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Ferrari 360 Modena

Der neue Ferrari 360 Modena verkörpert die kompromisslos sportliche Linie des Hauses. Sein bulliger Mittelmotor-V8 leistet 400 PS.

02.08.2000

Muss ein Ferrari rot sein? Im Prinzip ja, aber für Sonderlinge gibt es Alternativen. Insgesamt 15. Muss ein Ferrari außer der Modellbezeichnung noch einen Namen tragen?

Auch diese Frage lässt sich mit einem klaren Ja beantworten. Ist es doch zwangsläufig ein klangvoller italienischer Name, oft mit einem eindeutigen Bezug zum Produkt. Modena, die berühmte Stadt in der Emilia Romagna, stand Pate für die Namensgebung des F 360. Das ist nahe liegend, schließlich werden die Achtzylinder-Mittelmotorwagen der italienischen Nobelmarke traditionell dort bei der ehemaligen Karosseriefabrik Scaglietti gebaut. Pininfarina in Turin hat die aufregende, dem Windkanal folgende Form der nur 1,21 Meter hohen Berlinetta entworfen. Trotzdem sind die Meinungen der Ferraristi über das Design geteilt wie die Lufteinlässe in der Frontpartie des F 360. „Das ist kein Ferrari“, murren die einen.

Doch es ist eine Minderheit, die das klassische Haifischmaul in der Mitte vermisst. „Es ist ein Ferrari“, sagen die vielen anderen. auto motor und sport kann das unterstreichen. Der Modena ist Ferrari pur. Alles an diesem Auto hat ein einziges Ziel: höchstmögliche Performance. So spricht auch vieles für zweigeteilte Lufteinlässe in der Frontpartie. Denn schon hier folgt die Form den Bahnen der Luftströmung, die beim Modena integraler Bestandteil der Entwicklung waren. Die Luft muss kühlen, lüften, den Motor versorgen und, ganz wichtig, den Modena bei hoher Geschwindigkeit auf die Piste pressen. Insgesamt 5400 Stunden haben die Prototypen im Windkanal verbracht.

Ein Ergebnis dieses Aufwandes sind die zweigeteilten Kühllufteintritte, hinter denen sich große Wasserkühler und der Wärmetauscher für die Klimaanlage verbergen. Unten in der Mitte konnte man dafür die Schnauze hochziehen und so die Luft zur Unterströmung des Wagens bewegen. Sie gleitet nahezu ungehindert den glatten Wagenboden entlang und wird, von zwei Diffusoren beschleunigt, hinten aus zwei trichterförmigen Schächten wieder entlassen. Der aerodynamische Unterboden und die strömungsoptimierte Karosserie erzeugen so eine geschwindigkeitsabhängige resultierende Abtriebskraft (Ground-Effect), die bei 290 km/h rund 1800 Newton beträgt. Überzeugender Nebeneffekt: Die Harmonie der Modena- Form wird nirgendwo von aerodynamischen Hilfsmitteln in Form von Spoilern oder Flügeln gestört.

Doch der Haupteffekt scheint wichtiger und ist objektiv spürbar. Der Modena läuft selbst bei Höchstgeschwindigkeit gut geradeaus, kein Anflug von Auftrieb trübt die Bodenhaftung. Insbesondere in schnellen Kurven scheint der Modena förmlich auf der Straße zu kleben. Die Lenkkorrekturen bleiben dabei minimal, sofern die Straße eben ist. Unebenheiten und Querfugen bringen hingegen Unruhe in den Vorderwagen, die mit präzisen, kleinen Lenkbewegungen pariert werden muss. Dies artet nicht in Arbeit aus, denn die leichtgängige und dabei sehr exakte Servolenkung macht solche Korrekturen zum Vergnügen. Aber sie müssen moderat bleiben: Grobe Lenkausschläge quittiert der Modena mit einer spürbaren Giertendenz um die Hochachse.

Das hohe Geschwindigkeitsniveau relativiert diese Aussage. Die Rede ist von einem Bereich jenseits von 200 km/h.

In diese Regionen stößt der Modena mit seinen 400 PS ziemlich mühelos vor. Bis 8600/min ausgedreht, reicht schon der vierte Gang an 190 km/h, und mit einem Klack- Klack in der Schaltkulisse sind nach insgesamt 16,4 Sekunden die 200 km/h passiert.

