Vorsicht vor den Folgen einer Probefahrt! Sie könnte Sie überwältigen, Sie verzehren. Sie könnten Ihrer nicht mehr Herr werden, der Begierde, den neuen Ferrari 599 GTB Fiorano zu besitzen. Dann wird man folgendes Inserat lesen: Verkaufe Haus und Hof, auch Verwandtschaft. Nicht unter 206 000 Euro.
Ferrari steht für den Euphorie-Peak unter der Seriensportwagen, die Zahlenkombination 599 für 5,9 Liter Hubraum, das Kürzel GTB für Gran Turismo Berlinetta, also Coupé, sowie Fiorano für die hauseigene Teststrecke. Und alles zusammen bezeichnet den neuesten italienischen Höchstleistungs- GT – eine zweisitzige Erlebnis- Bühne.
Für die nächsten zwei Jahre sind die Dauerkarten in Deutschland leider schon vergeben. Der Fiorano ist so lang wie ein Mercedes CLK, so breit wie ein GL, so hoch wie ein SLK und so schwer wie ein E-Klasse-Kombi. Vollgetankt und vollbesetzt offenbart die Waage schonungslose 1,9 Tonnen – ein kunstvoll gedrechseltes Trumm aus Aluminium. Der 599 ist die GT-Version des Enzo und wurde um dessen Zwölfzylinder herum konstruiert; das Triebwerk sitzt nun hinter der Vorder- statt vor der Hinterachse. Ein Front-Mittelmotor- Sportwagen als Mischung aus der gelassenen Eleganz des Daytona und der Performance-Fixiertheit des Enzo. Damit ist er der stärkste und schnellste Frontmotor-Ferrari aller Zeiten.
Aus der Formel plus 105 PS, minus 50 Kilogramm errechnet sich der Dynamik- Bonus gegenüber dem Vorgänger F575 M; in Fiorano summiert sich der Vorsprung auf 3,5 Sekunden (Rundenzeit 1:26,5). Weitergeträumt wären in vier Modell-Generationen etwa 1000 PS und 1500 Kilogramm Gewicht erreicht. Doch auch die heutigen 620 PS reichen für einen Kickdown im Vorstellungsvermögen – und damit für vorsorglich angespannte Nackenmuskulatur. Die Realität verlangt Gleiches von den Wangen, nutzt man die 599-eigene Abschussrampe. Launch Control, das Katapult-Prozedere mit komplexer Bedien-Anweisung.
Ihre Ausführung steigert die kribbelnde Vorfreude auf die Beschleu- nigung fast ins Unerträgliche. Im Stand deaktiviert man per Manettino, einem Schalter rechts am Lenkrad, sämtliche Fahrhilfen.
Ferrari 599 GTB Fiorano: Nie genug biegen
Das neue Suchtmittel aus Maranello heißt Ferrari 599 GTB Fiorano und hält den Piloten schon nach den ersten Kurven in seinen Fängen. In der Champions League der zweisitzigen GT spielt der 620-PS-Bolide ganz oben.
Autor: Marcus Peters



