012 Jochen Übler

Kennen Sie dieses glückselige Leuchten in Kinderaugen? Genau – dieses entzückende Strahlen, das sich rund um Weihnachten in den kleinen Gesichtern festsetzt. Hier ist es wieder. Nicht wegen Weihnachten. Wegen Mia. Dem Micro-Elektrobus französischer Herkunft, der auf den ersten Blick wirkt, als hätte er sich seiner Karussellverankerung entledigt. Gerademal 2,9 Meter lang, schlanke 1,7 Meter breit und 1,5 Meter hoch ist sie. Sie, weil Mia laut ihren Machern nämlich weiblich ist. Warum, bleibt bei uns unerforscht und spielt auch keine Rolle.

Also sprechen wir unverhohlen von ihrem Gewicht: Mia wiegt 829 Kilogramm und kann sogar 366 Kilogramm schultern. In ihrem Wagenboden trägt sie Lithium-Eisenphosphat-Akkus, die einen Energiegehalt von zwölf kWh (optional) speichern. Getrieben wird sie von einem 58 Nm starken Elektromotor, der auf die Hinterräder wirkt und maximale 18 kW abgibt.

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Eco Drive Mia amore mia?
auto motor und sport 01/2012
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Elektroauto Mia hält geradeso im Stadtverkehr mit

Entsprechend piano lässt es Mia angehen. In 8,3 Sekunden schnurrt die Kleine auf Tempo 50. Gerade ausreichend genug, um mit der dominierenden Hubkolbenkonkurrenz im Stadtgetümmel mitzuschwimmen. Maximal 100 Sachen wären theoretisch möglich, 33,3 Sekunden auf 80 km/h entsprechen der etwas trägen Realität.

Somit bleiben wir lieber beim Kern der Sache, dem praktischen Nutzen für den Einkauf, der schnellen Lieferung oder dem Transport zum Kindergarten und zurück. Hierfür hat sich Mia ansehnlich herausgeputzt, auch wenn sie sich dadurch vom Grundpreis (19.500 Euro) in Richtung 28.000 Euro entfernt. Sie schmückt sich mit feinem Leder auf Armaturenbrett, Sitzen und Türverkleidungen sowie mit einem akzeptablen Kofferraum, der immerhin ein Fassungsvermögen von 260 Liter bietet. Die niedrige Ladekante stellt ebensowenig ein Hindernis dar wie die weit nach oben schwingende Glasheckklappe, unter der sich auch 1,90-Meter-Hünen kein Horn holen.

Ein Druck auf die weiße Mia-Blüte, und die Schiebetüren entriegeln sich: bitte einfädeln auf drei Einzelsitze durch eine überraschend große Luke, die sich vom Dach bis in den Boden erstreckt. Der Kapitän nimmt elitär auf der Mittelposition Platz, seitlich gut gestützt und bequem gebettet. Er genießt noch einen Hauch Kopffreiheit sowie eine prima Übersicht, blickt auf ein unkapriziöses Cockpit, das auch Stromkonsum, Rekuperation im Schiebebetrieb und natürlich den Ladestand des Akkus anzeigt.

Keine Servo, kein ABS, kein ESP

Keine Servo, kein ABS, kein ESP? Das kann ja heiter werden. Wie wahr ... Denn die erforderlichen Lenkkräfte gehen absolut in Ordnung. Locker und mit links lässt sich Mia in Parklücken zirkeln, dreht mit dem mickrigen Wendekreis gefühlt auf der Stelle. Zudem spricht die Lenkung angenehm direkt an, um dem Bus-Gnom sogar eine fidele Dynamik zu entlocken. Auch das Ansprechverhalten der Bremse ist subjektiv okay. Tatsächlich sind 12,8 Meter nötig, um aus 50 km/h zum Stillstand zu kommen (Smart Fortwo: unter zehn Meter).

Um beim Micro-Vergleich zu bleiben: Mia ist keine Flüsterbraut. Bei Stadttempo herrscht im Innenraum ein ähnlicher Schalldruck wie beim Smart. Hinten surrt der Motor, durch die einfache Kunststoffkarosserie in cooler Aluminiumoptik drücken Außen- und Windgeräusche herein. Ab und an stolpert die Hinterachse poltrig über Kanaldeckel hinweg. Deswegen an den Fahrwerksqualitäten der Kleinen zu mäkeln, würde ihr Unrecht tun. Sie federt und dämpft durchaus charmant, knickt beim schnellen Richtungswechsel vorne in die Feder, hebt im Extremfall hinten kurz das Rädchen, läuft deswegen aber keineswegs ungewollt aus dem Ruder.

Heizkraft von Mia reicht nur Fahrer

Ein Ausflug mit Mia hat Spaßpotenzial – wenn nicht gerade das Handy oder Kleinkram vom einfachen Plastiktablett der beiden Ablagen rutscht oder sich einer der beiden hinteren Passagiere über die kühlen Temperaturen beschwert. Dabei sollte er sich lieber über die Tatsache freuen, dass er seine Beine nahezu ausstrecken kann. Für den Lenker reicht die Heizleistung gerade aus. Zum Freipusten der Frontscheibe auch, was allerdings die maximale Reichweite reduziert. So kommt es, dass Mia mit ab und an winkendem Scheibenwischer, hin und wieder laufendem Gebläse und sicherheitsrelevantem Licht auf unserer Reichweitenrunde nach 77 Kilometern nur noch 15 Prozent Ladekapazität anzeigt.

Bei Kilometer 94 ermahnt sie zum Stopp und sofortigem Ladevorgang. Der dauert dann mindestens fünf Stunden, saugt 14,3 kWh aus dem Netz. Legt man 23 Cent für die Kilowattstunde zugrunde, so kostet die beschwingliche Runde mit Mia knapp über drei Euro. Die leuchtenden Kinderaugen beim Anblick der zugegeben etwas eigenartigen, aber liebenswerten Kleinen sind dagegen unbezahlbar.

Vor- und Nachteile

  • Sehr gute Übersicht
  • prima Raumausnutzung
  • gute Handlichkeit
  • Mittelmäßige Verarbeitungsqualität
  • kein ESP
  • schwache Motorisierung
  • mäßige Bremsanlage
  • relativ hohe Innengeräusche
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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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