Es geht zügig weiter, bei 231 km/h wird in den sechsten Gang des neuen, längs eingebauten Getriebes geschaltet. Wieder klackt die ferraritypische Metallkulisse, ein Vergnügen, das der mit der elektrohydraulischen F1-Schaltung (Aufpreis 15 000 Mark) ausgestattete Modena nicht bieten kann. Mit nur einem kleinen Drehzahlsprung schiebt der bis zur Abregeldrehzahl hochmotivierte V8 den F 360 weiter, das Geräusch zu einem hellen Hämmern steigernd.

Die optimistische Tachoskala geht bis 340 km/h. Als Höchstgeschwindigkeit gibt Ferrari über („oltre“) 295 km/h an. Das ist korrekt: auto motor und sport hat 295,1 km/h ermittelt, der Drehzahlbegrenzer ließ nicht mehr zu. Zudem warnte bei der Messung ein aufleuchtendes Display im Rundinstrument: „Slow Down!“ Laut Ferrari eine Vorsichtsmaßnahme zur Schonung der zwangsläufig nahe am Motor platzierten Katalysatoren. Am anderen Ende der Tachoskala ist ebenfalls Vorsicht geboten.

Zu leicht katapultiert der auch im unteren Drehzahlbereich potente V8 den Modena über die 30, 50 oder andere geltende Speed-Limits. Es liegt nicht am Motor, der Bummeltempo mit niedriger Drehzahl auch in höheren Gängen gut verträgt. Das leichtgängige Gaspedal (der Modena hat E-Gas) und die unten zu eng gespreizte Tachoskala erschweren selbst bei gutem Willen die Einhaltung von Geschwindigkeitsbeschränkungen. Überhaupt der Motor. Wie üblich bei Ferrari, prägt er den Charakter des Modena und trägt ganz maßgeblich zum Fahrvergnügen bei. Außerdem hat sich der Achtzylinder neben dem Zwölfzylinder als gleichberechtigt etabliert: Rund zwei Drittel aller Ferrari werden davon angetrieben.

Die vorläufig letzte Ausbaustufe des hochtourigen V8 liegt, den Blicken frei zugänglich, unter der Acrylglashaube des Heckdeckels. Man sieht die beiden roten Luftsammler mit klappengesteuertem Querschott, die Luftmassenmesser mit den elektrischen Drosselklappen, die beiden Luftfilter und den über dem Getriebe liegenden Öleinfüllstutzen. Dort wird das Motoröl aufgefüllt, denn der Ölvorrat für die Trockensumpf-Schmierung ist im Differenzialgehäuse integriert.

Das Ganze ist nach hinten an langen Rahmenauslegern befestigt, die wiederum mit dem Aluminium-Space-Frame verschraubt sind.

Noch interessanter ist allerdings das, was man nicht sieht. So zum Beispiel die fünf Ventile pro Zylinder, die vier Nockenwellen mit Phasenschieber auf der Auslass-Seite, die acht Steuerklappen in den Hochleistungs- Saugtrichtern oder die flache Kurbelwelle mit ihrer 180-Grad-Kröpfung.

All das zusammen führt, mittels modernster Bosch-Motronic 7.3 gemanagt, zu der für einen Saugmotor bemerkenswerten Literleistung von 111,5 PS. Denn viel größer als im 355 konnte der V8 nicht werden. Gerade mal zwei Millime- ter mehr Hub waren drin, so dass der Hubraum nun bei 3586 Kubikzentimetern liegt.

Es reicht, denn auch das maximale Drehmoment ist mit 373 Newtonmetern stattlich, ganz besonders, wenn man es spezifisch betrachtet. Und Drehmoment ist denn auch fast immer in ausreichender Fülle präsent, wozu die komplizierte Sauganlage maßgeblich beiträgt. Im unteren Drehzahlbereich bleiben die acht Klappen in den kurzen Saugtrichtern geschlossen. Der Motor bezieht seine Luft dann über die fast doppelte Saugrohrlänge.

Bei 5500/min öffnen die Klappen schließlich den Hochleistungsansaugtrakt. Die Trennklappe zwischen den Luftsammlern ermöglicht zudem die Nutzung von Resonanzeffekten. Gleichzeitig wird bei höherer Geschwindigkeit der Staudruck der im linken hinteren Kotflügel intergrierten Airbox genutzt. Akustischer Nebeneffekt: Bei geöffnetem linkem Fenster klingt aus dieser Höhle ein fast beängstigendes Grollen. Das ist Musik in den Ohren der Ferraristi. Daran stört man sich ebensowenig wie an dem bei Nutzung der Leistung auf fast 20 Liter ansteigenden Verbrauch.

Und sonst? Sehr gute Bremsen, das Fahrwerk, ebenso wie die Karosserie vollständig aus Aluminium, erstaunlich ausgewogen. Mit der dreistufigen Antriebsschlupfregelung kann der Fahrer zwischen Nervenkitzel (ASR aus), sportiver Fahrweise mit Driftansatz (ASR Sport) und der gutmütigen Normalabstimmung wählen. Im letzteren Falle greift ASR nicht nur bei den Bremsen ein, sondern nimmt auch noch Gas weg. Im Sportprogramm fährt es sich mühelos schnell, zumal der Modena auch über eine asymmetrisch ausgelegte mechanische Sperre (Zug/Schub: 25:45 Prozent) verfügt.

Der Grip ist damit selbst bei vollem Vortrieb erstaunlich. Ein weiterer Effekt des Sportprogramms ist die straffere Dämpfung, mit der die auch sonst nicht störenden Aufbau- Bewegungen auf ein Minimum reduziert werden. Damit wird freilich der insgesamt ganz akzeptable Komfort geschmälert. Aber er bleibt erträglich. Wie man überhaupt in diesem Mittelmotor-Ferrari erstmals kommod sitzt, genügend Bewegungsfreiheit hat und neben dem vorderen, für zwei Personen ausreichenden Kofferraum (Inhalt 220 Liter) sogar hinter den Sitzlehnen noch ein Fach für Kleingepäck vorfindet. Im dem mit Connolly-Leder und Aluminium ausgeschlagenen Innenraum geht es erfreulich schlicht zu: kein Navigationssystem, kein Bordcomputer, kein Multi-Info-Bildschirm und kein Multifunktions-Lenkrad.

Man atmet auf und kann sich ganz auf die wirklich wesentlichen Funktionen eines Automobils konzentrieren. Und keines vermittelt diese so hautnah wie ein Ferrari.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr gute Funktionalität hohe Karosseriesteifigkeit ausgefeilte Aerodynamik komplette Serienausstattung hohe Verarbeitungsqualität
  • schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • kommode Sportsitze mit gutem Seitenhalt akzeptabler Federungskomfort problemlose Bedienung
  • lautes Motorgeräusch
Antrieb
  • sehr drehfreudiger Hochleistungsmotor breites Leistungsband hervorragende Fahrleistungen eng gestuftes Sechsganggetriebe präzise Schaltung
  • Leistung schlecht dosierbar bei niedriger Drehzahl
Fahreigenschaften
  • ausgezeichnete Bodenhaftung bei hoher Geschwindigkeit präzise, leichtgängige Lenkung hohe Kurvengeschwindigkeiten gut kontrollierbares Eigenlenkverhalten gute Handlichkeit durch kleinen Wendekreis
  • beeinträchtigter Geradeauslauf bei unebener Fahrbahn
Sicherheit
  • sehr gute, standfeste Bremsen steife Space-Frame-Konstruktion zwei Front-Airbags
  • keine Sidebags
Umwelt
  • recyclingfähige Voll-Aluminium- Karosserie
  • schadstoffarm nur nach D2 hoher Verbrauch
Kosten
  • hoher Anschaffungspreis hohe Wartungskosten hohe Festkosten

Fazit

Der F 360 Modena ist ein echter Hochleistungssportwagen, der Funktion und Fahrleistung in den Vordergrund stellt. Dabei bewahrt er sich eine gute Portion Alltagstauglichkeit. Wer Fahr-Faszination sucht, findet sie im Modena pur.

Technische Daten
Ferrari 360 Modena
Grundpreis128.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4477 x 1922 x 1214 mm
KofferraumvolumenVDA220 L
Hubraum / Motor3586 cm³ / 8-Zylinder
Leistung294 kW / 400 PS (373 Nm)
Höchstgeschwindigkeit296 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,5 s
Verbrauch17,9 L/100 km
Testverbrauch18,0 L/100 km
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